23.07.2026

Wie ist ein gerechter Klimaschutz möglich?

Just Transition: Globale Studie zu den Auswirkungen von Klimapolitik auf 88 Länder

Wie kann der Kampf gegen die Erderwärmung global gerecht angegangen werden? Um diese Frage zu beantworten, ist es auch wichtig zu wissen, inwiefern sich Klimapolitik weltweit auswirkt. Dafür hat das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Umfragen von 1,7 Millionen repräsentativ ausgewählten Haushalten in 88 Ländern ausgewertet.

Wie kochen Menschen in Burkina Faso? Wie heizt man in Patagonien? Und wie viel Kraftstoff verbraucht ein Haushalt in Myanmar? Die vom PIK ausgewerteten Daten bilden ab, worin die Unterschiede im Ressourcenverbrauch von fünf Milliarden Menschen in den unterschiedlichen Ländern liegen. Die Daten zeigen, wie viel CO₂ einzelnen Ausgabenposten wie Sprit und Heizöl zugeordnet werden kann und geben dadurch auch Einblicke in die Ergebnisse von Klimaschutzmaßnahmen.

Zur Motivation für die Publikation sagt Leonard Missbach, PIK-Forscher und Leitautor der Studie: „Die Unsicherheit bezüglich der sozialen Folgen von Klimapolitik ist für viele Regierungen rund um den Globus ein Problem.“ Eine Erkenntnis der Auswertung sei dahingehend hilfreich: In allen 88 betrachteten Ländern fällt der Belastungsunterschied zwischen Arm und Reich, auf den die Politik bislang beim sozialen Ausbalancieren vor allem schaut, deutlich geringer aus als der Unterschied innerhalb der einzelnen Einkommensgruppen. Das heißt, dass sich innerhalb einer sozialen Schicht die Wahrnehmung der Menschen von gerechter Klimapolitik und der Zugang zu Information zu Klimathemen mehr unterscheidet, als zwischen den Schichten.

Weitere interessante Ergebnisse sind, dass ähnliche Klimamaßnahmen unterschiedliche Auswirkungen in verschiedenen Ländern haben und dass beispielsweise Informationen zum Energieverbrauch, zum Besitz von Fahrzeugen und Haushaltsgeräten, zum Wohnort oder soziodemografische Merkmale bei der Anwendung von Klimapolitik relevant sind.

Ähnlichkeit zwischen Ländern soll zum Erfahrungsaustausch beitragen

Ein Ziel der Auswertung ist auch, den internationalen Austausch zwischen Ländern mit ähnlichen Ergebnissen anzuregen und mittels der Daten zu erleichtern. Dafür hat das Team Cluster von Ländern gebildet, in denen die Ergebnisse ähnlich ausfallen. Jan Steckel, PIK-Forscher und Co-Autor der Studie, betont allerdings auch: „Wir geben bewusst keine Empfehlung für konkrete Politik in einzelnen Ländern.“

Anhand des Datensatzes hat das PIK gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) auch ein Onlinetool – CPIC – entwickelt, mit dem Interessierte die Verteilung der Auswirkung von Klimapolitik und sozialen Ausgleichsmaßnahmen auf alle 88 Länder ermitteln können und somit auch für das eigene Land Zugang zu den Daten erhalten. CPIC ist online unter Carbon Pricing Incidence Calculator abrufbar.

Link zur Studie 

Quelle: Missbach, L., Steckel, J., (2026): The heterogeneous effects of climate policy on households: Evidence from 88 countries. – Journal of Environmental Economics and Management (JEEM). 20 S.