Erfolgreicher Auftakt des KNE-Forums „Naturverträgliche Solarparks“

Berlin, 18. September 2020

Erfolgreicher Auftakt des KNE-Forums „Naturverträgliche Solarparks“

Am 10. September 2020 diskutierten knapp 35 geladene Vertreterinnen und Vertreter aus der Solarbranche, Naturschutzverbänden, Ministerien, Behörden, Kommunen und Energieagenturen verschiedener Bundesländer im Rahmen des KNE-Forums „Naturverträgliche Solarparks“ zum Thema „Solarparks als Ausgleichsfläche?“ Die Veranstaltung fand coronagerecht als Online-Workshop statt.

Die gängigen Ausbauszenarien für erneuerbare Energien sehen einen starken Ausbau der Photovoltaik vor. Darüber, welchen Stellenwert hierbei die Photovoltaik auf Dächern, Konversionsflächen, Gewässern, aber auch in der Freifläche haben soll, bestehen politisch unterschiedliche Ansichten. Unabhängig von dieser durchaus kontroversen Diskussion lässt sich jedoch faktisch beobachten, dass der Ausbau in der Freifläche vorangeht, und sich Fragen der naturverträglichen Umsetzung mit Nachdruck stellen.

Seinem Auftrag entsprechend, einen aktiven Beitrag zur Versachlichung von Debatten und zur Vermeidung von Naturschutzkonflikten zu leisten, bietet das KNE mit dem Forum „Naturverträgliche Solarparks“ Raum zum übergreifenden Austausch der Akteursgruppen und gemeinsamer Positionsbestimmung. In diesem Format sollen gemeinsam interessierende Themen bearbeitet werden (siehe auch: „Konflikten beim Photovoltaik-Ausbau auf Freiflächen aktiv vorbeugen“, KNE-Meldung vom 8. September 2020).

Beispiele dafür, dass bei immer mehr neu entstehenden Solarparks von Beginn an auch Naturschutzaspekte mitgedacht und mitgeplant werden, stellte Dipl.-Biologin Christina Grätz, Geschäftsführerin der Nagola Re GmbH, vor, die Brandenburger Solarparks bei der fachkundigen Begrünung beraten und begleitet hat. War Grätz als Naturschützerin selbst anfangs noch skeptisch, ist sie mittlerweile überzeugt, dass in Solarparks prinzipiell ein Potenzial zur Aufwertung durch Extensivierung besteht und diese Trittsteinbiotope darstellen können. Es gebe allerdings vieles zu bedenken: Für Flora und Fauna seien große Modulabstände wichtig, und die Einsaat müsse an jeden Solarpark individuell angepasst werden. Strukturen müssten geschaffen, Nistplätze für Insekten bereitgestellt und offene Bodenstellen zugelassen werden, damit der gesamte Solarpark besiedelt wird. Auch kleine Gewässer, Gehölzstreifen für Fledermäuse, oder spezielle Konstruktionen an Trafohäuschen für Vögel oder Fledermäuse könnten angeboten werden. Grätz rät dazu, sich jeweils mit den Naturschützerinnen und Naturschützern vor Ort zu beraten, welche Arten in der betreffenden Region bei der Planung berücksichtigt werden sollten, und was das für die individuelle naturverträgliche Gestaltung der Solarparks bedeutet.

Jeder Standort braucht eine individuelle Planung

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass bei den vorgestellten Beispielen durch gut durchdachte Maßnahmen sowohl eine Aufwertung des Bodens stattfinden als auch das Landschaftsbild – etwa durch Gehölzanpflanzungen und Blühflächen – geschützt werden konnte. Ein bereits naturschutzaktiver Solarpark-Betreiber bezifferte die Ertragseinbußen zwar (beispielhaft) mit rund 20 Prozent, dem Wunsch, Solarparks naturverträglich zu gestalten, stand das aber offenbar nicht entgegen. Die Debatte zeigte aber auch, dass die Brandenburger Maßnahmen nicht ohne Weiteres bundesweit übertragbar sind, sondern von Standort zu Standort neu nach Möglichkeiten für den Eingriffsausgleich oder eine sogar über-obligatorische Aufwertung der Solarparkfläche gesucht werden muss. Es besteht Forschungsbedarf zu der langfristigen Wirkung verschiedener Maßnahmen. Interessant wäre es aus Sicht der Teilnehmenden beispielsweise, die Veränderung der Vegetation unter und zwischen den Modulen zu beobachten.

