Interaktiver Workshop zu Konfliktprävention in der naturverträgliche Energiewende

Berlin, 29. Juni 2020

Interaktiver Workshop zu Konfliktprävention in der naturverträgliche Energiewende

Dr. Jan Beermann (KNE-Mitarbeiter) und Dr. Matthias Bruhn (Mitglied des KNE-Mediatorenpools) führten am 27.06.2020 einen ganztätigen internationalen Workshop zum Thema Konfliktprävention in der lokalen Energiewende durch. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde der Workshop elektronisch per Videokonferenz angeboten.

30 Studierende des Masterstudiengangs Energy Management MBA an der Technischen Universität Berlin erhielten von Dr. Beermann zunächst einen einführenden Vortrag in die Thematik „Addressing energy and nature protection conflicts in Germany“. Anschließend diskutierten die Studierenden anhand eines Rollenspiels typische Herausforderungen von Naturschutzkonflikten und lernten dabei vielfältige Lösungsansätze sowie Methoden zur Prävention kennen. Am Nachmittag arbeiteten die Studierenden aus, inwiefern sich (Naturschutz-)Konflikte in der Energiewende in ihren Heimatländern von jenen in Deutschland unterscheiden und welche Methoden und Institutionen zur Konfliktprävention in diesen Ländern bestehen.

Die Studierenden, von denen viele einen technischen oder naturwissenschaftlichen Berufshintergrund in der Energiewirtschaft haben, zogen das Resümee, dass sie in ihrer künftigen Arbeit noch frühzeitiger die Belange des Naturschutzes und der Menschen vor Ort einbeziehen wollen, um Konflikte im Ausbau der Energiewende von vorherein zu vermeiden.

Haben elektromagnetische Felder Einfluss auf Insekten?

Berlin, 25. Juni 2020

Haben elektromagnetische Felder Einfluss auf Insekten?

Der Runde Tisch Elektromagnetische Felder des Bundesamtes für Strahlenschutz traf sich dazu seiner 19. Sitzung. Alle Mitglieder nahmen an der digitalen Sitzung teil, die ursprünglich Ende März in Frankfurt stattfinden sollte. Neben der Vorstellung der aktuellen Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Strahlenschutz wurde auch über erste Studienauswertungen zur Bedeutung und dem Einfluss elektromagnetischer Felder auf Insekten berichtet.

Wie bereits bei ziehenden Vogelarten deutet auch hier einiges darauf hin, dass es zumindest einen kurzzeitigen Effekt auf das Flugverhalten von Insekten gibt. Es wurde berichtet, dass allerdings gewisse methodische Schwächen in den Studien noch keine endgültigen Schlüsse zulassen, wie stark und wie relevant der Einfluss auf das Verhalten der Sechsfüßer ist. Bedeutsam werden können die Untersuchungen, wenn es um Barrierewirkungen geht, die zum Beispiel durch elektromagnetische Felder an Freilandleitungen oder Erdkabeln entstehen. Hierzu hatte das Bundesamt angekündigt weiteren Forschungsbedarf identifizieren zu wollen und weitere Studien zu sichten.

Außerdem wurde das neu gegründete Kompetenzzentrum Elektromagnetische Felder (KEMF) ausführlich vorgestellt. Das KNE beabsichtigt mit dem KEMF eine Zusammenarbeit anzustreben, um bei Fragen der Auswirkung von elektromagnetischen Feldern auf die Natur zusammenzuarbeiten.

Biene fliegt zur Pflanze

Aktuelle Herausforderungen im Bereich der Mediation

Berlin, 25. Mai 2020

Aktuelle Herausforderungen im Bereich der Mediation

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz hatte zu einer außergewöhnlichen Veranstaltung geladen. In einem „elektronischen Erfahrungsaustausch zu Mediationsthemen während der COVID-19-Pandemie“ diskutierten die rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor allem zwei zentrale Themenblöcke vor dem Hintergrund der aktuellen Situation.

So ging es um die Frage, welche Folgen die pandemiebedingten Beschränkungen für die Aus- und Fortbildung im Bereich der Mediation haben. Wie kann mit Mediationsausbildungen während der COVID-19-Pandemie umgegangen werden? Können diese – zumindest zeitweise – nur online stattfinden? Hierzu gab es unterschiedliche Stimmen. Ein Großteil sprach sich dafür aus, Online-Mediations-Ausbildungen temporär zu ermöglichen.

