Handlungsbedarf bei der Einordnung der PROGRESS-Studie - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Handlungsbedarf bei der Einordnung der PROGRESS-Studie - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 16. Januar 2018

Handlungsbedarf bei der Einordnung der PROGRESS-Studie

Das KNE führte 2017 eine Befragung zur „PROGRESS-Studie“ durch, um den Verbreitungsgrad von Ergebnissen der Studie sowie bestehende Unklarheiten über deren Anwendung zu erfassen und daraus Rückschlüsse auf den Vermittlungsbedarf zwischen Wissenschaft und Praxis zu ziehen.

„Es besteht weiterhin Handlungsbedarf bei der Verbreitung der Forschungsergebnisse der PROGRESS-Studie und der Klärung ihrer Relevanz für die Praxis“, so fasst Dr. Elke Bruns, Abteilungsleiterin Fachinformation des Kompetenzzentrums Naturschutz und Energiewende (KNE) die Ergebnisse der KNE-Befragung zum Stand des Wissenstransfers der Studie zusammen. „Welchen Einfluss die Ergebnisse auf behördliche Entscheidungen haben, ist noch nicht abschließend geklärt. Das KNE wird daher den fachlichen Austausch und den Transfer in die Praxis durch Vorträge und Beratungsangebote unterstützen,“ so Bruns weiter.

Kollisionen von Vögeln mit Windenergieanlagen gelten als ein wesentliches Konfliktfeld zwischen dem Ausbau der Windenergienutzung und dem Naturschutz. Zahlreiche Vogelarten und alle Greifvogelarten genießen gesetzlichen Schutz, so dass mögliche Kollisionen ein zentraler Aspekt in den Genehmigungsverfahren sind. Ziel der „PROGRESS-Studie“ war es, mit einer Feldforschung in der Norddeutschen Tiefebene Daten zur Kollisionsrate von Vögeln mit Windenergieanlagen an Land zu erhalten, um Unsicherheiten bei der Bewertung des Tötungsrisikos geschützter Vogelarten zu vermindern.

Um das Wissen über die Studienergebnisse zu ermitteln und abzuschätzen, über welche Ergebnisse und Sachverhalte Unklarheiten oder unterschiedliche Auffassungen bestehen, führte das KNE eine Befragung unter den Adressaten der „PROGRESS-Studie“ durch. Rund 160 Vertreterinnen und Vertreter der Naturschutz- und Windenergieverbände, Vogelschutzwarten, Naturschutzbehörden, Planungs- und Genehmigungsbehörden, regionalen Planungsverbände, Gutachterbüros und Projektierer bzw. Betreiber aus allen Bundesländern nahmen an der Befragung teil.

Kontroverse Auffassungen erschwerten Einordnung der Ergebnisse

Die Ergebnisse der Befragung geben einen ersten Einblick, wie der Wissenstransfer in die Praxis bisher verlaufen ist und inwieweit die Studie in der Praxis Anwendung findet. Das Ziel, Unsicherheiten der Beurteilung von Vogel-Kollisionsrisiken abzubauen, wurde nach Ansicht der Befragten durch die Studie nur bedingt erreicht: Die Mehrheit der Befragten hielt die gewählten Methoden der Feldforschung (insbesondere Hochrechnung, Schätzung, Modellierung) für wenig geeignet, um belastbare Ergebnisse zu erzielen. Die Ergebnisse der „PROGRESS-Studie“ seien nur eingeschränkt hilfreich, da sie auf andere Regionen nicht übertragbar sind. Sie werden darüber hinaus unterschiedlich interpretiert und angewendet, wie zum Beispiel bei der Frage, ob der Mäusebussard als kollisionsempfindlich einzustufen und daher regelmäßig mit zu untersuchen sei. Die Ergebnisse der Befragung im Einzelnen sind auf der KNE-Internetseite in dem Dossier „PROGRESS-Studie– KNE-Befragung zum Stand des Wissenstransfers“ nachzulesen.

KNE-Publikationen zur „PROGRESS-Studie“ (Grünkorn et al. 2016) » finden Sie hier.

Das KNE-Dossier „PROGRESS-Studie“ (Grünkorn et al. 2016) – KNE-Befragung zum Stand des Wissenstransfers stellt die Ergebnisse der Befragung dar. Link zum Dokument.

Das KNE-Dossier 10 Fragen – 10 Antworten zur „PROGRESS-Studie“ (Grünkorn et al. 2016) stellt ausgewählte fachliche „Knackpunkte“ der Studie heraus. Link zum Dokument.

Der KNE-Steckbrief zur „PROGRESS-Studie“ fasst die zentralen Inhalte der Studie zusammen und nimmt eine erste fachliche Einordnung der Projekt-Ergebnisse vor. Link zum Dokument.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Kontakt: Anke Ortmann, [email protected]. T.: 030 7673738-12.