Mit Aufwertungsmaßnahmen einen Beitrag zum Naturschutz leisten

Wie lassen sich Rahmenbedingungen schaffen, die das Naturschutzengagement von Solarpark-Betreibern unterstützen, fördern, aber ggf. auch ordnungsrechtlich steuern? Dazu wurden im zweiten Teil des Workshops von verschiedenen Teilnehmenden Impulse gegeben, unter anderem zum Instrument der Ökokonten und zu den Flächenpools, zu denen sich angeregte Diskussionen entwickelten. „Die dahinterstehende Idee ist, dass sich Solarpark-Betreiber mit über-obligatorischen Aufwertungsmaßnahmen, also Maßnahmen, die nicht nur den eigenen Eingriff ausgleichen, sondern darüber hinaus einen nennenswerten Beitrag zum Naturschutz leisten, sich diese im Rahmen landesweiter oder kommunaler Ökokonten anerkennen lassen können“, so Natalie Arnold, Referentin für naturverträgliche Solarenergie am KNE. Damit kämen die Solarparks ggf. auch für andere Bauprojekte als Ausgleichfläche in Frage, die dann wiederrum keine oder weniger zusätzliche Flächen benötigten.

Zur Frage, ob Solarparks „ökokontofähig“ seien, gab es kritische Anmerkungen. Die Ausgleichsmaßnahme müsse für die Dauer des Eingriffes zur Verfügung stehen, wodurch Nutzung und Gestaltung eines Solarparks eingeschränkt würden. Es sei fraglich, ob die Pächter der Flächen derart langfristigen Festlegungen zur Nutzung der Fläche zustimmen würden, wenn die Solarparkbetreibenden nicht selbst die Eigentümer seien. Von Naturschutzseite wurde zudem zu Bedenken gegeben, dass die zusätzliche Aufwertung vom Ausgleich des eigenen Eingriffs sauber getrennt werden müsse. Andere Teilnehmende verwiesen darauf, dass mit der Ökokonto-Anwendung der Flächendruck vor Ort sinken könne.

Einzelne Betreiber verdeutlichten, dass ihre Hauptmotivation für eine freiwillige Aufwertung die Steigerung der Akzeptanz vor Ort sei und der Wunsch, einen gesellschaftlichen Beitrag zur Biodiversität zu leisten. Mehrere Betreiber wünschten sich eine Diskussion darüber, wo und wie im Solarpark eine Aufwertung stattfinden könne, sowie klare Regeln, an denen sie sich orientieren könnten. Ob die Aufwertung und ihre Anerkennung im Rahmen eines Ökokontos nur am Rand des Solarparks möglich sein sollten, also getrennt von den eigentlich Modulflächen oder bei genügend Abstand auch zwischen den Modulflächen, darüber war man sich im Workshop nicht einig.

Einigkeit bestand aber darüber, dass eine ökologische Begleitforschung wichtig sei, und dass einheitliche Standards bei der Bewertung des Ausgangs- und Zielbiotopes in Solarparks sowie ein regelmäßiges und verlässliches Monitoring mehr Vertrauen und Orientierung schaffen könnten.

Das KNE-Forum „Naturverträgliche Solarparks“ wird zukünftig zweimal im Jahr stattfinden und damit dem gegenseitigen Austausch zu aktuellen Themen und Erfahrungen Kontinuität verleihen.

Über das Forum hinaus wird es von Seiten des KNE auch Angebote für Fachgespräche sowie zu weiteren Formaten geben.

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Photvoltaikanlagen auf der Freifläche

Konflikten beim Photovoltaik-Ausbau auf Freiflächen aktiv vorbeugen

Berlin, 8. September 2020

Konflikten beim Photovoltaik-Ausbau auf Freiflächen aktiv vorbeugen

Um die Klimaschutzziele zu erreichen, braucht es laut Solarbranche einen jährlichen Zubau an Photovoltaik-Anlagen von gut vier Gigawatt Leistung. Ein solcher Ausbau stellt Fragen an dessen Naturverträglichkeit.

Der anstehende massive Photovoltaik-Ausbau sollte nach Auffassung des KNE in erster Linie auf und an Gebäuden realisiert werden. Aber es gibt hier zahlreiche Restriktionen, die den erforderlichen schnellen Ausbau behindern. In der Freifläche können die Ausbaumengen schneller und (zumindest derzeit) auch kostengünstiger realisiert werden.

Solarparks können mittlerweile auch ohne Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) wirtschaftlich betrieben werden, das heißt der Photovoltaik-Ausbau ist in Teilen nicht mehr durch das EEG zu lenken. Auch die in Ressort-Abstimmung befindliche EEG-Novelle will neue Impulse für den Freiflächenausbau setzen – vorgeschlagen sind unter anderem die Erweiterung des nutzbaren Korridors an Bundesautobahnen und Schienenwegen auf 220 Meter und die Anhebung der maximalen Leistung auf 20 Megawatt –, so dass Branchenvertreter einen baldigen neuen Ausbauboom erwarten.