Zudem fand ein Erfahrungsaustausch zu Fragen der Aus- und Weiterbildung statt.  In welchem Maße werden oder wurden Ausbildungs- oder Fortbildungslehrgänge digital durchgeführt? Wie sind die Erfahrungen damit? Ist dies eine gleichwertige Alternative zum herkömmlichen Unterricht? Ergeben sich aus den Erfahrungen Chancen für die Zukunft? Viele Rückmeldungen hierzu sahen eine Reihe von Chancen durch hybride Fortbildungen, also durch eine Mischung von Präsenz- und Digital-Fortbildungsformen. Reine digitale Fortbildungslehrgänge sah eine Reihe der Teilnehmenden eher kritisch.

Ein zweiter Block befasste sich mit den Folgen der pandemiebedingten Beschränkungen für die Durchführung von Mediationen. Hierbei wurde neuen Herausforderungen angesprochen, die entstehen, wenn Mediationen digital stattfinden. Zum Beispiel stellen sich hier eine Reihe von methodischen Herausforderungen, aber auch solche in Bezug auf Vertraulichkeit und Datenschutz im Rahmen der Online-Mediation. Allerdings wurden auch viele Chancen identifiziert: Online-Mediationen können die Schwelle für das Format einer „Mediation“ senken, so öffne sich auch ein neues Feld. Darüber hinaus können diese schneller abgeschlossen werden, belasten den Mediator oder die Mediatorin teilweise weniger, verringern den Reiseaufwand erheblich und haben eine größere Chance für eine sachliche Auseinandersetzung. Gerade in den Fällen, wo bereits soziale Beziehungen – zum Beispiel durch ein erstes Präsenz-Treffen – entstanden sind, kann hier sehr gut durch Online-Mediationen weiter gearbeitet werden.

Dr. Martin Köppel, Leiter der Außenstelle Süd und Konfliktberater des KNE, nutzte die Gelegenheit, sich über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen der Mediation während der COVID-19-Pandemie zu informieren und kollegial auszutauschen.

Illustration Maske zum Mund- und Nasenschutz

Das KNE-Jahrbuch K20 blickt auf die Energiewende vor Ort

Berlin, 18. Juni 2020

Das KNE-Jahrbuch K20 blickt auf die Energiewende vor Ort

Von fabelhaften Ausgleichsmaßnahmen, Labyrinthen der Leidenschaft und dem Wind über Schottland

Das diesjährige rund 300 Seiten starke Jahrbuch des KNE widmet sich den Herausforderungen, Möglichkeiten und Projekten einer naturverträglichen Energiewende konkret vor Ort. Die Vielfalt der Beiträge der Autorenschaft in „K20 – Energiewende vor Ort“ spiegelt dabei die Spannbreite der Themen und die Komplexität der Anforderungen der Energiewende wider.

„In der Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort konnten wir feststellen, dass sich die Praxis der Energiewende deutlich geändert hat. Die Diskussionen um den Abbau von Hemmnissen beim Ausbau der erneuerbaren Energien hat an Bedeutung gewonnen, manches kommt in Bewegung und manches gilt es noch anzupacken. Da lag es nahe, in diesem Jahrbuch den Blick auf die konkreten Herausforderungen zu richten, und die Akteure von ihren Erfahrungen bei der Umsetzung einer naturverträglichen Energiewende berichten zu lassen“, erklärt Dr. Torsten Raynal-Ehrke, Direktor des KNE.

„So vielseitig wie die Autorenschaft ist, so spannend ist die Bandbreite der Themen. Wir hoffen, nicht nur einen interessanten und informativen Einblick in die verschiedenen Facetten und Anforderungen der Energiewende zu geben, sondern auch, zur Versachlichung von Debatten beizutragen, und zur Diskussion – auch disziplinübergreifend – über die Herausforderungen anzuregen“, berichtet Anke Ortmann, Redakteurin des Jahrbuchs. „Die Leserschaft erwarten Beiträge zur Regionalplanung, zu Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, zur Konfliktklärung vor Ort, zu Innovationen in der Photovoltaik und zur Bedeutung der Emotionen. Internationale Beiträge zu Schottland, China und Polen stellen ausgewählte Aspekte der dortigen Energiewende heraus“, so Ortmann weiter.

