KNE startet Workshopreihe „Technische Systeme“

Berlin, 21. Februar 2020

KNE startet Workshopreihe „Technische Systeme“

Im Rahmen des vom KNE durchgeführten F+E-Vorhabens sollen erste Empfehlungen zu den Anforderungen an Detektionssysteme zur automatischen Vogelerfassung und ereignisbezogenen Betriebsregulierung von Windenergieanlagen formuliert werden.

Das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt umfasst eine Veranstaltungsreihe, in deren Rahmen Empfehlungen über Mindestanforderungen an die Wirksamkeit von Detektionssystemen erarbeitet werden, um eine Konsensbildung einzuleiten und den weiteren Wissenstransfer zu befördern.

Expertenworkshops und Fachveranstaltung

Das auf ein ein Jahr angelegte Vorhaben umfasst drei Expertenworkshops und eine abschließende Fachveranstaltung, in die die Ergebnisse der Workshops einfließen werden. Die Workshops richten sich an Vertreter und Vertreterinnen der Landesministerien, der Landesumweltämter, der Fach- und Genehmigungsbehörden, der staatlichen Vogelschutzwarten sowie an Gutachter und Juristen, die sich mit dem Thema befassen. Die Schwerpunkte liegen auf der Formulierung von Mindestanforderungen an die Eignung und Wirksamkeit der Systeme als Schutzmaßnahme, der Erarbeitung von Hinweisen zu möglichen Einsatzbereichen von automatischen Detektions- und Abschaltsystemen in einem bestehenden planerischen und genehmigungsrechtlichen Kontext und die Bearbeitung der Frage nach der Gewährleistung der Kontrollierbarkeit einer ereignisbezogenen Abschaltung durch die Behörden.

Zur Projekt-Internetseite.

Rotmilan im Flug

Rotmilan im Flug. Foto: Roy-Buri auf Pixabay.

Die Expertise des KNE ist international gefragt

Funchal, 13. und 14. Februar 2020

Die Expertise des KNE ist international gefragt

Das KNE beteiligte sich auf Einladung der UNESCO am “1st Workshop – Developing a Guidance Tool for World Heritage and Renewable Energy Wind energy installations within or near World Heritage properties”. 

Das Welterbezentrum der UNESCO war Teilnehmer des KNE-Fachdialogs „Energiewende in der Nähe von UNESCO-Welterbe“, in dem es unter anderem darum ging, wie erreicht werden kann, dass die Beurteilung möglicher Beeinträchtigungen von Welterbestätten durch geplante Windenergieanlagen vorhersehbarer und zügiger durchgeführt werden könnte.

Inzwischen arbeitet das Welterbezentrum an Richtlinien zur Bewertung von Windenergieanlagen in der Nähe von Welterbestätten, die sie ihren Mitgliedsstaaten zur Verfügung stellen will. Die Richtlinien sollen im Laufe des Jahres erarbeitet werden.

Vor diesem Hintergrund richtete das UNESCO World Heritge Centre in Funchal den zweitägigen Workshop 1st Workshop – “Developing a Guidance Tool for World Heritage and Renewable Energy Wind energy installations within or near World Heritage properties” aus.

Der Workshop richtete sich vornehmlich an die europäischen Mitgliedsländer und diente dazu, ein gemeinsames Verständnis über Funktion und Ausgestaltung der Richtlinien zu erlangen. Neben anderen Teilnehmenden waren die jeweils national für das Welterbe zuständigen Personen aus Deutschland, den Niederlanden, England, Schottland, Schweden, Russland und Portugal vertreten.

Das KNE war gebeten worden, Fragen und Beobachtungen zu formulieren, die sich aus dem KNE-Fachdialog ergeben haben und zu skizzieren, welche Erwartungen Nicht-Welterbe-Akteure an eine solche Richtlinie stellen könnten. Dr. Mathis Danelzik, Leiter des KNE-Fachdialogs zur Vereinbarkeit von Windenergieausbau und UNESCO-Welterbestätten in Deutschland, lieferte diesbezüglich mit seiner Expertise wichtigen Input.

Der KNE-Fachdialog „Energiewende in der Nähe von UNESCO-Welterbe“

In dem vom KNE entwickelten und moderierten Fachdialog erarbeiteten die Teilnehmenden Empfehlungen für eine bessere Vereinbarkeit von Windenergieplanungen und UNESCO-Welterbestätten. Die Empfehlungen hat das KNE in der umfassenden Publikation „Empfehlungen zur Vereinbarkeit von Windenergieausbau und UNESCO-Welterbestätten in Deutschland“ veröffentlicht.

Das Wichtigste in Kürze und die Publikation zum KNE-Fachdialog finden Sie hier.