Bisher werden Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) in der Öffentlichkeit insgesamt positiv bewertet. Es gibt aber keine Garantie, dass dies so bleibt. Beim virtuellen 35. PV-Symposium, dem jährlichen Branchentreffen der Solarindustrie organsiert von der Conexio GmbH, am 1. September 2020 ging Dr. Elke Bruns, Abteilungsleiterin im KNE, in ihrem Vortrag „Photovoltaik-Freiflächenanlagen – Akzeptanz und Flächenverfügbarkeit“ auf Konfliktpotenziale vor Ort ein sowie auf Möglichkeiten für diese Anlagen Akzeptanz zu schaffen, unter anderem durch die frühzeitige Einbindung betroffener Bürgerinnen und Bürger.

„Damit Konflikte beim Ausbau von PV-Freiflächen möglichst vermieden werden, sollten Projektierer und Betreiber frühzeitig Fragen der ‚Akzeptanz vor Ort‘ ernst nehmen. Auch Naturverträglichkeit ist ein bedeutsamer Akzeptanzfaktor. Ein wichtiger Baustein einer Akzeptanzstrategie wäre aus KNE-Sicht ein freiwilliges Fauna-und-Flora-Monitoring, um glaubwürdig zu belegen, ob und unter welchen Voraussetzungen PV-Freiflächen naturverträglich sind oder darüber hinaus sogar eine ökologische Aufwertung bewirken können. Eine fachwissenschaftlich belastbare und anerkannte Basis für die Bewertung der Effekte von PV-Freiflächen auf die Pflanzen- und Tierwelt wäre auch im Interesse der Branche. Beim Ausbau der Windenergie wurde es versäumt“, so Bruns.

Um die Akzeptanz für die solare Stromerzeugung zu erhalten und Widerstände zu vermeiden, rät das KNE dazu, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen und – neben dem Angebot finanzieller Teilhabe wie vergünstigte Stromtarife für AnwohnerInnen – weitere, den Planungs- und Genehmigungsprozess (Information, Beteiligung) und die Gestaltung der Anlagen betreffende Akzeptanzfaktoren zu beachten. Grundsätzlich gilt es, bei einer planerischen Steuerung zu bleiben und „Wildwuchs“ und „Windhundrennen“ zu verhindern.

Hier finden Sie die Folien zum Vortrag von Dr. Elke Bruns.

Photovoltaikpanele auf einer Freifläche_Michael Schwarzenberger-Pixabay

Behauptungen durch Wissen ersetzen

Berlin, 6. Dezember 2019

Behauptungen durch Wissen ersetzen

Das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) forscht und entwickelt in den Bereichen der erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Energiewandlung und Energiespeicherung, immer mit konkretem Praxisbezug.

„Unsere Mission ist der Technologietransfer,“ beschreibt Prof. Dr. Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, den Auftrag des ZSW. Im Interview mit Prof. Dr. Frithjof Staiß und Maike Schmidt ging es um den Auftrag des Zentrums und die Schwerpunktforschungen, speziell um Photovoltaik und Windenergie. Wie lässt sich der Wirkungsgrad von Dünnschicht- Solarzellen verbessern? Was untersucht das ZSW auf seinem Windtestfeld auf der Schwäbischen Alb? Diese und andere Fragen erörterte Michael Krieger, Geschäftsführer des KNE, in Stuttgart. Nachzulesen im KNE-Jahrbuch K19.

K19 – Naturschutz in der Energiewende 

Im KNE-Jahrbuch K19 – Naturschutz in der Energiewende finden sich unter anderem ein gemeinsamer Beitrag von drei großen deutschen Umweltverbänden, aufschlussreiche Beiträge zum Konfliktmanagment, zu den Meeresströmungsenergien und Herausforderungen in der Energiewende in Japan und Berichte aus der Arbeit des KNE.

Für Nachfragen und Interviews stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung:
Anke Ortmann
presse@naturschutz-energiewende.de
030 7673738-12

Der KNE-Länderkompass — kompaktes Wissen zur Energiewende in den Ländern

Berlin, 14. November 2019

Der KNE-Länderkompass — kompaktes Wissen zur Energiewende in den Ländern

Welche Schutzgebiete sind in Thüringen ausgewiesen? Wie ist der aktuelle Stand der installierten Bruttoleistung bei den erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg? Welche Energiewendeziele haben sich die Länder gesetzt und wie ist hier der aktuelle Status?