Zu Wort kommen unter anderem Dr. Danuta Kneipp (50Hertz Transmission) und Judith Michler (ABO Wind) in ihrem gemeinsamen Artikel zu Klima- und Artenschutz als wichtige Faktoren für eine erfolgreiche Energiewende. Professorin Gundula Hübner von der Universität Halle-Wittenberg berichtet über die Vielschichtigkeit der Emotionen und Motivationen in der Energiewende. Martin Szaramowicz (Flächenagentur Brandenburg) und Marc Thiele (NaturschutzFonds Brandenburg) geben einen Einblick in die Praxis der Kompensations- und Ersatzmaßnahmen. Dr. Joanna Maćkowiak Pandera (Forum Energii) erläutert bemerkenswert die Perspektiven der polnischen Energiepolitik und die Chancen einer deutsch-polnischen Zusammenarbeit. Darüber hinaus kommen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des KNE zu Wort und berichten über die Arbeit des KNE.

Der Artikel „Letzte Ausfahrt Zukunft“ von Dr. Joanna Maćkowiak Pandera liegt auch im Orignial in Polnisch vor. Hier finden Sie den Artikel „Ostatni zjazd przyszłość“.

Die K20-Redaktion dankt allen Autorinnen und Autoren sehr herzlich für Ihre Mitarbeit und wünscht den Leserinnen und Lesern eine spannende und anregende Lektüre.

Titelillustration: Felix Scholz.

Für Nachfragen, Interviews und für Anfragen zur journalistischen Weiterverwertung von Beiträgen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Kontakt: Anke Ortmann, presse@naturschutz-energiewende.de. T.: 030 7673738-12

Beurteilung des einzelfallbezogenen Kollisionsrisikos für Vögel an WEA nach Sprötge et al.

Berlin, 18. Juni 2020

Beurteilung des einzelfallbezogenen Kollisionsrisikos für Vögel an Windenergieanlagen nach Sprötge et al.

Derzeit wird sowohl auf Bundesebene als auch auf Ebene der Länder in Politik- und Fachkreisen diskutiert, wie die Signifikanz von Kollisionsrisiken für Vögel an Windenergieanlagen (WEA) zukünftig rechtssicher und praktikabel erfasst und bewertet werden kann.

Die Autoren Sprötge, Sellmann und Reichenbach (2018)* haben einen Ansatz für die einzelfallbezogene Signifikanzbewertung auf der Grundlage von Abstandsempfehlungen und Raumnutzungsanalysen entwickelt. Dabei achteten die Autoren auf eine enge Verknüpfung mit der Rechtsprechung zur Signifikanzbewertung. Die Vorgaben aus der Rechtsprechung wurden mit einer in sich stimmigen Bewertungsmethodik untersetzt.

Über die Aufarbeitung der rechtlichen Grundlagen und die Entwicklung eines Prüf- und Bewertungsansatzes für die Signifikanz stellen die Autoren umfangreiche artspezifische Informationen und Hinweise zum Umgang mit dem Kollisionsrisiko der besonders relevanten Vogelarten zusammen.

Das KNE hat eine Kurzfassung des Bewertungsansatzes erstellt und ordnet ihn in den aktuellen Kontext der Fachdiskussion ein.

  • Das Wichtigste in Kürze und die Publikation finden Sie auch HIER.
  • Alle Publikationen für den Wissenstransfer finden Sie auf der KNE-Internetseite Veröffentlichungen.

* Sprötge, Martin; Sellmann, Elke und Reichenbach, Marc (2018): Windkraft Vögel Artenschutz. Ein Beitrag zu den rechtlichen und fachlichen Anforderungen in der Genehmigungspraxis. Books on demand, Norderstedt. 229 S.

Ihr Ansprechpartner im KNE
Holger Ohlenburg
holger.ohlenburg@naturschutz-energiewende.de
030-7673738-22

Klimaschutz und Artenschutz bei der Errichtung von Windenergieanlagen

Berlin, 16. Juni 2020

KNE-Lesetipp

Klimaschutz und Artenschutz bei der Errichtung von Windenergieanlagen

Titel: Prof. Dr. Martin Schulte und Dr. Martina Wohlan (2020): Das Spannungsverhältnis der umweltrechtlichen Aspekte Klimaschutz und Artenschutz bei der Errichtung von Windenergieanlagen: Lösungsansätze für die Praxis.

