KNE-Forum „Naturverträgliche Solarparks“ tauscht sich zu Agri-PV und angrenzenden Fragen aus - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende KNE-Forum „Naturverträgliche Solarparks“ tauscht sich zu Agri-PV und angrenzenden Fragen aus - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 11. Juni 2021

KNE-Forum „Naturverträgliche Solarparks“ tauscht sich zu Agri-PV und angrenzenden Fragen aus

Agri-Photovoltaik (PV) verringert die Flächeninanspruchnahme durch Landwirtschaft und erneuerbare Energien und dient damit indirekt dem Naturschutz. Aber kann Agri-PV auch einen aktiven Beitrag zum Naturschutz leisten? Welche Anforderungen ließen sich an Agri-PV-Anlagen stellen, damit Standortwahl und Ausgestaltung möglichst naturverträglich sind?  Über diese und weitere Fragen tauschten sich am 10. Juni im KNE-Forum „Naturverträgliche Solarparks“ bundesweit interessierte Vertreterinnen und Vertreter aus den Ministerien, der Solarbranche, den Naturschutzverbänden, den Energieagenturen und der Wissenschaft aus. Zu Gast waren zudem Vertreter und Vertreterinnen der Landwirtschaft.

Agri-PV – Nische oder Zukunftsmodell für eine naturverträgliche Energiewende?

Wie Agri-PV ganz praktisch aussieht oder aussehen kann, zeigten bildreiche Praxisimpulse zu Beginn des Forums. Ob als Dach von Sonderkulturen, als senkrecht aufgestellte bifaziale Module zwischen denen landwirtschaftliche Maschinen fahren können, ob hoch aufgeständert oder nachlaufend, ökologisch oder konventionell bewirtschaftet. Vieles würde in Sachen Agri-PV schon ausprobiert, berichteten Stephan Schindele von BayWa re., Heiko Hildebrand von Next2Sun und Tobias Keinath vom Frauenhofer ISE in der Veranstaltung. Im großen Stil kommt Agri-PV in Deutschland derzeit aber noch nicht zum Einsatz, dafür fehlten die geeigneten Rahmenbedingungen.

Agri-PV ist nicht nur von Seiten der Solarbranche, sondern auch aus Sicht der Landwirtinnen und Landwirte interessant, wie ein Beitrag von Helmut Wahl von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die anschließende Diskussion im Forum zeigten. Viele von ihnen hätten ein Interesse neue Ertragsmöglichkeiten zu erschließen und einen Beitrag zur Energiewende zu leisten, würden sich aber fragen: Harmonieren Solarmodule und die alltägliche Bewirtschaftung? Wie entwickeln sich die Erträge und welche Kulturen eignen sich am besten? Lohnt sich der Anbau unter den Modulen, wenn dafür EU-Subventionen wegfallen? Kann ich sicher sein, dass meine Flächen den Status als landwirtschaftliche Flächen behalten?

Am Ende der Diskussion stand für die Mehrheit der Teilnehmenden fest: Agri-PV hat nur eine Chance, wenn sich die Rahmendbedingungen dafür änderten. Es sollte von Seiten der Politik stärkere Anreize für die Doppelnutzung der Flächen geben, Agri-PV müsse noch stärker beforscht und geeignete Genehmigungskonzepte müssten entwickelt werden.

Landwirtschaft, Energieerzeugung und Naturschutz verbinden?

Deutlich wurde bei dem Austausch auch, dass Agri-PV über die Reduzierung von Flächenkonkurrenzen hinaus noch nicht automatisch einen aktiven Beitrag zur naturverträglichen Energiewende leistet. Dafür wäre es wichtig, von einer Zweifach- zu einer Dreifachnutzung zu kommen und auch bei Agri-PV Naturschutzaspekte mitzudenken. Sandra Dullau von der Hochschule Anhalt stellte im zweiten Teil des Forums dar, welche Fragen sich mit Blick auf die Naturverträglichkeit von Agri-PV-Anlagen stellten und welche Chancen es für die Biodiversität gebe. Welche bereits erprobten Biodiversitätsmaßnahmen lassen sich an die verschiedenen Agri-PV-Anlagedesigns koppeln? Welche Synergien entstehen durch die Dreifachnutzung? Lässt sich die Akzeptanz der PV auf landwirtschaftlichen Nutzflächen durch Maßnahmen für die Biodiversität steigern? Wie lassen sich Agri-PV-Anlagen in diversifizierte Landnutzungssysteme integrieren? Welcher sozioökonomische Benefit lässt sich generieren? Zu diesen Fragen sei noch viel Forschung nötig, die in den nächsten Jahren angegangen werden müsse.

