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Veröffentlicht
9.06.2020
Schlagworte
  • Fledermäuse
  • Vögel
  • Wald
  • Windenergie

Frage

Was muss allgemein für eine naturverträgliche Planung und Errichtung von Windenergieanlagen im Wald beachtet werden? Können Sie relevante Studien und Veröffentlichungen im Zusammenhang mit diesem Thema benennen und deren Inhalt kurz skizzieren?

!Antwort

Allgemein sollte für eine naturverträgliche Planung und Realisierung von Windenergieanlagen (WEA) auf Waldstandorten aus Sicht des KNE auf folgende Punkte geachtet werden:

  • Meidung alter und artenreicher Laub- und Laubmischwälder oder solcher mit einem hohen Anteil an Höhlenbäumen als WEA-Standorte;

  • möglichst geringe Flächen- und Waldinanspruchnahme durch optimale bzw. optimierte Standortwahl und möglichst kurze Zuwegungen;

  • Minimierung von Beeinträchtigungen der Tier- und Pflanzenwelt, zum Beispiel durch Rodungs- und Bauzeitenoptimierung;

  • Einhaltung eines hinreichenden Abstands von unterer Rotorkante der WEA zur Oberkante der Vegetation;

  • Durchführung einer Umweltbaubegleitung während der Errichtung;

  • artspezifische und fachlich valide Schutzmaßnahmen sowie weitere Kompensationsmaßnahmen.


Nachfolgend wird auf relevante Studien und deren Inhalte eingegangen. An geeigneten Stellen weisen wir zudem auf noch laufende Forschungen im Themenfeld hin.

Übergreifende Studie zu WEA im Wald (Reichenbach et al. 2015)


Umfassend mit dem Thema haben sich Reichenbach et al. (2015) beschäftigt. Für die Schutzgüter Vögel, Fledermäuse und Wildkatze wurde jeweils der aktuelle Wissensstand zusammengetragen. Für Vögel und Fledermäuse wurden zudem eigene Untersuchungen bzw. Analysen durchgeführt.

Fledermäuse

Aus der Analyse von Gondelmonitoring-Daten von Fledermäusen an Wald- und Offenlandstandorten konnte geschlossen werden, dass die ursprünglich an Offenlandstandorten entwickelten witterungs- und aktivitätsabhängigen Abschaltzeiten und -algorithmen aus den RENEBAT-Forschungsvorhaben I-III (Brinkmann et al. 2011, Behr et al. 2015 und 2018) auf Waldstandorte übertragbar sind.[1]

Vögel

Für die untersuchten Waldvögel konnten für zahlreiche Arten keine signifikant negativen Auswirkungen festgestellt werden. Nicht gänzlich auszuschließende Störwirkungen für die Artengruppe der Spechte sowie für mögliche Störwirkungen auf weitere Arten werden in einem laufenden Forschungsvorhaben des BfN noch weiter untersucht.

Flächen- und Waldinanspruchnahme, Biotope sowie Natur- und Artenschutzmaßnahmen

Weitere eigene Untersuchungen wurden zur Entwicklung von Biotopen auf WEA-Standorten und zu deren Wertigkeiten angestellt.

Darüber hinaus wurden fast 70 Landschaftspflegerische Begleitpläne zu WEA-Vorhaben im Wald hinsichtlich der Flächen- und Waldinanspruchnahme durch die Vorhaben ausgewertet und daraus die Vermeidungs-, Verminderungs- sowie Kompensationsmaßnahmen zusammengetragen, systematisiert und fachlich bewertet.

In einem zusammenfassenden Kapitel leiten die Autorinnen und Autoren Empfehlungen für eine naturverträgliche Realisierung von WEA auf Waldstandorten ab.