Der Artikel untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Klimaschutz und Artenschutz auf unterschiedlichen Regelungsebenen. Beginnend mit dem Europarecht über das deutsche Grundgesetz und das Bundesnaturschutzgesetz bis in das verwaltungsrechtliche Genehmigungsverfahren wird der Frage nachgegangen, ob entweder dem Klimaschutz oder dem Artenschutz im Fall eines Zielkonfliktes ein ausschlaggebendes Gewicht einzuräumen ist. Neben der Analyse bietet der Artikel erste Lösungsansätze für die behördliche Genehmigungspraxis, um das Spannungsgefüge, gerade im Hinblick auf den Ausbau der Windenergie, aufzulösen.

Eingangs beleuchtet der Artikel den Konflikt zwischen Klima- und Artenschutz beim Ausbau der Windenergie und stellt daran anknüpfend die primärrechtlichen Vorgaben und, mit der Erneuerbare-Energien-Richtlinie, auch eine sekundärrechtliche Vorgabe dar. Es wird deutlich, dass die mitgliedstaatlichen Verpflichtungen im Bereich des Ausbaus der erneuerbaren Energien einen erheblichen Zuwachs, insbesondere an Windenergieanlagen, erfordern. Vor diesem Hintergrund erörtern die Autoren, ob aus den europäischen Vorgaben ein Rangverhältnis von Klima- und Artenschutz ableitbar ist, welches sich auf mitgliederstaatlicher Ebene fortsetzt.

Die aktuelle Diskussion um mögliche Lösungsansätze, die einerseits der Aufforderung des Bundesverfassungsgerichts genügen und andererseits den Ausbau der Windenergie voranbringen, wird mit der Befassung mit einer „Technischen Anleitung-Artenschutz“ (TA-Artenschutz) und deren klaren Ablehnung knappgehalten. Für das bestehende Genehmigungsverfahren für Windenergieanlagen an Land werden die Einfallstore einer möglichen Abwägung je nach Fallkonstellation (mit oder ohne Umweltverträglichkeitsprüfung, als immissionsschutz- oder bauplanungsrechtliches, im voll- oder vereinfachten Verfahren) aufgeführt.

Fazit:

Bemerkenswert an diesem Artikel ist, dass sich die Autoren dezidiert mit den europäischen Vorgaben in den Bereichen Klimaschutz und Artenschutz auseinandersetzen. Dies ist vor dem Hintergrund, dass die europäischen Vorgaben das Recht der Mitgliedstaaten deutlich vorprägen nur folgerichtig. Dennoch werden insbesondere die primärrechtlichen Vorgaben des europäischen Rechts in der aktuellen Debatte um den Ausbau der Windenergie und die entstehenden Konflikte mit dem Artenschutzrecht bisher weitestgehend ausgespart.

Quelle: Schulte, M., Wohlan, M. (2020): Das Spannungsverhältnis der umweltrechtlichen Aspekte Klimaschutz und Artenschutz bei der Errichtung von Windenergieanlagen. Zeitschrift für Immissionsschutzrecht und Emissionshandel (I + E) 10 (Heft 1). S. 19–30.

Link zum Artikel „Das Spannungsverhältnis der umweltrechtlichen Aspekte Klimaschutz und Artenschutz bei der Errichtung von Windenergieanlagen: Lösungsansätze für die Praxis“.
(Nicht frei verfügbar)

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Nicht frei verfügbar.

Übersicht zu artenschutzrechtlichen Erlassen und Leitfäden der Länder

Berlin, 8. Juni 2020

Übersicht zu artenschutzrechtlichen Erlassen und Leitfäden der Länder

Das KNE hat eine Übersicht erstellt, die den aktuellen Stand der Erlasse und Leitfäden der Länder zu Artenschutz und Windenergie darstellt.

Die Länder erstellen in Form von Erlassen und Leitfäden landesspezifische Handreichungen zu Artenschutz und Windenergie. Diese Handreichungen sind sowohl für die zuständigen Behörden als auch für die Projektierer und die Gutachterbüros wichtige Orientierungshilfen zum Umgang mit artenschutzrechtlichen Anforderungen bei der Planung und Genehmigung von Windenergievorhaben.

