Frage
Wie groß ist der Umfang der in Deutschland für Windenergieanlagen im Wald gerodeten Fläche und steigt der Flächenbedarf nicht angesichts immer größerer und leistungsfähigerer Anlagen ebenso deutlich an? Kann die Windenergie an Land über Ersatzpflanzungen für gerodete Flächen einen substanziellen Beitrag zum Waldumbau im Sinne eines an den Klimawandel angepassten Waldes leisten?
Vollständige Antwort
Umfang der Waldinanspruchnahme durch die Windenergie
Zum Gesamtumfang bislang gerodeter Flächen für Windenergieanlagen (WEA) in Deutschland gibt es keine exakten Zahlen, da diese nicht systematisch erhoben und ausgewertet werden. Es gibt jedoch Durchschnittswerte der FA Wind und Solar für den Umfang dauerhaft und die temporär in Anspruch genommene Waldflächen durch WEA-Vorhaben. Diese wurden aus Angaben von Anlagenbetreibern und Projektierern, Landesforstbehörden, aus Unterlagen im UVP-Portal der Länder sowie aus Genehmigungsbescheiden zu insgesamt 1.662 erfassten WEA im Zeitraum seit 2011 ermittelt FA Wind und Solar (2025, S. 14).
Danach werden während der Bauphase einer WEA durchschnittlich 0,57 Hektar Wald für Transport-, Arbeits- und Montagetätigkeiten temporär in Anspruch genommen. Die Waldflächen können im Anschluss an die Bauphase wieder aufgeforstet werden. Durchschnittlich 0,51 Hektar Waldfläche werden pro Anlage zusätzlich dauerhaft in Anspruch genommen (ebd., S. 15). Diese Flächen umfassen das Fundament, die Kranstellfläche sowie die Neuanlage oder ggf. Verbreiterung bestehender Zuwegungen inklusive Überschwenkbereiche in Kurven und ggf. zu schaffende Böschungen und Bankette. Diese Flächen müssen dauerhaft während der gesamten Betriebszeit baumfrei bleiben (vgl. ebd., S. 14).
Zusammengenommen beträgt die Waldinanspruchnahme pro WEA also durchschnittlich 1,08 Hektar.[1] Anhand der Gesamtzahl von Ende 2024 2.533 auf Waldstandorten betriebenen WEA (ebd., S. 19) ergibt sich hochgerechnet eine Gesamtfläche von 2.736 Hektar, rund 1.292 Hektar davon durch eine dauerhafte Waldumwandlung. Bei 11,5 Millionen Hektar Gesamtwaldfläche Deutschlands (BMEL 2024, S. 6) entspricht die dauerhafte Waldinanspruchnahme einem Anteil von lediglich 0,01 Prozent.
Im Zusammenhang mit WEA-Vorhaben temporär beanspruchte Waldflächen werden in der Regel nach Abschluss der Errichtungsarbeiten gemäß den Vorgaben der Landeswaldgesetze wieder aufgeforstet. Dauerhaft beanspruchte Waldumwandlungsflächen sind in Form von Erstaufforstungen wertgleich zu kompensieren (FA Wind und Solar 2025, S. 13). In waldreichen Bundesländern kann die dauerhafte Waldinanspruchnahme zum Teil auch durch ökologische Waldumbaumaßnahmen oder Waldrandgestaltungen ausgeglichen werden (ebd., S. 13).[2]
Größtenteils handelt es sich bei der Waldinanspruchnahme durch die Windenergievorhaben also weder um einen formalen noch einen realen Nettoverlust an Waldfläche. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass WEA und deren Zuwegung zum Teil auf nicht bestockten Waldflächen bzw. auch auf Kalamitätsflächen realisiert werden, die aufgrund des Schädlingsbefalls bereits gerodet wurden bzw. zu roden sind.
Die Gesamtwaldfläche Deutschlands ist übrigens zwischen 2008 und 2022 nahezu konstant geblieben (Statista 2025, online). Laut Angaben des BMEL nahm die Waldfläche Deutschlands zwischen den Bundeswaldinventuren 2012 und 2022 um 15.000 Hektar zu (BMEL 2024, S. 6). Das Umweltbundesamt gibt für den Zeitraum zwischen 2016 und 2022 eine Zunahme der Waldfläche von 62.400 Hektar an (UBA 2025, online).
Anlagen- und standortbedingte Unterschiede bei der Waldinanspruchnahme sowie aktuelle Entwicklungstrends
Abgesehen von den oben genannten Durchschnittswerten gibt es vorhabensbezogen naturgemäß größere Schwankungen beider Waldinanpsruchnahme. Die Spanne liegt bei der dauerhaft baumfrei zu haltenden Fläche zwischen 0,04 und 1,59 Hektar, bei der temporär in Anspruch genommenen Fläche zwischen 0 und 1,95 Hektar pro Anlage (FA Wind und Solar 2025, S. 15).
