Eine Zeitreise ins Jahr 2050 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Eine Zeitreise ins Jahr 2050 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 21. Mai 2021

KNE-Lesetipp

Eine Zeitreise ins Jahr 2050. Wie der Klimawandel Deutschland verändern wird.

Titel: Staud, T., Reimer, N. (2021): Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird. 

An Studien, Berichten und Sachbüchern zum Klimawandel mangelt es nicht. Die Journalisten Nick Reimer und Toralf Staud unternehmen in einem soeben erschienenen Buch den Versuch, die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf Deutschland im Jahr 2050 zu projizieren: Schon heute ist es hierzulande 1,6 Grad Celsius wärmer als vor der Industrialisierung. In den nächsten 30 Jahren kommen mindestens weitere 0,4 Grad Celsius hinzu – unabhängig davon, wie sehr die Treibhausgasemissionen gesenkt werden. Wie wird unser Leben in Deutschland in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts konkret aussehen, wenn es immer heißer, trockener und stürmischer wird?

Neben Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, unsere Städte, Landwirtschaft, Energieerzeugung, Sicherheit und Wirtschaft geht es im dritten Kapitel um Konsequenzen für Natur und Landschaft.

Der Kuckuck zeigt beispielhaft, wie rasch klimatische Veränderungen die Natur empfindlich stören. Der Langstrecken-Zugvogel kehrt Mitte April aus seinem Winterquartier zurück nach Deutschland. Weil aber typische Wirtsvögel wie der Teichrohrsänger, in dessen Nester der Kuckuck seine Eier legt, wegen der nun wärmeren Frühjahre eher zu brüten beginnen, wird es für den Kuckuck immer schwieriger, Nester mit Eiern zu finden.

Eine Untersuchung des Bundesamts für Naturschutz (BfN) von über 500 in Deutschland geschützten Tierarten kam zu dem Schluss, dass lediglich elf Prozent von ihnen wohl relativ problemlos mit der erwarteten Erderhitzung zurechtkommen werden. Weiter steigende Temperaturen bringen für 77 Prozent der untersuchten Tierarten ein mittleres Überlebensrisiko, zwölf Prozent werden als Hochrisikogruppe klassifiziert.

Der Klimawandel werde künftig zum größten Treiber für den Verlust an Biodiversität in Deutschland, betonte kürzlich auch Jörg-Andreas Krüger, Präsident des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), im KNE-Podcast.

Der Klimawandel lässt aber auch hitzeresistentere Arten in Deutschland gedeihen – darunter allerdings auch den Borkenkäfer, den Eichenprozessionsspinner oder tropische Mückenarten, die unter anderem für eine Verbreitung des Dengue-Fiebers sorgen.

Eindrücklich ist das Fazit von Autor Toralf Staud: „Klimaschutz ist Heimatschutz. Wenn wir nicht den stärksten Klimaschutz machen, der überhaupt möglich ist, haben wir in 50 oder 80 Jahren ein komplett anderes Land.“

Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, dass auch der Ausbau dezentraler Erneuerbarer-Energien-Anlagen selbst mit negativen Einflüssen auf Natur und Landschaft verbunden sein können und es immer wieder gilt, diese Folgen vor Ort zu minimieren, auszugleichen oder durch eine gute Planung zu vermeiden.

Das Buch wirft wichtige Fragen zum Verhältnis von Klimaschutz, Artenschutz und Energiewende auf. Wer sich näher für das Thema interessiert, sei auf den KNE-Kongress am 24. Juni verwiesen.

Quelle: Staud, T., Reimer, N. (2021): Deutschland 2050. Wie der Klimawandel unser Leben verändern wird. Verlag Kiepenheuer & Witsch 2021, ISBN: 9783462000689.