Um neue Erkenntnisse aus der Forschung, Praxis und Rechtsprechung berücksichtigen zu können, ist es sinnvoll die Handreichungen in regelmäßigen Abständen zu aktualisieren und fortzuschreiben. Gegenwärtig laufen in mehreren Ländern Prozesse zu Fortschreibungen, in weiteren sind diese geplant.

Die Übersicht wird regelmäßig aktualisiert werden. Diesbezügliche Hinweise können Sie gerne an das KNE richten.

Das Wichtigste in Kürze und die Übersicht finden Sie auch HIER.

Ihr Ansprechpartner im KNE

Holger Ohlenburg
Referent Wissensrespons, Fledermausschutz
holger.ohlenburg@naturschutz-energiewende.de
030-7673738-22

Diskussion beim Runden Tisch Recht der FA Wind zu aktuellen Urteilen

Berlin, 27. Mai 2020

Diskussion beim Runden Tisch Recht der FA Wind zu aktuellen Urteilen

Am 27. Mai fand der Runde Tisch Windenergie und Recht der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) statt. Auch dieses Mal wurden aktuelle Gerichtsurteile aus dem Bereich des Ausbaus der Windenergie an Land besprochen.

Besonders hinweisen möchten wir auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts (VG) Gießen, Urteil vom 22. Januar 2020 – 1 K 6019/18.Gl zur Frage von Ausnahmegenehmigungen für Windenergieanlagen.

Das VG Gießen hat im besprochenen Fall eine Genehmigung aufgrund der Verletzung des Tötungsverbotes nach § 44 Abs. 1 Nr. 1 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) aufgehoben und argumentiert, dass auch eine Ausnahme zur Herstellung der Genehmigungsfähigkeit nicht erteilt werden könne. Das Gericht meint, dass für den Bau von Windenergieanlagen im vorliegenden Fall kein Ausnahmegrund in Betracht käme, da der Ausnahmegrund des § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 5 BNatSchG (zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses) nicht auf europäische Vogelarten anwendbar sei und der Ausnahmegrund § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 4 BNatSchG (öffentliche Sicherheit) nicht für den Bau einzelner Windenergieanlagen bemüht werden könne.

Die Teilnehmenden des Runden Tischs waren sich einig: Die Entscheidung des VG Gießen könnte einen Dämpfer für den weiteren Ausbau der Windenergie bedeuten, wenn, wie dies in einigen Ländern anklingt, die Ausnahme im Genehmigungsverfahren stärker genutzt werden soll.

Die Berufungsentscheidung des Verwaltungsgerichtshofs (VGH) Kassel wird daher mit Spannung erwartet und insbesondere, ob er hier selbst eine Entscheidung darüber trifft, ob der Ausnahmegrund § 45 Abs. 7 S. 1 Nr. 5 BNatSchG auf europäische Vogelarten anwendbar ist oder ob auch der Bau einzelner Windenergieanlagen unter den Ausnahmegrund der öffentlichen Sicherheit fällt. Entscheidet sich der VGH, diese Fragen dem EuGH zur Beantwortung vorzulegen, dürfte eine in dieser Hinsicht klarstellende Grundsatzentscheidung Licht ins Dunkel bringen.

Gerichtshammer und Gesetzbücher

DFBEW veröffentlicht KNE-Publikation „10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen“ auf Französisch

Berlin, 28. Mai 2020

DFBEW veröffentlicht KNE-Publikation „10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen“ auf Französisch

Das Deutsch-französische Büro für die Energiewende (DFBEW) veröffentlicht die französische Übersetzung eines Faktenpapiers des KNE zur automatisierten Detektion und ereignisbezogenen Abschaltung zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen.

Um den Ausbau der Windenergienutzung naturverträglich fortsetzen zu können, braucht es innovative Lösungen, um die negativen Auswirkungen auf windenergiesensible Tierarten effizient zu vermindern. Detektionssysteme wurden entwickelt, um ein signifikant erhöhtes Kollisionsrisiko windenergiesensibler Vogelarten zu vermeiden. Sollten sich diese Systeme als wirksam erweisen, können sie einen bedeutenden Beitrag zum Abbau des derzeitigen Genehmigungsstaus leisten und den naturverträglichen Ausbau der Windenergie befördern.

Die Energiewende in Frankreich

Nicht nur in Deutschland sind Lösungen gefragt, um den Ausbau der Windenergienutzung unter Berücksichtigung des Artenschutzes naturverträglich voranzutreiben.

