Neue KNE-Publikation: Dokumentation der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“

Berlin, 2. Oktober 2019

Neue KNE-Publikation: Dokumentation der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“

Die Dokumentation fasst die Ergebnisse der zweitägigen KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen – Detektionssysteme als Chance für einen naturverträglichen Windenergieausbau?“ am 15. und 16. Mai 2019 in Kassel zusammen und gibt einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand.

Neben den Beiträgen der Referentinnen und Referenten zu laufenden Erprobungsvorhaben von Kamera- und Radarsystemen in Deutschland und zu genehmigungsrechtlichen Aspekten eines Systemeinsatzes, findet sich zudem ein Resümee der Podiumsdiskussion. Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, der behördlichen Praxis und des Naturschutzes, erörterten auf dem Podium den Bedarf nach weitergehenden technischen Vermeidungslösungen und diskutierten über potenzielle Anwendungsfälle. Trotz der unterschiedlichen Blickwinkel und Anliegen bestand Einigkeit darüber, dass Detektionssysteme einen Beitrag zum Abbau des aktuellen Genehmigungsstaus leisten können.

Die Fachkonferenz verfolgte nicht nur das Ziel, Informationen bereitzustellen. Sie bot den Teilnehmenden aus allen Akteursgruppen eines naturverträglichen Windenergieausbaus auch die Möglichkeit, ihre Meinung zu den Chancen und Grenzen der Technischen Systeme zu äußern. Die Einschätzungen der mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in der Publikation nachzulesen.

Die Tagungsdokumentation wird auch in englischer Sprache veröffentlicht werden.

Wie geht es weiter?

Das KNE wird auch weiterhin zu dieser Thematik arbeiten. Das Kompetenzzentrum begleitet zudem als unabhängiger Akteur mehrere Erprobungsfälle im Bundesgebiet. Dadurch soll das Wissen über die Leistungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeiten der Systeme unter unterschiedlichen Standortbedingungen weiter verbessert werden.

Zudem sind Fachgespräche und Workshops geplant, die sich mit den Fragen beschäftigen, wo zukünftig die „Untergrenzen“, das heißt Schwellenwerte und Mindestanforderungen, für den Systemeinsatz liegen werden. Zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) ist darüber hinaus ein gemeinsames Papier geplant, in dem der Erkenntnisfortschritt dokumentiert und fortgeschrieben wird. Eine Fortführung der Fachkonferenz ist für 2021 vorgesehen.

 

Zum Thema:

Für Nachfragen sowie Interviews zum Stand der Technik und zum methodischen Vorgehen bei System-Erprobungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Konferenz fordert Umdenken in der Forschung zum naturverträglichen Energieausbau

Berlin, 5. September 2019

Konferenz fordert Umdenken in der Forschung zum naturverträglichen Energieausbau

“Global thinking in the heart of Scotland” – unter diesem Motto fand vom 27. bis 30. August im schottischen Stirling die diesjährige Conference on Wind energy and Wildlife impacts (CWW 2019) statt. Etwa 360 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 25 Nationen kamen zusammen, darunter war auch das KNE.

Die Konferenzteilnehmer machten in diesem Jahr deutlich: In der Forschung zum naturverträglichen Windenergieausbau ist ein Umdenken erforderlich. Dies ergebe sich aus dem globalen Klimawandel und dem klimawandelbedingten Artensterben.

Eindringlich wurde gefordert, sich auf die drängendsten Fragestellungen eines naturverträglichen Windenergieausbaus zu fokussieren. Immer detailliertere Analysen von seit Langem bekannten Problemen seien nicht (mehr) hilfreich. Die Forschungsressourcen müssten zielgerichteter und möglichst ausschließlich lösungsorientiert eingesetzt werden. Es müsse mehr in den tatsächlichen Erhalt von Populationen investiert werden, statt in immer detailliertere Untersuchungen der Kollisionsraten mit vergleichsweise wenig aussagekräftigen Erkenntnissen.

Wichtiger denn je sei eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren, insbesondere Betroffene müssten stärker in die Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden, um die nachlassende soziale Akzeptanz für Windenergieprojekte wieder zu verbessern.

Im Rahmen der mehrtägigen Fachveranstaltung befassten sich die internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Gutachtende, Nichtregierungsorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter von nationalen Behörden und aus der Politik mit dem aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet des naturverträglichen Ausbaus der Windenergie an Land und auf der See.

Es wurden neuste Fallstudien zur Bewertung und Vermeidung von Auswirkungen der Windenergienutzung auf einzelne Vogel-, Fledermaus- und Säugetierarten präsentiert. Es gab Beiträge zur Prognose von Auswirkungen auf Populationen sowie zu kumulativen Effekten. Ein weiterer Fokus lag auf neuen technischen Lösungen, die für die Standortbewertung oder auch für das betriebsbegleitende langfristige Monitoring an Windenergieanlagen eingesetzt werden können.

