Ergebnisse der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“ liegen nun auch auf Englisch vor

Berlin, 2o. August 2020

Ergebnisse der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“ liegen nun auch auf Englisch vor

Am 15. und 16. Mai 2019 hatte das KNE zu einer Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“ nach Kassel eingeladen. Über 200 Teilnehmende aller Akteursgruppen des naturverträglichen Windenergieausbaus kamen zusammen, um sich über den aktuellen Wissensstand zum Thema Detektionssysteme zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen durch eine bedarfsgerechte Betriebsregulierung auszutauschen. Aufgrund des großen internationalen Interesses an dem Thema liegen die Ergebnisse nun auch auf Englisch vor.

Neueste Erkenntnisse zu technischen Systemen

Die Beiträge zu laufenden Erprobungsvorhaben von Kamera- und Radarsystemen am ersten Konferenztag stellten umfassend die unterschiedlichen Verfahren, Fortschritte der Technologien und neueste Erkenntnisse im Zuge der Systemerprobungen dar. Am zweiten Konferenztag wurden zunächst genehmigungsrechtliche Aspekte beim Einsatz von technischen Systemen vorgestellt. Eine Podiumsrunde mit Vertretern und Vertreterinnen der Politik, der Wirtschaft, der behördlichen Praxis und des Naturschutzes erörterte den Bedarf an weitergehenden technischen Vermeidungslösungen und einer Identifizierung sinnvoller Anwendungsfelder.

Naturschutz und Energiewende sind möglich

Die Fachkonferenz zeigte, dass die Systemhersteller im Bereich der Vogelerkennung auf einem guten Weg sind. Nun gilt es, die Technologien an weiteren unterschiedlichen Standorten zu erproben und neben den Einsatzmöglichkeiten und Potenzialen auch die Grenzen des Systemeinsatzes auszuloten. Das KNE wird sich daher auch am internationalen Erfahrungsaustausch zur Erprobung technischer Systeme beteiligen und steht allen Akteuren für Anfragen zur Verfügung.

Alle Ergebnisse auf einen Blick

Die Dokumentation fasst die Ergebnisse der KNE-Fachkonferenz zusammen und gibt einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand. Neben den Beiträgen der Referentinnen und Referenten zu laufenden Erprobungsvorhaben von Kamera- und Radarsystemen in Deutschland und zu genehmigungsrechtlichen Aspekten eines Systemeinsatzes findet sich zudem ein Resümee der Podiumsdiskussion. Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, der behördlichen Praxis und des Naturschutzes erörterten auf dem Podium den Bedarf nach weitergehenden technischen Vermeidungslösungen und diskutierten über potenzielle Anwendungsfälle.

Den Fragen, wie sich ein mehrfaches Abschalten pro Tag auf Verschleiß und Wartungsbedarf einer Windenergieanlage auswirken und mit welchen Kosten dabei zu rechnen ist, wird derzeit in einem Forschungsprojekt nachgegangen. Erste Ergebnisse werden auf einer Fachveranstaltung am 14. und 15. Oktober 2020 in einer ONLINE-Diskussionsveranstaltung vorgestellt.

Zur Internetseite der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“.

KNE legt aktualisierte Übersicht technischer Systeme zur Vermeidung von potenziellen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel vor

Berlin, 28. Juli 2020

KNE legt aktualisierte Übersicht technischer Systeme zur Vermeidung von potenziellen Auswirkungen von Windenergieanlagen auf Vögel vor

Technische Detektionssysteme sollen automatisch erkennen, wenn kollisionsgefährdete Vogelarten einer Windenergieanlage gefährlich nahe kommen und eine Abschaltung der Anlage auslösen, um das Kollisionsrisiko zu vermindern. Jetzt hat das KNE eine aktuelle Übersicht der auf dem Markt bzw. in Entwicklung befindlichen Detektionssysteme veröffentlicht.

In den letzten Jahren wurden erhebliche Fortschritte hin zu einer sicheren Erkennung der Vogelart und Erfassung und Dokumentation der Position und Flugrichtung gemacht. Auch zeichnet sich ein Konsens über die Mindestanforderungen an einzelne Faktoren ab, die für die Wirksamkeit von Systemen ausschlaggebend sind. Für die Erkennung einzelner mittelgroßer bis großer Vögel wie etwa dem Rotmilan, Seeadler oder Schwarzstorch kommen (Stereo-)Kamerasysteme oder Radarsysteme in Frage. Einige Systeme kombinieren auch beide Technologien.