Der KNE-Länderkompass gibt einen Ein- und Überblick über die Umsetzung der naturverträglichen Energiewende in Deutschland. Individuell für jedes der dreizehn Flächenländer werden der Stand der Umsetzung der Energiewende, die Flächennutzung sowie die Ausweisung der entsprechenden Schutzgebiete dargestellt. Ebenso bietet er Informationen zu den Zuständigkeiten in der Landesregierung, dem aktuellen erneuerbare Energien-Mix im Land sowie einen Überblick über die anerkannten Naturschutzorganisationen und den Zielen der Landespolitik zur weiteren Umsetzung der Energiewende vor Ort.

„Im Zuge unserer Beratungen und Gespräche mit den verschiedenen Akteuren vor Ort wurde deutlich, dass es an vielen Stellen ein Bedarf an kompakten und verlässlichen Informationen rund um die Energiewende in den jeweiligen Ländern und Planungsregionen gibt. Mit dem KNE-Länderkompass bieten wir die Möglichkeit, sich schnell einen Überblick über den aktuellen Stand der Energiewende zu verschaffen, aber auch über die Arbeit des KNE vor Ort“, erklärte der KNE-Geschäftsführer Michael Krieger anlässlich der Freischaltung des KNE-Länderkompasses.

Die gelisteten Informationen werden aus öffentlich zugänglichen Quellen zusammengeführt, unter anderem aus statistischen Daten der Länder und des Bundes und Veröffentlichungen der Bundesnetzagentur, etwa zu den Ergebnissen der Ausschreibungsverfahren für Windenergie und Freiflächen-Photovoltaik. Die Informationen werden regelmäßig oder aus aktuellem Anlass angepasst.

Sollten Sie Fragen oder Anmerkungen zu unserem KNE-Länderkompass haben, freuen wir uns jederzeit über Ihre Kontaktaufnahme!

Das KNE lud zum länderübergreifenden Austausch ein

Mannheim, 1. Oktober 2019

Das KNE lud zum länderübergreifenden Austausch ein

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland sammeln gegenwärtig Erfahrungen mit dem Zubau von Photovoltaikanlagen in der Freifläche unter den Bedingungen der Öffnungsklausel für benachteiligte landwirtschaftliche Gebiete. Im Rahmen des „länderübergreifenden Austauschs zum naturverträglichen Ausbau der Photovoltaik in der Freifläche“ bot das KNE den Akteuren (Vertreter der zuständigen Ministerien, Kommunen, Naturschutzverbände, Projektierer und weitere mit dem Ausbau der Photovoltaik in der Freifläche befassten Akteure) ein Forum, in dem bereits gesammelte Erfahrungen miteinander geteilt werden konnten und Hemmnisse für den weiteren Ausbau sowie die damit verbundenen Naturschutzbelange diskutiert wurden.

Dr. Mathis Danelzik, Leiter der Dialoggestaltung im KNE, Dr. Elke Bruns und Markus Hemker von den Fachinformationen führten durch die Veranstaltung. Die Ergebnisse des Austausches werden als Dokumentation der Veranstaltung auf der Internetseite des KNE zur Verfügung gestellt und die Diskussionsergebnisse fließen auch in geplante Synopsen des KNE zum Thema ein. Darüber hinaus wurde vereinbart, den Austausch in Zukunft zu verstetigen und eine nächste Veranstaltung zum Eingriffsausgleich auf der Fläche der Solaranlage durchzuführen.

Das KNE wird dazu weiter informieren.

Foto: PublicDomainPictures auf Pixabay.

Naturschutzrecht im Kontext von Klimawandel und Energiewende

Kassel, 25. und 26. September 2019

Naturschutzrecht im Kontext von Klimawandel und Energiewende

In Kassel tauschten sich Vertreterinnen und Vertreter aus Forschungseinrichtungen, Ministerien und Behörden, Kanzleien, Umweltverbänden und der Energiebranche auf der vierten Bundesfachtagung Naturschutzrecht des Bundesverbandes Beruflicher Naturschutz e. V. (BBN) zum Thema „Naturschutzrecht im Kontext von Klimawandel und Energiewende“ aus. Im Rahmen der Fachtagung in Kassel hat Dr. Silke Marie Christiansen, Rechtsreferentin im KNE, in ihrem Vortrag zu Naturschutzrecht bei Photovoltaik und energetischer Biomassenutzung informiert.