Blick auf den Lorbeerwald auf Madeira.

Blick auf den Lorbeerwald auf Madeira. Foto: adege, auf Pixabay.

Konflikte nicht verloren geben

Müncheberg, 12. Februar 2020

Konflikte nicht verloren geben

Dr. Bettina Knothe leitete einen Workshop zum Konfliktmanagement auf einem Symposium in Müncheberg.

Die Kreisau-Initiative und das Schloß Trebnitz luden zu einem internationalen Symposium nach Müncheberg in das Schloss Trebnitz ein. Schwerpunktthemen der Fachtagung „Aushandlungsprozesse zu ökologischen Herausforderungen: Wie gelingen zukunftsfähige Allianzen im ländlichen Raum?“ waren die Gestaltung von Aushandlungsprozessen in den Politikfeldern Energie- und Agrarwende sowie die Einrichtung von Großschutzgebieten. Die Teilnehmenden diskutierten unter anderem die Fragen, wie im ländlichen Raum Dialog und gemeinsames Handeln zwischen Vertretern und Vertreterinnen von ökologischen und sozio-ökonomischen Anliegen gelingen kann. Auch ging es darum, wie Konflikte überwunden und neue (Synergie-) Potenziale für gemeinsames Handeln auf lokaler und regionaler Ebene gefunden werden und Ergebnisse von Aushandlungsprozessen in langfristig tragbare Lösungen umgesetzt werden können.

In zwei Workshops zum Thema Strategien und Ansätze für Konfliktmanagement in Mehr-Ebenen-Konfliktfeldern diskutierte Dr. Bettina Knothe von der KNE-Konfliktberatung Konfliktlagen in Naturschutz und Energiewende vor Ort. Zusammen mit den jeweils rund 25 Workshopteilnehmenden aus Deutschland und Polen, die in Naturschutzverbänden, Kommunal- und Regionalverwaltungen aktiv tätig sind, erprobte sie Modelle und Methoden zu Konfliktanalyse und Dialoggestaltung anhand konkreter Beispiele aus der Arbeitspraxis der Anwesenden.

Teilnehmende beider Workshops meldeten zurück, dass sie wertvolle Informationen und Hinweise insbesondere aus inhaltlichen Inputs, Modellen und Moderation gewonnen haben. Die Mischung aus vorgegebener Workshopstruktur und flexiblem Reagieren auf Aussagen und Bedarfe der Gruppe wurde als bereichernd erachtet. Einen Aspekt haben Teilnehmende am Ende der Veranstaltung ausdrücklich betont: Der Workshop war eine klare Ermutigung dafür, Konflikte nicht verloren zu geben, sondern sie aktiv und mit geschulter Unterstützung anzugehen.

Die Kreisau-Initiative wurde 1989 von Ost- und Westberlinern gegründet, um den Aufbau und die Arbeit einer internationalen Begegnungsstätte in Kreisau/Krzyżowa (Polen) zu unterstützen.

Foto: Doris Antony, Berlin.

Ansicht des Trebnitzer Schlosses. Foto: Doris Anthony.
Ansicht des Trebnitzer Schlosses. Foto: Doris Anthony.

Fairness wichtiger als 1.000 Meter Mindestabstand

Berlin, 4. Februar 2020

KNE-Wortmeldung

Fairness wichtiger als 1.000 Meter Mindestabstand

KNE-Wortmeldung zum Mindestabstand von Windenergieanlagen. Kürzlich wurde die Studie “Monitoring annoyance and stress effects of wind turbines on nearby residents: A comparison of U.S. and European samples” von Hübner et al. (2019) vorgelegt. Das KNE nimmt nachfolgend eine erste Einordnung der Forschungsergebnisse vor.

In den aktuellen Debatten über den Stillstand beim Ausbau der Windenergie an Land wird als gewichtiges Argument vorgetragen, dass die Akzeptanz der vor Ort vom Ausbau Betroffenen sehr gering sei, vor allem aufgrund der Lärmemissionen. Ein Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen Windenergieanlagen und Wohnsiedlungen müsse umgesetzt werden, um dem abzuhelfen.

Die Autorinnen und Autoren einer international vergleichenden Studie (Hübner et al. 2019) haben sich in einem aufwändigen Forschungsprojekt mit den Ursachen von Lärmstress durch Windenergieanlagen auseinandergesetzt. Die Ergebnisse der Studie stärken Zweifel an der Wirksamkeit von Mindestabständen. Um das Stressempfinden der Anwohnenden zu reduzieren, sei es wichtiger, die Anwohnenden stärker in die Planungsprozesse einzubeziehen.