Die tabellarische Übersicht über die Systeme wurde gegenüber dem Stand vom 31. Januar 2018 aktualisiert und erweitert, ohne dabei Vollständigkeit zu beanspruchen. Der Fokus liegt auf Detektionssystemen, die dem Schutz tagaktiver Brutvögel dienen und eine ereignisbezogene Abschaltung vorsehen. Mit der Synopse tragen wir zur Verbreitung des Kenntnisstandes über die Technologieentwicklung bei. Interessierte können sich ein Bild über den erreichten Stand machen.

Der Einsatz technischer Systeme kommt insbesondere dann in Betracht, wenn angesichts der zunehmenden Verknappung konfliktarmer Flächen Lösungen benötigt werden, die einerseits für die Genehmigungsfähigkeit und andererseits für einen sicheren Schutz kollisionsgefährdeter Arten sorgen können.

Allerdings können auch technische Systeme, sollten sie einmal als geeignete und wirksame Schutzmaßnahme anerkannt sein, eine sorgfältige Standortwahl nicht ersetzen. Trotz technischer Lösungen können sich Standorte aus artenschutzrechtlichen Gründen als für die Windenergienutzung ungeeignet bzw. nicht genehmigungsfähig erweisen. Auch die Frage, unter welchen Voraussetzungen die Anlagen unter einem bedarfsgerechten Abschaltregime wirtschaftlich betrieben werden können, ist noch zu klären. Dennoch sind Einsatzbereiche vorstellbar, in denen technische Systeme eine sinnvolle Lösung darstellen.

  • Das Wichtigste in Kürze und die Publikation finden Sie auch HIER.

Weitere Informationen und Veröffentlichungen zum Thema

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Moderne Detektionssysteme haben großes Potenzial zum Schutz von Vögeln

Berlin, 22. Juli 2020

Moderne Detektionssysteme haben großes Potenzial zum Schutz von Vögeln

Neue Publikation von BfN, KNE und FA Wind fasst den Kenntnisstand zu technischen Systemen zur Minderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen zusammen

Wie können technische Systeme an Windenergieanlagen so eingesetzt werden, dass Vogelkollisionen vermieden werden? Wie lassen sich so Windenergieausbau und gleichzeitig Vogelschutz sicherstellen? Welche Schritte sind erforderlich, damit solche technischen Lösungen möglichst schnell angewandt werden können? Anhand dieser Fragestellungen haben die Autorinnen und Autoren einer neuen Publikation den aktuellen Stand zu modernen Detektionssystemen zusammengefasst. Die Ergebnisse haben das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) und die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) jetzt gemeinsam veröffentlicht.

„Wir hoffen, dass in absehbarer Zukunft technische Systeme leistungsfähig genug sein werden, um an einer Reihe von Standorten Kollisionen von Vögeln mit Windenergieanlagen wirksam zu vermeiden. Die Publikation gibt einen Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand, bestehende Herausforderungen und liefert zugleich erste Antworten, um den Prozess der Anerkennung und Einführung von solchen Systemen zur Minderung von Vogelkollisionen zu begleiten und zu unterstützen“, so BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel.

„Seit 2017 haben wir verfolgt, wie die technische Entwicklung zur Erfassung und Erkennung von Vögeln im Luftraum fortgeschritten ist“, sagt KNE-Direktor Dr. Torsten Raynal-Ehrke. „Mit den neuartigen Kamera- oder Radarsystemen kann der Luftraum um eine Anlage observiert werden. Kommt eine kollisionsgefährdete Art der Windenergieanlage gefährlich zu nahe, kann diese Anlage vorübergehend abgeschaltet werden. Die Erkennung der Vogelart und die Reaktion der Anlage darauf müssen zuverlässig sein.“

Damit die neuen Systeme zur Vermeidung und Minderung von Vogelkollisionen eingeführt werden können, sind eine Reihe von fachlichen, juristischen und wirtschaftlichen Fragen zu beantworten. Diese wurden in der Publikation auf Basis des aktuellen Kenntnisstandes systematisch zusammengetragen. „Diese Zusammenstellung ist eine gute Grundlage für die weitere Diskussion der fachlichen Anforderungen und für die weiteren Schritte zur Einführung der Systeme in die Praxis“, befindet auch die Geschäftsführerin der FA Wind, Dr. Antje Wagenknecht.

