Berechnungen zufolge enormes Solarenergie-Potenzial in Niedersachsen - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Berechnungen zufolge enormes Solarenergie-Potenzial in Niedersachsen - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 22. April 2021

KNE-Lesetipp

Titel: Badelt, O., Niepelt, R., Wiehe, J., Matthies, S., Gewohn, T., Stratmann, M., Brendel, R., von Haaren, C. (2020): Integration von Solarenergie in die niedersächsische Energielandschaft (INSIDE).

Laut Berechnungen der Leibniz Universität Hannover und des Instituts für Solarenergieforschung GmbH Hameln/Emmerthal (ISFH) soll es in Niedersachsen ein naturverträgliches Solarenergie-Potenzial von etwa 1300 Terrawattstunden pro Jahr geben. Das wäre enorm! Zum Vergleich: 2020 betrug der Gesamtenergiebedarf in Deutschland ungefähr das Doppelte (Umweltbundesamt 2021, online).

Die Berechnung stammt aus der im November 2020 veröffentlichten Studie zur Integration der Solarenergie in die niedersächsische Energielandschaft. Aber wie kommen die Autorinnen und Autoren auf solch ein hohes Potenzial und ist dieses realistisch?

Zunächst wurden auf der Basis der Empfindlichkeit beziehungsweise Wertigkeit der verschiedenen Naturschutzgüter (wie Flora, Fauna, Boden, Landschaftsbild usw.) sowie der potenziellen Belastung durch eine Solaranlage vier Raumwiderstandsklassen definiert. Zwölf Prozent der Landesfläche könnten laut den Autorinnen und Autoren der geringsten Raumwiderstandsklasse zugeordnet werden. Auf diesen Flächen bestünde ein Potenzial von 614 Terrawattstunden. Durch die Anpassung der Technologie könnten weitere Gebiete mit einem mittleren Raumwiderstand für die Solarenergie erschlossen werden, und landwirtschaftliche Flächen könnten mit Agri-PV nutzbar gemacht werden. Somit ergäbe sich ein zusätzliches Potenzial von 400 bis 800 Terrawattstunden. Hinzu kämen noch die Potenziale auf den Dächern (in etwa 80 Terrawattstunden) und auf Gewässern (in etwa 32 Terrawattstunden).

Gebietskategorien, die als naturverträglich eingestuft wurden, sind beispielsweise ertragsschwache Ackerflächen, intensiv bewirtschaftete Grünländer, Flächen mit einer geringen landschaftsästhetischen Qualität oder Wasserschutzgebiets-Zonen III A und B.

Diese hohen Ausbaupotenziale wecken natürlich bei vielen Akteuren der Energiewende große Hoffnungen. Für den tatsächlichen Ausbau wird aber die Bereitschaft der Eigentümer entscheidend sein, die Fläche für die Nutzung auch tatsächlich freizugeben. Dafür sind die Eigentumsverhältnisse sowie die wirtschaftliche Rentabilität der Vornutzung ausschlaggebend. Zudem sind die Folgen der Inanspruchnahme großer Teile der ertragsschwachen Ackerflächen und intensiv bewirtschafteten Grünländer, wie in der Studie einkalkuliert, im Hinblick auf die Naturverträglichkeit zu überprüfen.

Neben dem naturverträglichen Ausbaupotenzial beleuchtet die Studie auch noch die Auswirkungen der Freiflächensolaranlagen auf die Ackerland-Pachtpreise sowie die Steuerungsmöglichkeiten auf regionaler und kommunaler Ebene. In diesem Zusammenhang appellieren die Autorinnen und Autoren an die Planungsträgerinnen und -träger, proaktiver zu agieren und Flächen gezielt auszuweisen, ein ökologisches Gesamtkonzept zu erarbeiten und Anreize für eine effiziente Flächennutzung und eine naturverträgliche Gestaltung zu schaffen.

Quelle: Badelt, O., Niepelt, R., Wiehe, J., Matthies, S., Gewohn, T., Stratmann, M., Brendel, R., Haaren, C. Von (2020): Integration von Solarenergie in die niedersächsische Energielandschaft (INSIDE). Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, Hannover. 129 S.

Solarpark inmitten landwirtschaftlicher Flächennutzung, Foto: © Michael von Aichberger - stock.adobe.com

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