Auswertung von Verlustursachen beim Rotmilan in Sachsen-Anhalt über mehrere Jahrzehnte - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Auswertung von Verlustursachen beim Rotmilan in Sachsen-Anhalt über mehrere Jahrzehnte - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Berlin, 15. April 2020

KNE-Lesetipp

Auswertung von Verlustursachen beim Rotmilan in Sachsen-Anhalt über mehrere Jahrzehnte

Titel: Kolbe et al. (2019): Totfundstatistik und Verlustursachen beim Rotmilan Milvus milvus in Sachsen-Anhalt.

Für den Rotmilan besteht eine besondere Verantwortung Deutschlands, da über 50 Prozent des Weltbestands der Art in Deutschland lebt. Im Zusammenhang mit der Windenergie steht er als vergleichsweise häufig mit den Rotoren kollidierende Art regelmäßig im Fokus, zumal die Bestandsentwicklung in Mittel- und insbesondere Ostdeutschland, wo bereits vergleichsweise viele Windenergieanlagen (WEA) stehen, rückläufig ist. Gleichwohl gibt es neben den Kollisionen mit WEA noch eine Reihe anderer Verlustursachen.

Um zu den Verlustursachen insgesamt vertiefende Erkenntnisse zu gewinnen, werteten die Autoren alle bekannt gewordenen Totfunde und Verluste von Rotmilanen für Sachsen-Anhalt über einen Zeitraum von fast 70 Jahren aus – zu 277 von 658 Datensätzen lagen eindeutige Verlustursachen vor. Die Auswertung erfolgte für zwei Altersklassen (Todfund im ersten Kalenderjahr und älter) und zwei Zeiträume (1951 bis 1999 und 2000 bis 2019). Erst Mitte der 1990er Jahre begann die Windenergie-Entwicklung in Sachsen-Anhalt.

Die Autoren diskutieren die Zahlen anhand der einzelnen Verlustursachen und stellen überdies dekadenbezogene, saisonale und populationsbezogene Auswertungen an.

Ein Ergebnis der Auswertung ist, dass im ersten Auswertungszeitraum die Verluste an Freileitungen (fast 29 Prozent) und durch menschliche Verfolgung (27 Prozent) deutlich dominierten, während  diese Faktoren im Zeitraum ab dem Jahr 2000 kaum noch eine Rolle spielten. Dafür trat in diesem Zeitraum der Anteil an Kollisionsopfern durch WEA in den Vordergrund (45,6 Prozent). Mit einer Herausrechnung der nicht über die zentrale Fundkartei der Vogelschutzwarte Brandenburg erfolgten Meldungen versuchen die Autoren eine wahrscheinliche Überrepräsentierung durch die systematische Absuche von WEA und die durch die Existenz und Bekanntheit der Fundkartei erleichterte Meldung von „Windenergie-Opfern“ zu korrigieren. Dies führt zu einer Reduktion des Anteils auf 27 Prozent der Verlustursachen. Einzeln betrachtet ist die Windenergie hiernach immer noch Haupt-Verlustursache, ungefähr gleichauf, wenn man die beiden Verkehrsträger Straße und Schiene aufaddiert. Der Anteil an Kollisionen mit Fahrzeugen nimmt seit den 1960er Jahren kontinuierlich zu (13 Prozent im Auswertungszeitraum 2000 – 2019).

Angesichts einer sehr wahrscheinlichen Unterrepräsentierung natürlicher Todesursachen, dem Tod durch Vergiftungen und anderer menschlicher Nachstellung sowie durch Kollisionen mit Schienenfahrzeugen, weisen die Autoren darauf hin, dass sich nur mit weitreichender Forschung durch Besenderung von Tieren und einer unverzüglichen Bergung und Untersuchung verstorbener Tiere ein realistischer und unvoreingenommener Datensatz zu den Todesursachen ermitteln ließe.

Quelle: Kolbe, M., Nicolai, B., Winkelmann, R., Steinborn, E. (2019): Totfundstatistik und Verlustursachen beim Rotmilan Milvus milvus in Sachsen-Anhalt. Vogelwelt 139. S. 141–153. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 07.04.2020).

 

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