„Es zeigt sich, dass Fragen rund um die Leistungsfähigkeit der Systeme heute bereits beantwortet werden können. Auch zeichnet sich ein Konsens über die Mindestanforderungen an einzelne Faktoren ab, die für die Wirksamkeit von Systemen ausschlaggebend sind“, stellt Torsten Raynal-Ehrke fest. Technisch-wirtschaftliche Aspekte sowie Fragen zur Umsetzung bei den unterschiedlichsten Projekt- bzw. Standortkonstellationen sind, teilweise durch Einzelfallprüfungen, noch zu beantworten.

Die offenen Fragen und Anforderungen werden derzeit mit einem Kreis von Expertinnen und Experten im Rahmen der BfN/KNE-Workshopreihe „Anforderungen an technische Überwachungs- und Abschaltsysteme an Windenergieanlagen“ diskutiert. Die Ergebnisse werden in die Fortschreibung der Publikation einfließen.

Wertvolle Erfahrungen zu unterschiedlichen Systemen werden aktuell auch durch Forschungsprojekte, etwa „NatForWINSENT“, im Rahmen des Forschungsschwerpunktes Naturschutz und erneuerbare Energien gesammelt. Diese Forschungen werden ergänzt durch Erprobungen in der Praxis durch Hersteller und Betreiber, indem Vogelbeobachtungen und Leistungsmerkmale der Systeme an verschiedenen Standorten in Deutschland verglichen werden. „Diese vielfältigen Teilergebnisse sollen in den kommenden zirka zwei Jahren schrittweise zusammengeführt werden. Damit wird ein weiterer Baustein geschaffen, um den notwendigen Ausbau der Windenergie naturverträglich zu gestalten“, resümiert Beate Jessel. Erstellt wurde die Publikation gemeinsam von BfN, KNE und FA Wind auf der Basis der vielfältigen Erfahrungen aus eigenen Konferenzen, Fachgesprächen und Forschungsprojekten.

Bezug:

Ammermann, K., Bruns, E., Ponitka, J., Schuster, E., Sudhaus, D. & Tucci, F. (2020): Technische Systeme zur Minderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen. – Entwicklungsstand und Fragestellungen – BfN-Skripten 571, 29 S.

Weitere Informationen zum Thema:

DFBEW veröffentlicht KNE-Publikation „10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen“ auf Französisch

Berlin, 28. Mai 2020

DFBEW veröffentlicht KNE-Publikation „10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen“ auf Französisch

Das Deutsch-französische Büro für die Energiewende (DFBEW) veröffentlicht die französische Übersetzung eines Faktenpapiers des KNE zur automatisierten Detektion und ereignisbezogenen Abschaltung zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen.

Um den Ausbau der Windenergienutzung naturverträglich fortsetzen zu können, braucht es innovative Lösungen, um die negativen Auswirkungen auf windenergiesensible Tierarten effizient zu vermindern. Detektionssysteme wurden entwickelt, um ein signifikant erhöhtes Kollisionsrisiko windenergiesensibler Vogelarten zu vermeiden. Sollten sich diese Systeme als wirksam erweisen, können sie einen bedeutenden Beitrag zum Abbau des derzeitigen Genehmigungsstaus leisten und den naturverträglichen Ausbau der Windenergie befördern.

Die Energiewende in Frankreich

Nicht nur in Deutschland sind Lösungen gefragt, um den Ausbau der Windenergienutzung unter Berücksichtigung des Artenschutzes naturverträglich voranzutreiben.

2006 wurde in Frankreich das Programm „Windenergie und biologische Artenvielfalt“ ins Leben gerufen. Dieses Programm, das von einem Lenkungsausschuss geleitet wird, der sich aus der Agentur für ökologischen Wandel (Ademe), den Windenergieverbänden (SER und FEE), dem französischen Ministerium für ökologischen und solidarischen Wandel (MTES) und der nationalen Vogelschutzorganisation (LPO) zusammensetzt, zielt auf die Errichtung eines nationalen Windparks unter Berücksichtigung der Belange der biologischen Vielfalt.

So wird etwa mittels der mehrjährigen Energieprogrammplanung der französischen Regierung, die im April 2020 veröffentlicht wurde, das Ziel gesetzt, Genehmigungsprozesse von Windparks zu beschleunigen und dabei Umweltgesichtspunkte, wie den Erhalt einer hohen Artenvielfalt, umfassend zu berücksichtigen.

