Drei Gespräche, zwei Länder, ein Thema - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Drei Gespräche, zwei Länder, ein Thema - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Erfurt, 15. Juli und München, 16. Juli 2019

Drei Gespräche, zwei Länder, ein Thema

Dr. Bettina Knothe, Leiterin der Konfliktberatung im KNE und Dr. Martin Köppel, Konfliktberater und Leiter der Außenstelle Süd des KNE, verschafften sich im persönlichen Austausch mit drei Akteuren der Energiewende einen Überblick über die jeweiligen Herausforderungen und aktuellen Themen bei der Umsetzung der Energiewende vor Ort.

Austausch mit dem Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk e. V. (ThEEN)

Zunächst traf man sich in Erfurt mit der Geschäftsführerin des Thüringer Erneuerbare Energien Netzwerk e. V. (ThEEN), Jana Liebe. Das Netzwerk wurde 2014 von mehreren Branchenverbänden in Thüringen gegründet. Heute ist es – unabhängig von Unternehmen – ein Kompetenznetzwerk für erneuerbaren Energien, Energiespeicherung, Energieeffizienz und Sektorenkopplung mit Sitz in Erfurt. Zentrale Themen im Rahmen des Austausches waren Konflikte und Akzeptanz beim Ausbau der erneuerbaren Energien vor Ort.

Das Netzwerk mit mehr als 70 Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen Einrichtungen und vertritt über seine Mitgliedsverbände Arbeitsgemeinschaft Thüringer Wasserkraftwerke e. V., Bundesverband WindEnergie e. V. - Landesverband Thüringen, Erdwärme Thüringen e. V., Fachverband Biogas – Regionalbüro Ost und SolarInput e. V. mehr als 300 Unternehmen. Das übergeordnete Ziel des Netzwerkes besteht darin, die Kompetenzen seiner Mitglieder zu bündeln und sektorenübergreifend regional, überregional sowie international zusammenzuführen.

Austausch mit der Servicestelle Wind der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA)

Anschließend traf man sich, ebenfalls in Erfurt, mit Ramona Rothe und Frank Schindler von der Servicestelle Wind der Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur (ThEGA). Die im Auftrag der Thüringer Landesregierung eingerichtete Servicestelle Windenergie befördert und unterstützt in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten einen sachorientierten und sachkundigen Dialog. Sie informiert und berät Bürger und Bürgerinnen, Genossenschaften, Kommunen oder Eigentümer von Potenzialflächen unabhängig und kostenfrei. Die Palette reicht dabei von fachlicher Unterstützung für Stadt- und Gemeinderäte über die Beratung zu Bürgerbeteiligungsmodellen, die Unterstützung bei der Gründung von Eigentümerinteressengemeinschaften, die Organisation regionaler Dialogveranstaltungen bis hin zur Moderation bei unterschiedlichen Positionen vor Ort.

Das KNE, insbesondere die KNE-Konfliktberatung, und ThEGA arbeiten schon seit geraumer Zeit zusammen. Es wurde sich über zwei zentrale Themen ausgetauscht. Zum einen ging es um die Bewertung der bisherigen Zusammenarbeit zwischen ThEGA und KNE, auch in konkreten Beratungsfällen und zum anderen um die aktuellen Rahmenbedingungen der Windenergie in Thüringen. Unter anderem ging es über die Regionalpläne Windenergie in Thüringen. Ein Hauptkonflikt bei vielen Planungen von Windenergieanlagen scheint in der Informationslücke bei der Bevölkerung zur Rolle und Aufgabe der Regionalplanung zu liegen.

Austausch mit dem Sprecher für Energie und Klimaschutz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Bayern

Am folgenden Tag trafen sich Knothe und Köppel zum Austausch mit Martin Stümpfig, Sprecher für Energie und Klimaschutz der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Bayern sowie der stellvertretende Vorsitzende des Wirtschaftsausschusses im bayerischen Landtag (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Bayern) und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in München im Maximilianeum, dem Sitz des Bayerischen Landtags.

In diesem Treffen wurden insbesondere die Herausforderungen bei konkreten Planungen sowie bei Veranstaltungen im Zusammenhang von Erneuerbare-Energien-Anlagen und Strom-Verteilnetzen vor Ort erörtert. Neben Vorbehalten in der Bevölkerungen gegen Windenergieanlagen-Projekte, nehmen anscheinend auch die Vorbehalte gegen Photovoltaik-Freiflächenanlagen zu. Ebenfalls steigend ist der Bedarf bei der Beratung von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern im Rahmen der Planung von Erneuerbare-Energien-Anlagen und bei der Vermittlung von Mediatorinnen und Mediatoren aus dem KNE-Mediatorenpool für die Moderation von Informationsveranstaltungen vor Ort.

Der Bedarf an Angeboten zur Lösung von Konflikten wurde deutlich

In den verschiedenen Gesprächen wurde deutlich, dass es bei der Planung und Genehmigung von konkreten Projekten vor Ort zum Teil Widerstand und auch unterschiedlich stark ausgeprägte Konflikte gibt. Der Bedarf an Konfliktbegleitung und -moderation ist gegeben und Unterstützung durchaus erwünscht. Es wurde begrüßt, dass es eine unabhängige Einrichtung wie das KNE gibt, die den naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt und als Ansprechpartner für alle Akteure zur Verfügung steht. Kontakte wurden ausgetauscht und Vereinbarungen darüber getroffen, auch im Anschluss an den die Austauschgespräche weiter im Gespräch zu bleiben und Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Blick zu behalten.

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Das Maximilianeum, Sitz des Bayerischen Landtags in München.