„Unsere Ergebnisse zeigen, wie Naturschutz und Energiewende Hand in Hand gehen können“

Bernt Farcke, neuer geschäftsführender Direktor des KNE, spricht im Interview über seinen Start und seine Ziele

Seit Januar 2026 leitet Bernt Farcke das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende. Im Interview spricht er über Flächenkonflikte zwischen Landwirtschaft, Energieerzeugung und Naturschutz, über Solarparks als Chance für mehr Biodiversität und über technische Lösungen wie Antikollisionssysteme zum Schutz des Rotmilans. Sein Ziel: Klima- und Naturschutz stärker zusammendenken – und gemeinsam mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen.

Herr Farcke, Sie sind im Januar als neuer Direktor zum KNE gekommen. Zuvor waren Sie Abteilungsleiter beim Bundeslandwirtschaftsministerium und haben auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien gearbeitet. Wo gibt es Überschneidungspunkte zu den Themen des KNE und was ist eher neu für Sie?

Überschneidungspunkte gibt es überall dort, wo es um die Fläche geht. In den fast 25 Jahren, in denen ich im Ministerium war, waren etwa Nutzungskonflikte zwischen Landwirtschaft und Energieerzeugung häufig ein Thema. Dabei sind Fragen rund um Solarparks in den letzten Jahren immer wichtiger geworden. Diese Thematik begegnet mir am KNE – mit einem etwas veränderten Fokus auf den Natur- und Artenschutz – nun wieder. Hier ist eine zentrale Frage, wie wir Solarparks so gestalten und pflegen können, dass viele Tier- und Pflanzenarten und auch andere Organismen Lebensraum finden. Neu – und hochinteressant – sind für mich die Details im Naturschutz. Ich wusste zum Beispiel bisher nicht, dass Fledermäuse nur nachts, bei wenig Wind fliegen. Windenergieanlagen gezielt abzuschalten, ist eine gute und vernünftige Idee, um die Tiere zu schützen. Nach Lösungen zu suchen, die einen wirksamen Schutz gewährleisten und zugleich Ertragsverluste minimieren, ist eine Herausforderung, bei der wir mit unserem Wissen und Knowhow unterstützen können.

Das KNE fördert den Dialog zwischen verschiedensten Akteuren der naturverträglichen Energiewende, bereitet aktuelles Wissen in Publikationen auf und bringt es unter anderem durch zahlreiche Veranstaltungen in Behörden, Verbände und die Praxis. Gab es schon Momente oder Situationen am KNE, die für Sie besonders überraschend oder spannend waren?

Es wird vor allem immer dort spannend, wo es unterschiedliche Interessen gibt, an denen dann Konflikte entstehen können. Etwa zwischen dem Naturschutz und der Energiewende. Ich finde es beispielsweise unheimlich schade, dass man die Flächen in Solarparks bisher nicht besser nutzt, um die Artenvielfalt zu fördern. Insektenschutz könnte man dort hervorragend betreiben, während das auf landwirtschaftlich genutzten Flächen schwieriger ist. Insgesamt sind Konfliktbereiche nicht nur spannend, sondern bieten auch Gelegenheit, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.

„Insgesamt sind Konfliktbereiche nicht nur spannend, sondern bieten auch Gelegenheit, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.“

Überraschend war für mich vielleicht das detaillierte technische Wissen, das dazu notwendig und am KNE auch vorhanden ist. Das sieht man etwa am Beispiel von Antikollisionssystemen. Diese begrenzen Ertragsverluste an Windenergieanlagen durch bedarfsgerechte Abschaltungen, während sie gleichzeitig den kollisionsgefährdeten Rotmilan schützen. Um solche Lösungen zu finden, ist der Dialog zwischen allen Beteiligten tatsächlich essenziell. Dazu gehören die Betreiber der Anlagen genauso wie Umweltverbände, Behörden und Wissenschaft. Das KNE ist hier bereits sehr gut vernetzt und ich werde mit meiner Arbeit diesen guten Austausch weiter fördern.

Zwischen Naturschutz und Energiewende gibt es sowohl Spannungsfelder als auch Synergien. Wo sehen Sie in dieser Ausgangslage die derzeit größten Herausforderungen und Chancen, bei denen die Expertise des KNE gefragt ist?

Das KNE besitzt eine enorme wissenschaftliche Tiefe bei den Themen der naturverträglichen Energiewende. Dazu gehören das Wissen über das Verhalten von Arten und das bereits er-wähnte technische Detailwissen zu Schutzmaßnahmen. Mithilfe mathematischer oder technischer Lösungen ist es möglich, die unterschiedlichen Interessen aus dem Naturschutz und der Energiebranche zusammenzubringen. Wie betreibt man Anlagen wirtschaftlich und gewährleistet gleichzeitig Arten- und Naturschutz? Diese Frage fasziniert mich sehr, und an dieser Stelle ist die Expertise des KNE gefragt.

Welche Themen oder Projekte wollen Sie in den kommenden Jahren am KNE voranbringen?

Wir sollten als KNE noch viel mehr über unsere Ergebnisse reden. Denn sie zeigen, wie Energiewende und Naturschutz Hand in Hand gehen können. Darüber hinaus wird es in Zukunft immer wichtiger werden, den Natur- und Klimaschutz zusammenzudenken. Hier denke ich auch an natürliche Kohlenstoffsenken wie wiedervernässte Moorböden oder extensiv genutztes Grünland. Im Klimaschutz spielen solche Senken eine wichtige Rolle. Wir sollten besonders mit den Landnutzerinnen und Landnutzern verstärkt den Dialog suchen, um zum Beispiel unter Solaranlagen solche natürlichen Kohlenstoffsenken durch eine angepasste Pflege oder Wiedervernässung zu ermöglichen. Dabei darf es nicht nur um Forderungen für den Naturschutz gehen, sondern auch darum, welche Ideen wir etwa mit Landwirtinnen und Landwirten gemeinsam entwickeln können. Es lohnt sich sicherlich auch, über neue Ideen der freiwilligen Finanzierung aus dem Privatsektor nachzudenken, um einen Anreiz für Vielfalt und Artenschutz zu schaffen.

Herzlichen Dank für das Interview, Herr Farcke.