Daher sind Detektionssysteme zur Verminderung von Vogelkollisionen derzeit ein wichtiges Thema für die Windenergiebranche in Frankreich, um die ambitionierten Ausbauziele für die Onshore-Windenergie in Einklang mit dem Erhalt der Artenvielalt zu erreichen, einige Windparks sind bereits mit Detektionssystemen ausgerüstet.

Als Facheinrichtung befasst sich das KNE schon seit geraumer Zeit mit Technischen Systemen zur Verminderung von Vogelkollisionen. Die Expertise des KNE auf diesem Gebiet und die Praxiserfahrungen der französischen Windenergiebranche ermöglichen einen gewinnbringenden deutsch-französischen Austausch.

 

Weitere Veröffentlichungen und Arbeiten des KNE zum Thema:

Ihre Ansprechpartnerin im KNE
Eva Schuster
Referentin für technischen Artenschutz, Vermeidungs-, Verminderungsmaßnahmen
eva.schuster@nautschutz-energiewende.de
030-7673738-23

Titelseite der Publikation

10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen

Berlin, 21. April 2020

10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen

Neue Veröffentlichung des KNE zu Vogelschutz an Windenergieanlagen

Konfliktarme Flächen für den Ausbau der Windenergie sind mittlerweile knapp geworden. Um den Ausbau naturverträglich fortsetzen zu können, können innovative Lösungsansätze dabei helfen, die negativen Auswirkungen auf windenergiesensible Tierarten effizient zu vermindern. Detektionssysteme zur automatischen Vogelerfassung und ereignisbezogenen Betriebsregulierung haben das Potenzial, das Kollisionsrisiko von Vögeln an Windenergieanlagen und damit artenschutzrechtliche Konflikte zu reduzieren.

Das KNE erreichen immer wieder Fragen zu den Funktionsweisen, den Einsatzmöglichkeiten und dem Erprobungsstand von existierenden sowie in der Entwicklung befindlichen Radar- und Kamerasystemen.

Welche Detektionssysteme können für die Erkennung von Vögeln eingesetzt werden? Inwieweit sind diese Systeme bisher erprobt, und welche Studien liegen hierüber vor? Wie hoch sind die Abschaltzeiten, und mit welchen Einbußen muss gerechnet werden? Wo wird aktuell noch der größte Entwicklungsbedarf gesehen?

Diese und andere häufig gestellten Fragen greift das Papier auf. Es bietet damit eine gemeinsame Wissensbasis für die nun im Weiteren anzugehende Diskussion über Mindestanforderungen, Eignungsbedingungen und Wirksamkeitsschwellen.

Auch auf unserer Seite „Veröffentlichungen“ können Sie „10 Fragen – 10 Antworten zu Detektionssystemen“ finden.

Weitere Veröffentlichungen und Arbeiten zum Thema:

Ihre Ansprechpartnerin im KNE
Eva Schuster
Referentin für technischen Artenschutz, Vermeidungs-, Verminderungsmaßnahmen
eva.schuster@nautschutz-energiewende.de
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Neue KNE-Publikation: Dokumentation der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“

Berlin, 2. Oktober 2019

Neue KNE-Publikation: Dokumentation der KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“

Die Dokumentation fasst die Ergebnisse der zweitägigen KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen – Detektionssysteme als Chance für einen naturverträglichen Windenergieausbau?“ am 15. und 16. Mai 2019 in Kassel zusammen und gibt einen Überblick über den aktuellen Kenntnisstand.

Neben den Beiträgen der Referentinnen und Referenten zu laufenden Erprobungsvorhaben von Kamera- und Radarsystemen in Deutschland und zu genehmigungsrechtlichen Aspekten eines Systemeinsatzes, findet sich zudem ein Resümee der Podiumsdiskussion. Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft, der behördlichen Praxis und des Naturschutzes, erörterten auf dem Podium den Bedarf nach weitergehenden technischen Vermeidungslösungen und diskutierten über potenzielle Anwendungsfälle. Trotz der unterschiedlichen Blickwinkel und Anliegen bestand Einigkeit darüber, dass Detektionssysteme einen Beitrag zum Abbau des aktuellen Genehmigungsstaus leisten können.

Die Fachkonferenz verfolgte nicht nur das Ziel, Informationen bereitzustellen. Sie bot den Teilnehmenden aus allen Akteursgruppen eines naturverträglichen Windenergieausbaus auch die Möglichkeit, ihre Meinung zu den Chancen und Grenzen der Technischen Systeme zu äußern. Die Einschätzungen der mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind in der Publikation nachzulesen.