Dass Agri-PV auch in Biosphärenreservaten denkbar sei, zeigte ein Projektvorhaben im Saarland, das Hans-Henning Krämer von der Biosphäre Bliesgau vorstellte. Hier soll eine extensive Mähwiese mit PV-Modulen bestückt werden.

Nach einer intensiven Diskussion über die Auswirkungen auf die Avifauna, die Sinnhaftigkeit von Blühstreifen in der konventionellen Landwirtschaft beziehungsweise im Schatten der Module sowie die Mindestbreite von Blühstreifen, hielt es nur rund ein Drittel der Forums-Teilnehmenden  für möglich, dass sich Landwirtschaft, Energieerzeugung und Naturschutz verbinden lassen. Fast die Hälfte glaubte hingegen, dass einer der drei Punkte immer „hinten runterfallen“ wird. Das zeigte sich auch in der Diskussion darüber, ob man Agri-PV nicht mit dem Anspruch auf Naturverträglichkeit überfrachte. Kritisch wurde auch die im Vergleich zu konventionellen PV-Anlagen häufig größere Flächeninanspruchnahme und daher potenziell stärkere Beeinträchtigung des Landschaftsbildes diskutiert.

Gleichzeitig zeigen ein Teil bislang schon laufender oder erprobter Projekte, die im Forum vorgestellt wurden, dass sich Agri-PV mit ökologischem Landbau oder aber auch als Kombination von Photovoltaik, Blühstreifen und landwirtschaftlichen Flächenanteilen durchaus umsetzen lässt.

Mehr Akzeptanz durch Naturschutz?

Schließlich spielte die Frage der Akzeptanz von Freiflächenanlagen im Allgemeinen und Agri-PV-Anlagen im Besonderen noch eine zentrale Rolle. Für die Potenziale, die Solarparks für die Biodiversität und den Naturschutz bieten, sei insgesamt noch viel Werbung nötig. Wenn Kommunen vor Ort gut eingebunden seien und Fragen nach dem Landschaftsbild, dem Naturschutz und möglicher Mehrfachnutzung der Flächen mitgedacht würden, steige erfahrungsgemäß die Akzeptanz, erklärten mehrere Teilnehmende. So ließen sich die Widerstände, mit denen der Ausbau der Windenergie zu kämpfen hat und die auch schon einige der Teilnehmenden in Bezug auf Solarparks erfahren haben hoffentlich noch abwenden.

Ausblick

Das KNE wird den Austausch zur naturverträglichen Gestaltung von Solarparks im Rahmen des Forums weiter fördern und ermöglichen, dass sich bundesweit die beteiligten Akteure zu Themen austauschen, die ihnen selbst am Herzen liegen. Übergeordnete Fragestellungen sind dabei: Welche erfolgreichen Praxisbeispiele gibt es bereits? Welche Ideen, Bedenken und Fragen bestehen von verschiedenen Seiten und wie können Solarparks und Naturschutz besser zusammengebracht werden? Das Forum findet zweimal im Jahr statt. Das vertiefende Thema des nächsten Forums steht noch nicht fest.

Weiterführende Informationen

Ihre Ansprechpartnerinnen im KNE
Natalie Arnold
Referentin naturverträgliche Solarenergie
natalie.arnold@naturschutz-energiewende.de
030-7673738-26

Tina Bär
Dialoggestalterin
tina.baer@naturschutz-energiewende.de
030-7673738-41

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Bild: Lukas auf Pexels.