18.11.2025

Bienenfresser profitiert, Rebhuhn und Kiebitz verlieren drastisch

DDA, BfN, LAG VSW (Hrsg.) (2025): Vögel in Deutschland – Bestandssituation

Wie geht es den Vögeln in Deutschland? Darüber informiert der Bericht „Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025“, der insgesamt 429 in Deutschland brütende und rastende Vogelarten in den Blick nimmt. Während die Bestände wärmeliebender Arten zunehmen, leiden vor allem Arten, die landwirtschaftliche Flächen zum Brüten nutzen.

Eines gleich vorweg: Diesen Bericht würde es ohne den Einsatz der vielen Freiwilligen nicht geben. Rund 7.000 Ehrenamtliche haben sich an den Programmen des bundesweiten Vogelmonitorings beteiligt, 50.000 weitere Menschen haben mehr als zehn Millionen Vogelbeobachtungen über die Online-Plattform ornitho.de beigesteuert. Daten aus Fachbehörden vervollständigten schließlich das Gesamtbild. All diese zusammengetragenen Beobachtungen und Daten bilden die Grundlage des Berichts „Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025“. Die gemeinsame Publikation des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG VSW) und des Dachverbands Deutscher Avifaunisten (DDA) erscheint alle sechs Jahre und ist ein eindrückliches Zeugnis der Biodiversitätskrise in Deutschland. Zugleich unterstreicht er aber auch, dass gezielte Schutzmaßnahmen positiv wirken.

Die aktuellen Angaben über Bestände und Trends von Brut- und Rastvögeln in Deutschland zeigen, dass vor allem Arten der Agrarlandschaft zu den größten Verlierern der letzten 24 Jahre zählen: Die Bestände vieler typischer Grünlandarten – darunter Kiebitz, Rebhuhn oder Wachtelkönig – sind zum Teil drastisch eingebrochen. Rebhuhn und Bekassine verlieren jeweils 66 Prozent des Bestands, der Kiebitz 65 Prozent und der Wachtelkönig 61 Prozent. Viele wärmeliebende Arten sind dagegen immer häufiger anzutreffen: Bienenfresser, Wiedehopf oder Purpurreiher breiten sich weiter nach Norden aus und gehören zu den Arten mit den deutlichsten Zuwächsen der vergangenen 24 Jahre.

Sechs Arten ausgestorben

Besonders betroffen machen auch die folgenden Zahlen: Zwischen 2017 und 2025 sind in Deutschland sechs Brutvogelarten für „ausgestorben“ erklärt worden, darunter mit Ohrentaucher, Goldregenpfeifer, Raubseeschwalbe, Seggenrohrsänger und Zwergmöwe fünf Arten des Anhangs I der EU-Vogelschutzrichtlinie, für deren Schutz besondere Maßnahmen ergriffen und Europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Auch der Rotkopfwürger ist – trotz umfassender Schutzmaßnahmen – verschwunden.
Der Bericht stellt aber auch Arten vor, die als Brutvogelarten neu hinzugekommen sind: Zwergohreule und Seidensänger haben sich bereits etabliert, während der Mariskenrohrsänger noch nicht ganz angekommen ist, zumindest aber schon regelmäßig brütet . Acht weitere Arten haben seit 2017 erstmals in Deutschland gebrütet, darunter Zwergscharbe, Gleitaar, Brillengrasmücke und Kappenammer.

Artenhilfsprogramme wirken

Neben den beunruhigenden Entwicklungen gibt es aber auch Grund zur Hoffnung: Großtrappe, Uhu, Kranich oder Seeadler profitieren von der Ausweisung von Schutzgebieten, weniger Verfolgung und dem Verbot bestimmter Umweltgifte. Ihr Aufwärtstrend zeigt, wie wirksam gut geplante Artenhilfsprogramme sein können. Eine Vogelart, die dabei besonders im Fokus steht, ist die Wiesenweihe, die mit etwa 500 Revierpaaren in Deutschland vorkommt und häufig auf landwirtschaftlichen Flächen brütet. Dank aufwendiger Schutzmaßnahmen – etwa 50 bis 75 Prozent der Nester werden eingezäunt – hat sich der Bestand in den vergangenen Jahren vorsichtig stabilisiert.

Doch trotz des intensiven Nestschutzes flacht der positive Bestandstrend ab. Der Ausbau der erneuerbaren Energien bedeutet für die kollisionsgefährdete Art zusätzliche Risiken und Lebensraumverlust. Das Gefährdungspotenzial für die Art steigt damit in Zukunft besonders außerhalb von Schutzgebieten weiter an. Um die Wiesenweihe auch in Zukunft gut zu schützen, sollte ihre Nahrungssituation verbessert werden, heißt es im Bericht. Dazu sollten Schutzgebiete entsprechend ausgestattet und unterhalten und Landschaften durch Fördermaßnahmen gezielt aufgewertet werden.

Insgesamt bieten die Daten des Berichts eine wichtige Grundlage für wirksame Naturschutzinstrumente. Aus den Trends und Analysen lassen sich zielgerichtete Schutzmaßnahmen für Vögel ableiten – und sollten nun auch umgesetzt werden.

Link zum Bericht

Quelle: Gerlach, B., R. Dröschmeister, T. Langgemach, K. Berlin, K. Borkenhagen, M. Busch, S. Davids, V. Dierschke, M. Hauswirth, T. Heinicke, F. Kunz, C. König, K. Koffijberg, K. Lindner, N. Markones, A. Morkovin, C. Pertl, S. Trautmann, J. Wahl, W. Züghart & C. Sudfeldt (2025): Vögel in Deutschland – Bestandssituation 2025. DDA, BfN, LAG VSW, Münster. 90 S.