Die Tagungsdokumentation wird auch in englischer Sprache veröffentlicht werden.

Wie geht es weiter?

Das KNE wird auch weiterhin zu dieser Thematik arbeiten. Das Kompetenzzentrum begleitet zudem als unabhängiger Akteur mehrere Erprobungsfälle im Bundesgebiet. Dadurch soll das Wissen über die Leistungsfähigkeit und Einsatzmöglichkeiten der Systeme unter unterschiedlichen Standortbedingungen weiter verbessert werden.

Zudem sind Fachgespräche und Workshops geplant, die sich mit den Fragen beschäftigen, wo zukünftig die „Untergrenzen“, das heißt Schwellenwerte und Mindestanforderungen, für den Systemeinsatz liegen werden. Zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) ist darüber hinaus ein gemeinsames Papier geplant, in dem der Erkenntnisfortschritt dokumentiert und fortgeschrieben wird. Eine Fortführung der Fachkonferenz ist für 2021 vorgesehen.

 

Zum Thema:

Für Nachfragen sowie Interviews zum Stand der Technik und zum methodischen Vorgehen bei System-Erprobungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Konferenz fordert Umdenken in der Forschung zum naturverträglichen Energieausbau

Berlin, 5. September 2019

Konferenz fordert Umdenken in der Forschung zum naturverträglichen Energieausbau

“Global thinking in the heart of Scotland” – unter diesem Motto fand vom 27. bis 30. August im schottischen Stirling die diesjährige Conference on Wind energy and Wildlife impacts (CWW 2019) statt. Etwa 360 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 25 Nationen kamen zusammen, darunter war auch das KNE.

Die Konferenzteilnehmer machten in diesem Jahr deutlich: In der Forschung zum naturverträglichen Windenergieausbau ist ein Umdenken erforderlich. Dies ergebe sich aus dem globalen Klimawandel und dem klimawandelbedingten Artensterben.

Eindringlich wurde gefordert, sich auf die drängendsten Fragestellungen eines naturverträglichen Windenergieausbaus zu fokussieren. Immer detailliertere Analysen von seit Langem bekannten Problemen seien nicht (mehr) hilfreich. Die Forschungsressourcen müssten zielgerichteter und möglichst ausschließlich lösungsorientiert eingesetzt werden. Es müsse mehr in den tatsächlichen Erhalt von Populationen investiert werden, statt in immer detailliertere Untersuchungen der Kollisionsraten mit vergleichsweise wenig aussagekräftigen Erkenntnissen.

Wichtiger denn je sei eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Akteuren, insbesondere Betroffene müssten stärker in die Planungs- und Entscheidungsprozesse einbezogen werden, um die nachlassende soziale Akzeptanz für Windenergieprojekte wieder zu verbessern.

Im Rahmen der mehrtägigen Fachveranstaltung befassten sich die internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Gutachtende, Nichtregierungsorganisationen sowie Vertreterinnen und Vertreter von nationalen Behörden und aus der Politik mit dem aktuellen Stand der Forschung auf dem Gebiet des naturverträglichen Ausbaus der Windenergie an Land und auf der See.

Es wurden neuste Fallstudien zur Bewertung und Vermeidung von Auswirkungen der Windenergienutzung auf einzelne Vogel-, Fledermaus- und Säugetierarten präsentiert. Es gab Beiträge zur Prognose von Auswirkungen auf Populationen sowie zu kumulativen Effekten. Ein weiterer Fokus lag auf neuen technischen Lösungen, die für die Standortbewertung oder auch für das betriebsbegleitende langfristige Monitoring an Windenergieanlagen eingesetzt werden können.

Die Fachbeiträge der Fachkonferenz werden veröffentlicht. Weitere Informationen und Konferenzmaterial finden Sie hier. Gerne können Sie sich auch mit uns in Verbindung setzen:
eva.schuster@naturschutz-energiewende.de

Im Whitelee Windpark produzieren 215 Windenergieanlagen genug Strom für rund 300.000 schottische Haushalte.

Das Wallace Monument ist das Wahrzeichen von Stirling. Hier fand die CWW2019 mit über 350 Teilnehmern statt.

Lückenloses Schlagopfermonitoring durch technische Systeme?