Forschung zu Fledermäusen und Windenergie im Wald (Hurst et al. 2016)


Aufgrund der zunehmenden Realisierung von WEA auf Waldstandorten insbesondere in den mittel- und süddeutschen waldreichen Bundesländern und der besonderen Bedeutung von Wäldern als Lebensraum für Fledermäuse, befassten sich Hurst et al. (2016) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz in einem weiteren Forschungsvorhaben mit diesem Thema. Zusätzlich zu möglichen Kollisionen von Fledermäusen mit den Rotorblättern der WEA, spielen bei WEA auf Waldstandorten mögliche Lebensraumverluste bzw. der Verlust von Fortpflanzungs- und Ruhestätten waldnutzender Fledermausarten eine besondere Rolle.

Das KNE hat hierzu einen Studiensteckbrief mit einer Kurzfassung und Einordnung der Ergebnisse und Empfehlungen erstellt (s. KNE 2017).

Auch zu Fledermäusen auf Waldstandorten laufen weitere Forschungen des BfN. In diesem Zuge sollen auch Empfehlungen für Standards bei der Auswahl von Windenergiestandorten aus Sicht des Fledermausschutzes entwickelt werden. Auch im Rahmen des oben genannten DBU-Vorhabens wird zu Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald auf Fledermäuse geforscht. Entsprechend sind auch hier Ergebnisse frühestens 2021 zu erwarten.

Gute Beispiele aus der Praxis


Die Fachagentur Windenergie an Land hat 2017 eine Broschüre mit 16 guten Praxisbeispielen mit ihren jeweiligen Herausforderungen, Lösungen und daraus gezogenen Lehren publiziert (FA Wind 2017). Hierin finden sich auch Anregungen für eine naturverträgliche Realisierung von Windvorhaben auf Waldstandorten. Zudem sind zu den Projekten Kontaktinformationen von Ansprechpartnern der dokumentierten Beispiele angegeben.

[1] In der Praxis wird häufig das Tool ProBat zur nachträglichen Optimierung pauschaler Abschaltzeiten anhand der standortspezifischen Fledermausaktivität angewendet, um einen fledermausfreundlichen Betrieb der WEA zu gewährleisten (vgl. PraxisINFO ProBat).

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Literaturverzeichnis

Brinkmann, R., Behr, O., Niermann, I., Reich, M. (2011): Entwicklung von Methoden zur Untersuchung und Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen. Umwelt und Raum 4. 1. Auflage. Cuvillier Verlag, Göttingen. 457 S.

Behr, O., Brinkmann, R., Korner-Nievergelt, F., Nagy, M., Niermann, I., Reich, M., Simon, R. (Hrsg.) (2018): Bestimmung des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen in der Planungspraxis (RENEBAT III) - Endbericht des Forschungsvorhabens gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (Förderkennzeichen 0327638E). Erlangen, Freiburg, Ettiswil. 415 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 26.05.2020).

Behr, O., Brinkmann, R., Korner-Nievergelt, F., Nagy, M., Niermann, I., Reich, M., Simon, R. (Hrsg.) (2015): Reduktion des Kollisionsrisikos von Fledermäusen an Onshore-Windenergieanlagen (RENEBAT II). Schriftenreihe Institut für Umweltplanung 7. Leibniz Universität, Hannover. 368 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 26.05.2020).

FA Wind (2017): Windenergie im Wald. Good Practice / Lessons learned – 16 gute Beispiele. 24 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 05.06.2020).

Hurst, J., Biedermann, M., Dietz, C., Dietz, M., Karst, I., Krannich, E., Petermann, R., Schorcht, W., Brinkmann, R. (2016): Fledermäuse und Windkraft im Wald. Naturschutz und Biologische Vielfalt 153. BfN - Bundesamt für Naturschutz, Bonn–Bad Godesberg. 396 S

KNE (2017): Studien-Steckbrief „Untersuchungen und Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald“ (Hurst et al. 2016). – Berlin. 8 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 09.06.2020).

Reichenbach, M., Brinkmann, R., Kohnen, A., Köppel, J., Menke, K., Ohlenburg, H., Reers, H., Steinborn, H., Warnke, M. (2015): Bau- und Betriebsmonitoring von Windenergieanlagen im Wald. Abschlussbericht vom 30.11.2015. Oldenburg. 351 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 26.05.2020).