2006 wurde in Frankreich das Programm „Windenergie und biologische Artenvielfalt“ ins Leben gerufen. Dieses Programm, das von einem Lenkungsausschuss geleitet wird, der sich aus der Agentur für ökologischen Wandel (Ademe), den Windenergieverbänden (SER und FEE), dem französischen Ministerium für ökologischen und solidarischen Wandel (MTES) und der nationalen Vogelschutzorganisation (LPO) zusammensetzt, zielt auf die Errichtung eines nationalen Windparks unter Berücksichtigung der Belange der biologischen Vielfalt.

So wird etwa mittels der mehrjährigen Energieprogrammplanung der französischen Regierung, die im April 2020 veröffentlicht wurde, das Ziel gesetzt, Genehmigungsprozesse von Windparks zu beschleunigen und dabei Umweltgesichtspunkte, wie den Erhalt einer hohen Artenvielfalt, umfassend zu berücksichtigen.

Daher sind Detektionssysteme zur Verminderung von Vogelkollisionen derzeit ein wichtiges Thema für die Windenergiebranche in Frankreich, um die ambitionierten Ausbauziele für die Onshore-Windenergie in Einklang mit dem Erhalt der Artenvielalt zu erreichen, einige Windparks sind bereits mit Detektionssystemen ausgerüstet.

Als Facheinrichtung befasst sich das KNE schon seit geraumer Zeit mit Technischen Systemen zur Verminderung von Vogelkollisionen. Die Expertise des KNE auf diesem Gebiet und die Praxiserfahrungen der französischen Windenergiebranche ermöglichen einen gewinnbringenden deutsch-französischen Austausch.

 

Weitere Veröffentlichungen und Arbeiten des KNE zum Thema:

Ihre Ansprechpartnerin im KNE
Eva Schuster
Referentin für technischen Artenschutz, Vermeidungs-, Verminderungsmaßnahmen
eva.schuster@nautschutz-energiewende.de
030-7673738-23

Titelseite der Publikation

Windbranchentag fordert stärkeren Windenergieausbau

Berlin, 20. Mai 2020

Windbranchentag fordert stärkeren Windenergieausbau

Der Landesverband Baden-Württemberg des Bundesverbands Windenergie und das Ministerium für Umwelt, Klima- und Energiewirtschaft Baden-Württemberg luden zum Windbranchentag  „Länderspezial Wind in Baden-Württemberg“ erstmals online ein.

Im Mittelpunkt des Branchentreffens stand eine Diskussionsrunde mit Umweltminister Franz Untersteller, BMWi-Staatssekretär Andreas Feicht, BEE-Präsidentin Dr. Simone Peter und BWE-Landesvorsitzendem Christian Oberbeck zur Fragestellung „Zukunft der Windenergie in Baden-Württemberg: Weichenstellungen der Politik?“. Deutlich wurde hierbei, dass es eine Reihe von Hemmnissen auf verschiedenen Ebenen für den Windenergieausbau in Baden-Württemberg gibt. Neben dem Artenschutz wurden diesbezüglich vor allem auch die Flächenverfügbarkeit, die EEG-Novelle 2017, die Rolle des Staatsforstes in Baden-Württemberg sowie die Akzeptanz vor Ort als einflussnehmende Faktoren angesprochen. In Bezug auf technische Vogelerkennungssysteme zur Verminderung von Vogelkollisionen wurden große Chancen zur Förderung des Ausbaus der Windenergie gesehen.

Neben den Schwerpunkten „Genehmigungsrechtliche Herausforderungen der Corona-Krise“ und „Windstrom für die Industrie: Das Grünstromkonzept von Daimler“ wurde auch das Thema „Windenergie und Artenschutz“ diskutiert. Hier ging es vor allem um neue Entwicklungen im Hinblick auf Windenergie und Artenschutz in Baden-Württemberg sowie um eine Einschätzung der Branche und der Naturschutzbehörden.

Dr. Martin Köppel, Leiter der Außenstelle Süd und Konfliktberater des KNE, nutzte die Gelegenheit, sich über aktuelle Herausforderungen und Entwicklungen der Windenergie in Baden-Württemberg zu informieren und zum Ausloten der Möglichkeiten der Unterstützung einer naturverträglichen Energiewende durch das KNE.

Windenergieanlagen und Rapsfeld