Berlin, 21. August 2019

Lückenloses Schlagopfermonitoring durch technische Systeme?

Das KNE arbeitet umfassend zu Detektionssystemen zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen. Im Zuge dessen aktualisiert das KNE momentan die KNE-Synopse zu technischen Erfassungssystemen und verfolgt Weiterentwicklungen und Ansätze rund um das Thema. Vor diesem Hintergrund stellten Vertreter einer in Polen ansässigen Entwicklungsfirma den aktuellen Entwicklungsstand des Systems B-Finder im KNE vor und diskutierten mit Dr. Elke Bruns und Holger Ohlenburg von den Fachinformationen über Möglichkeiten und Grenzen der Anwendung des Systems in Deutschland.

Das System „B-Finder“ ist darauf ausgerichtet, auftretende Kollisionsereignisse von Fledermäusen und Vögeln an Windenergieanlagen (WEA) zu identifizieren. Der seit gut 1,5 Jahren im Test befindliche Prototyp besteht aus 36 Infrarotkameras, die auf drei Ebenen am Turm der WEA installiert werden. Damit wird ein Erfassungsbereich von 360 Grad um die Anlage ermöglicht. Eine Kombination mit Taglichtkameras und weiteren Sensoren befindet sich noch in der Entwicklung.

Registrieren die Kameras ein sich vertikal durchs Bild bewegendes Objekt, entscheidet ein Software-Algorithmus (unter Berücksichtigung von Größe und Geschwindigkeit des Objektes), ob es sich um eine kollidierte Fledermaus oder einen kollidierten Vogel handeln könnte. Ein Gutachter sichtet das Videomaterial und veranlasst, dass das Kollisionsopfer identifiziert und geborgen wird. Mit Hilfe der Systemdaten und eines GPS-Gerätes kann die Suche zielgerichtet und zeitsparend durchgeführt werden, selbst bei dichter und höherer Vegetation. Das System könnte ein lückenloses Schlagopfer-Monitoring an WEA für Vögel ab einer Größe von 15 cm (Körper) und Fledermäuse ermöglichen. Über die Auswertung der Daten könnte die absolute Zahl an Kollisionsereignissen bestimmt werden. Eine Artdifferenzierung durch das System selbst ist nicht möglich – diese erfolgt im Rahmen der Kollisionsopfersuche.

Die Entwickler haben an einem Teststandort in Polen nach eigenen Aussagen bereits mehr als 800 Tests mit Kunststoffobjekten, die aus einer Drohne abgeworfen werden, vollzogen. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. Eine Validierung durch unabhängige Gutachter steht noch aus.

Mehr zum Thema:

Windenergieanlagen von Mylene auf Unsplash.

Vogelschutz an Windenergieanlagen – KNE-Fachkonferenz war ein voller Erfolg

Kassel, 16. Mai 2019

Vogelschutz an Windenergieanlagen – KNE-Fachkonferenz war ein voller Erfolg

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sind neue und verlässliche Lösungsansätze notwendig, um negative Auswirkungen auf kollisionsgefährdete Tierarten von vornherein zu vermeiden. Mehr als 200 Teilnehmer und Teilnehmerinnen diskutierten daher auf der zweitägigen KNE-Fachkonferenz „Vogelschutz an Windenergieanlagen“ über die Chancen und Möglichkeiten des Einsatzes von Detektionssystemen zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen durch eine bedarfsgerechte Betriebsregulierung.

Bei der Eröffnung zeigte sich Michael Krieger, Geschäftsführer des KNE, erfreut über das große Interesse der Akteure an der Fachkonferenz: „Das Echo auf unsere Konferenz ist beeindruckend. Die hohe Teilnehmerzahl aus den unterschiedlichsten Branchen und das positive Feedback zeigen, dass zu diesem Thema ein großer Informations- und Diskussionsbedarf besteht und es den Akteuren auf den Nägeln brennt.“

Die Beiträge zu laufenden Erprobungsvorhaben von Kamera- und Radarsystemen am ersten Konferenztag, informierten umfassend über die unterschiedlichen Verfahren, über Fortschritte und über neuste Erkenntnisse von Tests von Detektionssystemen, zum Beispiel im Rahmen eines Forschungsprojektes des Bundesamtes für Naturschutz auf einem Windenergietestfeld in der Schwäbischen Alb oder einer betriebsbegleitenden Untersuchung im Windpark Weißbach. Auch die persönlichen Einschätzungen der Teilnehmenden zur Thematik waren gefragt. Im Stationenparcours wurden unter anderem folgende Fragen gestellt: Sehen Sie mehr Chancen oder mehr Risiken beim Einsatz Technischer Systeme? In welchen konkreten Anwendungsfällen können Sie sich den Einsatz Technischer Systeme vorstellen?