Die Fachbeiträge der Fachkonferenz werden veröffentlicht. Weitere Informationen und Konferenzmaterial finden Sie hier. Gerne können Sie sich auch mit uns in Verbindung setzen:
eva.schusternaturschutz-energiewende.de

Im Whitelee Windpark produzieren 215 Windenergieanlagen genug Strom für rund 300.000 schottische Haushalte.

Das Wallace Monument ist das Wahrzeichen von Stirling. Hier fand die CWW2019 mit über 350 Teilnehmern statt.

Lückenloses Schlagopfermonitoring durch technische Systeme?

Berlin, 21. August 2019

Lückenloses Schlagopfermonitoring durch technische Systeme?

Das KNE arbeitet umfassend zu Detektionssystemen zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen. Im Zuge dessen aktualisiert das KNE momentan die KNE-Synopse zu technischen Erfassungssystemen und verfolgt Weiterentwicklungen und Ansätze rund um das Thema. Vor diesem Hintergrund stellten Vertreter einer in Polen ansässigen Entwicklungsfirma den aktuellen Entwicklungsstand des Systems B-Finder im KNE vor und diskutierten mit Dr. Elke Bruns und Holger Ohlenburg von den Fachinformationen über Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung des Systems in Deutschland.

Das System „B-Finder“ ist darauf ausgerichtet, auftretende Kollisionsereignisse von Fledermäusen und Vögeln an Windenergieanlagen (WEA) zu identifizieren. Der seit gut 1,5 Jahren im Test befindliche Prototyp besteht aus 36 Infrarotkameras, die auf drei Ebenen am Turm der WEA installiert werden. Damit wird ein Erfassungsbereich von 360 Grad um die Anlage ermöglicht. Eine Kombination mit Taglichtkameras und weiteren Sensoren befindet sich noch in der Entwicklung.

Registrieren die Kameras ein sich vertikal durchs Bild bewegendes Objekt, entscheidet ein Software-Algorithmus (unter Berücksichtigung von Größe und Geschwindigkeit des Objektes), ob es sich um eine kollidierte Fledermaus oder einen kollidierten Vogel handeln könnte. Ein Gutachter sichtet das Videomaterial und veranlasst, dass das Kollisionsopfer identifiziert und geborgen wird. Mit Hilfe der Systemdaten und eines GPS-Gerätes kann die Suche zielgerichtet und zeitsparend durchgeführt werden, selbst bei dichter und höherer Vegetation. Das System könnte ein lückenloses Schlagopfer-Monitoring an WEA für Vögel ab einer Größe von 15 cm (Körper) und Fledermäuse ermöglichen. Über die Auswertung der Daten könnte die absolute Zahl an Kollisionsereignissen bestimmt werden. Eine Artdifferenzierung durch das System selbst ist nicht möglich – diese erfolgt im Rahmen der Kollisionsopfersuche.

Die Entwickler haben an einem Teststandort in Polen nach eigenen Aussagen bereits mehr als 800 Tests mit Kunststoffobjekten, die aus einer Drohne abgeworfen werden, vollzogen. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. Eine Validierung durch unabhängige Gutachter steht noch aus.

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Windenergieanlagen von Mylene auf Unsplash.

Vogelschutz an Windenergieanlagen – KNE-Fachkonferenz war ein voller Erfolg

Kassel, 16. Mai 2019

Vogelschutz an Windenergieanlagen – KNE-Fachkonferenz war ein voller Erfolg

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sind neue und verlässliche Lösungsansätze notwendig, um negative Auswirkungen auf kollisionsgefährdete Tierarten von vornherein zu vermeiden. Mehr als 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen diskutierten daher auf der zweitägigen KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“ über die Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Detektionssystemen zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen durch eine bedarfsgerechte Betriebsregulierung.

Bei der Eröffnung zeigte sich Michael Krieger, Geschäftsführer des KNE, erfreut über das große Interesse der Akteure an der Fachkonferenz: „Das Echo auf unsere Konferenz ist beeindruckend. Die hohe Teilnehmerzahl aus den unterschiedlichsten Branchen und das positive Feedback zeigen, dass zu diesem Thema ein großer Informations- und Diskussionsbedarf besteht und es den Akteuren auf den Nägeln brennt.“

Die Beiträge zu laufenden Erprobungsvorhaben von Kamera- und Radarsystemen am ersten Konferenztag, informierten umfassend über die unterschiedlichen Verfahren, über Fortschritte und über neuste Erkenntnisse von Tests von Detektionssystemen, zum Beispiel im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesamtes für Naturschutz auf einem Windenergietestfeld in der Schwäbischen Alb oder einer betriebsbegleitenden Untersuchung im Windpark Weißbach. Auch die persönlichen Einschätzungen der Teilnehmenden zur Thematik waren gefragt. Im Stationenparcours wurden unter anderem folgende Fragen gestellt: Sehen Sie mehr Chancen oder mehr Risiken beim Einsatz Technischer Systeme? In welchen konkreten Anwendungsfällen können Sie sich den Einsatz Technischer Systeme vorstellen?

