Gemeinsamer Bericht von Weltbiodiversitätsrat und Weltklimarat - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Gemeinsamer Bericht von Weltbiodiversitätsrat und Weltklimarat - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 25. Juni 2021

KNE-Lesetipp

Gemeinsamer Bericht von Weltbiodiversitätsrat und Weltklimarat

Titel: IPBES (2021): IPBES-IPCC co-sponsored workshop on biodiversity and climate change – scientific outcome

Der erste gemeinsame Bericht des Weltbiodiversitätsrates (IPBES) und des Weltklimarates (IPCC) verdeutlicht, wie Biodiversitäts- und Klimakrise zusammenhängen und welche Synergien bei den Schutzbestrebungen entstehen. In der aktuellen Klimaschutzdebatte darf der Biodiversitätsschutz nicht vergessen werden. Es gilt, Klima- und Biodiversitätsschutz zusammenzudenken. Hierfür zeigt der Bericht von IPBES und IPCC vielfältige Lösungen auf.

Klimawandel als Treiber des dramatischen Biodiversitätsverlusts

Der Biodiversitätsverlust des vergangenen Jahrhunderts ist zu 34 Prozent auf Änderungen der Nutzungsintensität von Land und Meer zurückzuführen. Weitere 23 Prozent des Biodiversitätsverlusts gehen auf die direkte Nutzung von Arten zurück, jeweils 14 Prozent auf den Klimawandel und die Umweltverschmutzung. Der Einfluss des Klimawandels wird während des 21. Jahrhunderts allerdings voraussichtlich die anderen Verlustursachen überholen. Der klimawandelbedingte Biodiversitätsverlust variiert je nach geographischer Lage und Lebewesen. Wechselwarme marine und Süßwasser-Arten scheinen angesichts der Erwärmung empfindlicher zu sein als terrestrische Arten.

Lösungsansätze für den Kampf gegen den Klimawandel

Weltbiodiversitätsrat und des Weltklimarat setzen auf naturbasierte Lösungen wie die Renaturierung von Ökosystemen. Naturbasierte Lösungen bergen ein großes Potenzial im Kampf gegen den Klimawandel. Ziel dieser Lösungen sollte jedoch nicht allein die rasche Kohlenstoffbindung sein. Der Schutz der Biodiversität sowie die Folgen für die lokale Bevölkerung sollten stets berücksichtigt werden.

Synergien zwischen Natur- und Klimaschutz ergeben sich, wenn die Degradierung kohlenstoffreicher Ökosysteme wie Wälder, Feuchtgebiete und Moore aufgehalten oder ihre Wiederherstellung vorangetrieben wird. Dasselbe gilt für aquatische Ökosysteme wie Mangroven, Tangwälder, Salz-und Seegraswiesen.  Da es vor allem die genannten terrestrischen Ökosysteme auch in Deutschland gibt, besteht hier Handlungsbedarf. Auch eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft, in der die Pflanzenvielfalt gefördert wird und Düngemittel nur reduziert eingesetzt werden, kann Treibhausgase reduzieren und die Fähigkeit des Bodens, Kohlenstoff zu speichern, steigern.

Es gibt jedoch auch Fälle, in denen sich Biodiversitäts- und Klimaschutz nicht vereinbaren lassen. Viehweiden in Europa können zahlreiche Offenlandarten beherbergen. Die Methanemissionen durch die Wiederkäuer sind jedoch klimaschädlich. Südafrikanische Offenlandökosysteme werden durch kontrollierte Feuer vor Verbuschung und Verwaldung geschützt. Die hohe Albedo der unbewaldeten Landoberfläche sorgt einerseits für lokale Kühlungseffekte, andererseits bleibt das CO2-Senkenpotenzial der bekämpften Wälder ungenutzt.

Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen, welche soziale Folgen und den Schutz der Biodiversität unberücksichtigt lassen, sind wenig zukunftsträchtig. Dazu gehören der großflächige Anbau von Energiepflanzen in Monokulturen sowie die zunehmend intensive Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen. Letztere kann Wasserkonflikte hervorrufen und zu einer Versalzung des Bodens führen. Auch der Ausbau von Wind- und Solarenergie sowie Wasserkraft kann Arten und Ökosysteme beinträchtigen. Außerdem stellt die Aufforstung in Monokulturen – insbesondere in Gebieten, die vorher nicht von Wald bedeckt waren – einen Verlust für die Biodiversität dar.

Biodiversitäts- und Klimaschutz müssen zusammengedacht werden. Dafür muss verstärkt auf multifunktionale Maßnahmen gesetzt werden, denn nur durch einen ganzheitlichen und integrierten Ansatz können die global gesteckten Ziele erreicht werden. Der Bericht zeigt hier dringenden Handlungsbedarf auf.

Das KNE unterstützt Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen, die zugleich Synergien mit dem Schutz und der Entwicklung der Biodiversität schaffen.

Quelle: IPBES (Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) und IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) (2021): IPBES-IPCC co-sponsored workshop on biodiversity and climate change – scientific outcome. 234 S. Link zum Dokument.

Schmetterling und Pflanze mit Erde auf einer Hand
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