Der zweite Konferenztag startete mit einem Vortrag von Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: „Der Klimawandel und seine Folgen tragen maßgeblich zum Artensterben bei. Windenergie ist damit nicht als Problemursache, sondern als Problemlöser zu bewerten. Wir brauchen mehr erneuerbare Energien, müssen aber auch ihre Risiken für bestimmte Tiere berücksichtigen und Lösungen für ein Miteinander von Artenschutz und klimafreundlicher Energieerzeugung finden. Deshalb prüft das Land Hessen umfassend die Gebiete, die für Windenergieanalgen in Frage kommen. Auch technischer Möglichkeiten können helfen, negative Auswirkungen von Windenergieanlagen zu minimieren“, sagte die Staatssekretärin. Beim anschließenden Ausstellerrundgang mit Dr. Torsten Raynal-Ehrke, Direktor des KNE, verschaffte sie sich einen Überblick über die unterschiedlichen Systeme und deren Einsatzmöglichkeiten.

Dr. Torsten Raynal-Ehrke erklärte beim Rundgang: “Die Fachkonferenz bestätigt, was wir als KNE in unserer täglichen Arbeit erleben. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss naturverträglich gestaltet werden, das ist bei allen Beteiligten Konsens. Insbesondere der verstärkte Ausbau der Windenergie stellt uns hier vor große Herausforderungen. Zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergienanlagen könnten Detektionssysteme eine wirksame Unterstützung sein, aber es gibt noch großen Informations- und Forschungsbedarf. Das KNE steht allen Akteuren mit Informationen zum Stand der Technik und zum methodischen Vorgehen bei Erprobungen zur Verfügung. Als neutraler Ansprechpartner unterstützen wir zudem die Klärung von Konflikten direkt vor Ort. Dabei arbeiten wir eng und auf Augenhöhe mit den Akteuren, wie etwa mit der Hessenagentur, zusammen.“

„Von der automatisierten Erkennung und bedarfsgerechten Regulierung erhoffen sich unsere Beratungsfälle, dass einzelne artenschutzrechtliche Konflikte dadurch wirkungsvoll gemindert werden können. Entsprechend wichtig ist es, bei den anstehenden Erprobungen genau hinzuschauen,“ erklärt Dr. Elke Bruns, Leiterin der Fachinformationen im KNE.

Die Konferenz hat gezeigt, dass die Systemhersteller im Bereich der Vogelerkennung auf gutem Weg sind. Nun gilt es, diese Geräte an weiteren Standorten zu erproben. Für das KNE ist es wichtig, neben den Einsatzmöglichkeiten und Potenzialen auch die Grenzen des Systemeinsatzes auszuloten.

„Wir hoffen auf weitere, möglichst vielfältige Erprobungsfälle, mit denen die im NatForWINSENT gewonnenen Daten ergänzt werden können. Eine nächste Fachkonferenz könnte sich damit befassen, welche Erkenntnisse bis dahin über die „Reaktion“ der Anlage – also die bedarfsgerechte Betriebsregulierung – vorliegen,“ so Bruns weiter.

Noch einmal deutlich wurde der aktuelle Diskussionsbedarf in der abschließenden Podiumsrunde. Vertreterinnen der Politik, der Wirtschaft, der behördlichen Praxis und des Naturschutzes, erörterten den Bedarf nach weitergehenden technischen Vermeidungslösungen und potenzielle Anwendungsfelder. Trotz der unterschiedlichen Blickwinkel und Anliegen war man sich darüber einig, dass Naturschutz und Energiewende möglich sind, wenn die Anstrengungen aller gebündelt werden. Das KNE wird diese Thematik weiter begleiten und steht allen Akteuren für Anfragen zur Verfügung.

  • Alle Informationen zur KNE-Fachkonferenz hier auf unserer Internetseite. 
    In Kürze werden auch die Vorträge der Referentinnen und Referenten zur Verfügung stehen.

Zum Thema:

Für Nachfragen und Interviews stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung. Fotos: Tanja M. Marotzke.

Kontakt:
Anke Ortmann,
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T.: 030 7673738-12.