1. Der Inhalt der Studie

Hübner et al. untersuchen in einer vergleichenden Studie, wie in den USA, Deutschland und der Schweiz Menschen Stress durch Windenergieanlagen in ihrer Nähe erleben. Die Autorinnen und Autoren entwickeln dafür einen neuen Ansatz zur Messung von Lärmstress, den Noise Annoyance Stress Scale (NAS-Scale). Dieser bildet nicht nur ab, wie Anwohnerinnen und Anwohner Lärm empfinden und bewerten, der von Windenergieanlagen in ihrer Nachbarschaft ausgeht. Er erfasst darüber hinaus mögliche Stresssymptome (Schlafstörungen; Gereiztheit; negative Stimmung; Konzentrationsschwäche) und Stressreaktionen (u. a. aktive Maßnahmen zur Lärmminderung etwa durch das Schließen von Fenstern; aktive Entspannung; Austausch mit anderen Menschen).

Für die Untersuchung werteten die Autorinnen und Autoren die Befragungen mehrerer Studien[1] aus. Insgesamt flossen Rückmeldungen von 2.470 Personen in die Untersuchung ein (1.441 aus den USA, 584 aus Deutschland, 445 aus der Schweiz). Die Befragten lebten zwischen 0,08 und 4,8 Kilometer von der nächsten Windenergieanlage in ihrem Umfeld entfernt (durchschnittlich 1,3 Kilometer in den USA und 1,74 Kilometer in Deutschland und der Schweiz).

Die Ergebnisse der Untersuchung belegen ein generell geringes Auftreten von Stresssymptomen durch Geräusche von Windenergieanlagen, sofern die Immissionsschutzrichtlinien eingehalten werden. Weniger als fünf Prozent der Befragten aus den europäischen Ländern (Deutschland und Schweiz) und den USA berichteten, dass sie mindestens einmal pro Monat Symptome wie Schlafstörungen, Gereiztheit, negative Stimmung oder Konzentrationsschwäche erleben, die sie auf den Schall der Windenergieanlagen zurückführen. Ob und wie stark Anwohnende Lärmstress erleben, hängt nach den Ergebnissen der Studie dabei nicht davon ab, wie weit die Anwohnenden von der nächsten Windenergieanlage entfernt wohnen. Auch der faktisch bei den Befragten gemessene Schallpegel hat keine Auswirkungen darauf, ob und wie stark sie Lärmstress erfahren.

Die Studie belegt vielmehr einen Zusammenhang zwischen dem erlebten Lärmstress der Anwohnenden und ihren Erfahrungen mit den Planungsprozessen der Windenergieanlagen. Diejenigen, die Planungsprozesse als unfair wahrnahmen, erlebten deutlich häufiger Lärmstress als jene, die die Planungsprozesse als fair bewerteten. Die Autorinnen und Autoren schließen aus diesen Erkenntnissen, dass eine frühe und aktive Einbindung der Anwohnenden in die Planungsprozesse eine Schlüsselstrategie sein könnte, um den erlebten Lärmstress und damit auch Widerstände gegen Windenergieanlagen vor Ort zu reduzieren.

2. Fazit des KNE

Die international vergleichende Studie von Hübner et al. (2019) liefert eine starke Empirie gegen die politische These, ein pauschaler Mindestabstand von Windenergieanlagen zu Wohnsiedlungen sei der zentrale Schlüssel, damit Anwohnende vor Lärmstress von Windenergieanlagen geschützt seien. Nach den Ergebnissen der Studie gibt es starke Belege dafür, dass vielmehr erlebte Fairness entscheidend für die Akzeptanz von Windenergieanlagen vor Ort ist.

Die Anwohnenden, die Planungen, den Bau und den Betrieb von Windenergieanlagen als einen fairen (Beteiligungs-) Prozess wahrnehmen, akzeptieren die Windanlagen (und ihre Lärmemissionen) eher, als diejenigen, die sich unfair behandelt fühlen. Damit unterstreicht die Studie Ergebnisse von Untersuchungen aus der Konflikt- und Beteiligungsforschung.[2] Diese Studien belegen, dass die Zustimmung der Menschen vor Ort für den Ausbau der erneuerbaren Energien eng daran geknüpft ist, dass sie die Planungsverfahren als transparent und die Verteilung der Belastungen und Einnahmen als gerecht erleben.

Die Erfahrungen aus der Beratungspraxis des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende bestätigen diesen Zusammenhang ebenfalls: Eine frühzeitige und möglichst umfassende Beteiligung der Anwohnenden, der örtlichen Naturschutzgruppen und der Gemeindevertreterinnen und -vertreter an den Planungen, zu einem Zeitpunkt, der noch viel reelle Mitsprache ermöglicht, ist ein erfolgsversprechender Ansatz, wenn es darum geht, Konflikte beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu vermeiden oder zumindest zu mindern.