Die Fachtagung setzte sich insbesondere mit dem Naturschutzrecht und den Aspekten der Energiewende sowie den Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel aus Sicht von Wissenschaft und Praxis auseinander. Mit der Fachtagung möchte der BBN ein Forum schaffen, das rechtswissenschaftliche Entwicklungen im Bereich Naturschutz für die Praxis transparenter macht, aber auch aufzeigt, wo die Praxis Probleme sieht.

In den Vorträgen und Diskussionen sowie in den vielen persönlichen Gesprächen wurde deutlich, dass der Naturschutz umfangreich von Projekten der Energiewende betroffen ist und, dass es gleichwohl bei der Entwicklung von Klimaschutzmaßnahmen weit darüber hinausgehender strategischer Überlegungen bedarf. Es wurde begrüßt, dass es eine unabhängige Einrichtung wie das KNE gibt, die den naturverträglichen Ausbau der erneuerbaren Energien unterstützt und mit verlässlichen Fachinformationen als Ansprechpartner für alle Akteure der Energiewende zur Verfügung steht. Kontakte wurden ausgetauscht und Vereinbarungen darüber getroffen, auch im Anschluss an die Veranstaltung weiter im Gespräch zu bleiben.

  • Das KNE erstellt regelmäßig Dokumente für den Wissenstransfer, unter anderem Steckbriefe, Synopsen und Dossiers. Diese werden auf der KNE Internetseite Auf einen Blick veröffentlicht.
Glühbirne im Gras

Innovative Solarenergienutzung im Saarland

Dirmingen , 13. September 2019

Bifaciale PV-Freiflächenanlage setzt auf „Win-Win-Win“-Lösung

Dr. Torsten Raynal-Ehrke und Dr. Elke Bruns besuchten eine bifaciale Photovoltaik-Freiflächenanlage im Saarland. Hier hat die Firma Next2Sun 2018 in einem bislang einzigartigen Projekt bifaciale PV-Module auf einer Grünlandfläche von sieben Hektar installiert. Das Besondere hieran ist, dass diese Module auf beiden Seiten mit Solarzellen versehen sind. Sie werden senkrecht in Reihen aufgestellt und in Ost-West-Richtung ausgerichtet. Das Ministerium für Umwelt des Saarlandes hatte zu dem Ortstermin in Dirmingen (Gemeinde Eppelborn) eingeladen, um sich mit dem KNE darüber zu verständigen, welche Probleme und Potenziale in diesem Projekt stecken, und inwieweit die Möglichkeit besteht, das Vorhaben fachwissenschaftlich zu begleiten.

Das Konzept hat den energiewirtschaftlichen Vorteil, Stromerzeugungsspitzen ausgleichen zu können: Die Erzeugungsmaxima treten vormittags und nachmittags auf. Aus landwirtschaftlicher Sicht besteht der Vorteil darin, dass die Module nicht die gesamte Fläche beanspruchen. Die Reihenabstände wurden mit 10 Metern so gewählt, dass eine auch landwirtschaftliche Nutzung (hier: zweimaliger Schnitt zur Heugewinnung) weiterhin möglich ist. Das saarländische Landwirtschaftsministerium setzt sich dafür ein, dass Flächen mit diesem Modultyp angesichts der begrenzten Nutzungseinschränkung EU-agrarförderungsfähig bleiben.

Auch aus naturschutzfachlicher Sicht scheint diese Form der solaren Energieerzeugung Vorteile zu haben: Anlagenbedingte Beeinträchtigungen des Lebensraums sind durch die geringe Überdeckung minimiert. Nach zwei Jahren ist auf dieser Fläche festzustellen, dass sich der Kräuteranteil im Grünland erhöht hat. Es hat sich ein Blühhorizont gebildet, der Heuschrecken und Tagfalter anzieht. Noch zu untersuchen ist unter anderem, inwieweit die Modulreihen eine Barrierewirkung für Insekten und Tagfalter darstellen und ob entstehende Altgrasstreifen die Habitatvielfalt auf der Fläche vergrößern können.

Fazit: Aus Sicht des KNE hat dieses Konzept durchaus das Potenzial für eine Win-Win-Win-Lösung. Energiewirtschaftliche, landwirtschaftliche und naturschutzfachliche Anforderungen können gut unter einen Hut gebracht werden. Wir unterstützen die Idee des saarländischen Umweltministeriums, die Modellhaftigkeit des Konzepts im Rahmen eines Forschungsprojektes zu untersuchen. Vor allem die Ergebnisse eines betriebsbegleitenden Monitorings wären von großem Interesse.

Bifaciale PV-Module der Firma Next2Sun. Bild: Elke Bruns.