Der zweite Konferenztag startete mit einem Vortrag von Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Der Klimawandel und seine Folgen tragen maßgeblich zum Artensterben bei. Windenergie ist damit nicht als Problemursache, sondern als Problemlöser zu bewerten. Wir brauchen mehr erneuerbare Energien, müssen aber auch ihre Risiken für bestimmte Tiere berücksichtigen und Lösungen für ein Miteinander von Artenschutz und klimafreundlicher Energieerzeugung finden. Deshalb prüft das Land Hessen umfassend die Gebiete, die für Windenergieanalgen in Frage kommen. Auch technischer Möglichkeiten können helfen, negative Auswirkungen von Windenergieanlagen zu minimieren“, sagte die Staatssekretärin. Beim anschließenden Ausstellerrundgang mit Dr. Torsten Raynal-Ehrke, Direktor des KNE, verschaffte sie sich einen Überblick über die unterschiedlichen Systeme und deren Einsatzmöglichkeiten.

Dr. Torsten Raynal-Ehrke erklärte beim Rundgang: “Die Fachkonferenz bestätigt, was wir als KNE in unserer täglichen Arbeit erleben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss naturverträglich gestaltet werden, das ist bei allen Beteiligten Konsens. Insbesondere der verstärkte Ausbau der Windenergie stellt uns hier vor große Herausforderungen. Zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergienanlagen könnten Detektionssysteme eine wirksame Unterstützung sein, aber es gibt noch großen Informations- und Forschungsbedarf. Das KNE steht allen Akteuren mit Informationen zum Stand der Technik und zum methodischen Vorgehen bei Erprobungen zur Verfügung. Als neutraler Ansprechpartner unterstützen wir zudem die Klärung von Konflikten direkt vor Ort. Dabei arbeiten wir eng und auf Augenhöhe mit den Akteuren, wie etwa mit der Hessenagentur, zusammen.“

„Von der automatisierten Erkennung und bedarfsgerechten Regulierung erhoffen sich unsere Beratungsfälle, dass einzelne artenschutzrechtliche Konflikte dadurch wirkungsvoll gemindert werden können. Entsprechend wichtig ist es, bei den anstehenden Erprobungen genau hinzuschauen,“ erklärt Dr. Elke Bruns, Leiterin der Fachinformationen im KNE.

Die Konferenz hat gezeigt, dass die Systemhersteller im Bereich der Vogelerkennung auf gutem Weg sind. Nun gilt es, diese Geräte an weiteren Standorten zu erproben. Für das KNE ist es wichtig, neben den Einsatzmöglichkeiten und Potenzialen auch die Grenzen des Systemeinsatzes auszuloten.

„Wir hoffen auf weitere, möglichst vielfältige Erprobungsfälle, mit denen die im NatForWINSENT gewonnenen Daten ergänzt werden können. Eine nächste Fachkonferenz könnte sich damit befassen, welche Erkenntnisse bis dahin über die „Reaktion“ der Anlage – also die bedarfsgerechte Betriebsregulierung – vorliegen,“ so Bruns weiter.

Noch einmal deutlich wurde der aktuelle Diskussionsbedarf in der abschließenden Podiumsrunde. Vertreterinnen der Politik, der Wirtschaft, der behördlichen Praxis und des Naturschutzes, erörterten den Bedarf nach weitergehenden technischen Vermeidungslösungen und potenzielle Anwendungsfelder. Trotz der unterschiedlichen Blickwinkel und Anliegen war man sich darüber einig, dass Naturschutz und Energiewende möglich sind, wenn die Anstrengungen aller gebündelt werden. Das KNE wird diese Thematik weiter begleiten und steht allen Akteuren für Anfragen zur Verfügung.

  • Alle Informationen zur KNE-Fachkonferenz hier auf unserer Internetseite. 
    In Kürze werden auch die Vorträge der Referentinnen und Referenten zur Verfügung stehen.

Zum Thema:

Für Nachfragen und Interviews stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Fotos: Tanja M. Marotzke.

Kontakt:
Anke Ortmann,
pressenaturschutz-energiewende.de">pressenaturschutz-energiewende.de,
T.: 030 7673738-12.