Mit Dichtezentren Artenschutz und Windenergieausbau voranbringen? - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Mit Dichtezentren Artenschutz und Windenergieausbau voranbringen? - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 30. April 2021

Mit Dichtezentren Artenschutz und Windenergieausbau voranbringen?

Fachgespräch zeigt unterschiedliche Wege der Bundesländer auf und plädiert für einheitlichere Kriterien. 

Mit Hilfe von Dichtezentren für windenergiesensible Arten sollen artenschutzrechtliche Konflikte bereits auf der Ebene der Planung vermindert werden. Welche Ansätze die Länder entwickelt haben, um einerseits einen wirksamen Artenschutz und andererseits den Ausbau der Windenergie an Land zu ermöglichen, war Gegenstand eines digitalen Fachgesprächs am 29. April 2021 mit rund 150 Teilnehmenden.

„Die Ausweisung von Vorranggebieten für die Windenergie ist ein entscheidender Hebel, um den Ausbau der Windenergie voranzutreiben”, betonte Dr. Elke Bruns, Abteilungsleiterin im Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE). Durch Dichtezentren als Teil eines raumbezogenen Steuerungsansatzes sei es möglich, artenschutzrechtliche Konflikte frühzeitig zu vermeiden und Windenergieprojekte auf verträgliche Standorte zu lenken.

Das Konzept der Dichtezentren sieht vor, über ausgewiesene Schutzgebiete hinaus Bereiche zu identifizieren, die eine hohe Siedlungsdichte reviertreuer Arten aufweisen. Darüber hinaus sollen diese Gebiete in einigen Bundesländern die Funktion einer (Quell-) Population erfüllen: Durch Reproduktionsüberschüsse in den Dichtezentren sollen Individuenverluste an anderer Stelle ausgeglichen werden. Im Gegenzug sollen Windenergieanlagen dann in den dafür ausgewiesenen Gebieten realisiert werden können.

Eine Reihe von Bundesländern hat die Dichtezentrenausweisung bereits in ihre jeweiligen Leitfäden und Erlasse aufgenommen. Welche Ansätze es in den Ländern gibt, zeigt ein Gutachten des Planungsbüros Bosch & Partner im Auftrag des KNE. Dichtezentren werden derzeit zumeist für den Rotmilan, in einigen Ländern aber auch für weitere windenergiesensible Vogelarten ausgewiesen. Das können Gebiete mit hoher Individuendichte, aber auch seltene Einzelvorkommen sein.  In Hessen wurden auch Schwerpunktvorkommen  für Fledermäuse abgegrenzt. Bei der Ermittlung von Dichtezentren werden unterschiedliche Kriterien und Methoden angewendet: In manchen Ländern ist im Wesentlichen die Brutpaardichte pro Flächeneinheit ausschlaggebend, in anderen wird auch die Habitatausstattung in die Abgrenzung einbezogen. So entstehen in den Ländern Dichtezentren mit unterschiedlichem räumlichen Umgriff.

Im Fachgespräch wurden einzelne Länderkonzepte und deren Besonderheiten vorgestellt und eine Reihe fachlicher und methodischer Fragen diskutiert:  Anhand welcher Kriterien grenzt man solche Gebiete sinnvoll ab, und wie weist man nach, dass sie die gewünschte Funktion als Quell-Population auch erfüllen? Wovon hängt es ab, ob für alle windenergiesensiblen Arten Dichtezentren ermittelt werden oder nur für ausgewählte? Reichen die vorliegenden Brutvogelkartierungen aus, und in welchen zeitlichen Abständen sind Fortschreibungen erforderlich?

Elke Bruns betonte, dass die Ausweisung von Dichtezentren auf soliden fachlichen Füßen stehen sollte, zumal sie Auswirkungen auf die Nutzbarkeit des Raumes und – in einigen Ländern – auch auf die Zulässigkeit von Windenergieanlagen haben. Idealerweise sollte man länderübergreifend im Zuge von Fortschreibungen zu einheitlicheren Vorgehensweisen und Konzepten kommen.

NABU-Vogelschutzexperte Lars Lachmann präsentierte eine Studie, die aufzeigt, wie auf der Grundlage einer Brutvogelkartierung und unter Berücksichtigung von Abstandsradien bundesweit Dichtezentren abgegrenzt werden könnten. Demnach stünde mit den auf Basis dieser Methode ermittelten Dichtezentren mindestens zwei Prozent (und damit noch ausreichend) Fläche für die Windenergienutzung zur Verfügung. Voraussetzung sei allerdings, dass die Windenergieanlagen auf den Flächen außerhalb der Dichtezentren entweder im Rahmen der Regelgenehmigung (Signifikanzprüfung) oder durch die Erteilung von Ausnahmen genehmigt werden würden. Ob diese Voraussetzung erfüllt werden kann, ist gegenwärtig jedoch nicht absehbar.

Hintergrund 

Das KNE möchte angesichts des Potenzials von Dichtezentren für eine artenschutzkonforme Steuerung des anstehenden massiven Windenergieausbaus auf das Erfordernis hinweisen, bald einen Konsens über die fachwissenschaftliche Belastbarkeit des Konzeptes zu erzielen und verstärkt einheitliche Anforderungen für Methodik und Praxis der Dichtezentren zu entwickeln.

Weiterführende Informationen

Kontakt:
Dr. Elke Bruns
Leiterin Fachinformation
elke.bruns@naturschutz-energiewende.de
T.: 030 7673738-20

Rotmilan im Flug - Foto: Manfred Stöber/adobestock.com
Rotmilan im Flug - Foto: Manfred Stöber/adobestock.com