Negative Lärmerfahrungen im Einzelnen kann man niemandem ausreden. Es sollte aber Maß und Mitte gehalten werden, wenn es um Lösungen für den weiteren Windenergieausbau geht. Lösungen im Einzelfall, unter Mitsprache und Einbeziehungen der Betroffenen sind sicherlich der erfolgversprechendere Weg für die Energiewende als durchaus problematische pauschale Mindestabstände.

Ein bundesweiter Mindestabstand von 1.000 Metern zu Wohnbebauungen birgt immerhin das Risiko, dass sich der Nutzungsdruck auf die für die Windenergie verbleibenden siedlungsferneren Flächen drastisch erhöht. Das Angebot an Flächen, auf denen eine Windenergienutzung zukünftig möglich ist, würde laut Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) bei der Anwendung eines Mindestabstandes von 1.000 Metern um 20 bis 50 Prozent reduziert (Umweltbundesamt 2019). Um den für eine erfolgreiche Energiewende erforderlichen weiteren Ausbau der Windenergie zu gewährleisten, müssten Flächen zur Verfügung gestellt werden, die bisher aus (guten) anderen Gründen weitgehend ausgeschlossen wurden (ebd.), zum Beispiel naturschutzfachlich wertvolle Flächen und unsere Wälder. Damit wären erhebliche Konflikte mit dem Natur- und Artenschutz vorprogrammiert.

In den Diskussionen um einen bundesweiten Mindestabstand sollten nach unserer Überzeugung die akzeptanzfördernde Wirkung von frühzeitiger und aktiver Beteiligung der Menschen vor Ort einerseits und die Risiken für Natur- und Artenschutzkonflikte andererseits eine stärkere Würdigung erfahren.

Hier finden sie Studie von Hübner et al. (2019).

Ihr Ansprechpartner im KNE:

Dr. Jan Beermann
jan.beermannnaturschutz-energiewende.de
030-7673738-32

Quellenverzeichnis

Barth, R., Ewen, C., Schütte, S., Ziekow, J. (2018): Konfliktdialog bei der Zulassung von Vorhaben der Energiewende. In: Holstenkamp, L. und Radtke, J. (Hrsg.) (2018): Handbuch Energiewende und Partizipation. Springer VS, Wiesbaden. S. 583-598.

Wachinger, G., Renn, O. (2016): Teil D Praxis Empfehlungen. In: Beninghaus, C., Wachinger, G., Renn, O. (2016): Bürgerbeteiligung. Konzepte und Lösungswege für die Praxis. Wolfgang Metzner Verlag, Frankfurt am Main. S. 329-344.

Firestone, J., Hoen, B., Rand, J., Elliot, D., Hübner, G., Pohl, J. (2018): Reconsidering barriers to wind power projects: community engagement, developer transparency and place. Journal of Environmental Policy & Planning 20 (3). S. 370–386.

Hübner, G., Löffler, E. (2013): Wirkungen von Windkraftanlagen auf Anwohner in der Schweiz: Einflussfaktoren und Empfehlungen. In: Institut für Psychologie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Hübner, G., Pohl, J., Hoen, B., Firestone, J., Rand, J., Elliott, D., Haac, R. (2019): Monitoring annoyance and stress effects of wind turbines on nearby residents: A comparison of U.S. and European samples. In: Environment International 132, 2019, S. 1-9.

Pohl, J., Hübner, G., Mohs, A. (2012): Acceptance and stress effects of aircraft obstruction markings of wind turbines. Energy Policy 50, S. 592–600.

Pohl, J., Gabriel, J., Hübner, G. (2018): Understanding stress effects of wind turbine noise − the integrated approach. Energy Policy 112, S. 119–128.

Reusswig, F., Braun, F., Eichenauer, E., Fahrenkrug, K., Franzke, J., Heger, I., Ludewig, T., Melzer, M., Meyer-Ohlendorf, L., Ott, K., Scheepmaker, T. (2017): Projekabschluss-Bericht. Energiekonflikte – Akzeptanzkriterien und Gerechtigkeitsvorstellungen in der Energiewende. 69 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 27.01.2020).

Umweltbundesamt (2019): Analyse der kurz- und mittelfristigen Verfügbarkeit von Flächen für die Windenergienutzung an Land. Abschlussbericht. 167 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 27.01.2020).

[1] Firestone et al., 2018; Hübner and Löffler, 2013; Pohl et al., 2012; Pohl et al., 2018.

[2] Barth et al. 2018, S. 585 ff.; Wachinger und Renn 2016, S. 329 f.; Reusswig et al. 2017, S. 19 ff.

Foto: Markus-Distelrath, Pixabay.