Zu ähnlich großen Schwankungen kamen bereits Reichenbach et al. (2015). Die Analyse von Landschaftspflegerische Begleitplänen ergab, dass sich die in Anspruch genommene Fläche pro Anlage erhöhte, wenn Lagerflächen sowie standortbedingt lange Zuwegungen innerhalb von Waldflächen lagen oder nur in begrenztem Umfang bereits vorhandene Wege genutzt werden konnten. Umgekehrt verhält sich dies, wenn vorhandene Wege genutzt werden konnten bzw. Lagerflächen und Zuwegung in Offenlandflächen lagen und nur der Anlagenstandort selbst im Wald bzw. am Waldrand. Mit dem Trend hin zu größeren Anlagendimensionen (Turmhöhe, Rotorblattlänge und Leistung) stellten die Autorinnen und Autoren auch einen Trend zu steigenden Rodungsflächen fest. Bezogen auf die Leistung der WEA (Rodungsfläche pro Megawatt Nennleistung) war dieser Effekt jedoch moderat (ebd., S. 199 f.)
Dass sich der Trend zu wachsenden Anlagengrößen – und damit einhergehend auch Anlagenleistungen – und damit tendenziell auch zu einer steigenden Waldinanspruchnahme fortsetzt, zeigen auch die Auswertungen der FA Wind und Solar (FA Wind und Solar 2025, S. 16 ff.). Maßgeblichen Einfluss hat dabei die Größe der Anlagen und damit der Anlagenteile. Längere Rotorblätter und Turmsegmente führen insbesondere zu einer Steigerung der temporären Flächeninanspruchnahme bei der Errichtung. Für moderne Anlagen mit Rotordurchmessern über 160 Metern gibt die FA Wind und Solar einen mittleren Wert von 1,43 Hektar Waldinanspruchnahme pro WEA an, wobei der Anteil der temporären Waldinanspruchnahme mit rund 0,8 bzw. knapp einem Hektar deutlich überwiegt (ebd., S. 17). Die dauerhafte Waldinanspruchnahme ist bei diesen Anlagen dagegen nur unwesentlich höher als bei Anlagen mit deutlich kleineren Rotordurchmessern (ebd.). Bezogen auf erteilte Anlagengenehmigungen nach Jahren liegt der Wert dafür seit 2015 nahezu unverändert, zwischen im Mittel 0,54 ha bis 0,56 ha (ebd., S. 18).
Beitrag der Windenergie zur Schaffung klimaresilienter Wälder
Zum Beitrag der Windenergie an Land zum Waldumbau im Sinne eines klimaresilienten – also an den Klimawandel angepassten – Waldes sind dem KNE keine Studien bekannt. Reichenbach et al. (2015) ermittelten, dass bei der Aufforstung temporär in Anspruch genommener Waldflächen und bei der Schaffung und Weiterentwicklung von Wald- und Waldrandflächen im Zuge der waldrechtlichen und der naturschutzrechtlichen Eingriffskompensation in den meisten Fällen Gehölze der Laub- und Laubmischwälder sowie der Waldsäume verwendet werden (Reichenbach et al. 2015, S. 179 ff.). Diese dürften in vielen Fällen klimaresilienter sein als die in Anspruch genommenen Waldflächen, insbesondere, wenn sie (Nadelbaum-)Monokulturen ersetzen.
Die jährlichen Pachteinnahmen für die von WEA-Betreibern genutzten Waldflächen können (und sollten) von den Waldeigentümerinnen und -eigentümern zusätzlich für den klimawandelgerechten Waldumbau genutzt werden (vgl. BWE 2021, S. 21 und 25).
Der Waldumbau hin zu klimaresilienten Wäldern ist eine sehr große wald- und forstwirtschaftliche Gesamtaufgabe. Windenergievorhaben können lokal einen klimawandelgerechten Waldumbau unterstützen, wenn temporär genutzte Flächen mit klimaresilienteren Baumarten(zusammensetzungen) wieder aufwachsen können und Ersatzpflanzungen nach Waldrecht entsprechend erfolgen. Vor dem Hintergrund der oben dargestellten sehr begrenzten Flächenumfänge für Wiederaufforstungen und die waldrechtliche Kompensation sowie der sehr geringen Flächenanteile insgesamt, dürfte der Beitrag der Windenergie zum bundesweit erforderlichen Waldumbau insgesamt eher gering sein.
[1] In der Genehmigungspraxis wird die Zuwegung nur teilweise mit den Anlagen zusammen beantragt, zum Teil ist sie Gegenstand separater Genehmigungsverfahren. Dies könnte dazu führen, dass in den Durchschnittszahlen die Zuwegungsflächen nicht vollständig abgebildet sind.
[2] In einigen Bundesländern ist auch ein finanzieller Ausgleich durch Zahlung einer zweckgebundenen Walderhaltungsabgabe möglich, wenn zum Beispiel Ersatzaufforstungen mangels geeigneter Flächen nicht möglich sind (Land Brandenburg, online).
Quellen
BMEL – Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (2024): Der Wald in Deutschland – Bundeswaldinventur 2024. Bonn. 60 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 28.03.2025).
BWE − Bundesverband WindEnergie (2021): Windenergie im Forst. Wie Windenergie einen Beitrag zum Waldschutz leistet. Berlin. 25 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 28.03.2025).
FA Wind und Solar – Fachagentur Wind und Solar (2025): Entwicklung der Windenergienutzung auf Forstflächen – Ausbau, planerische Vorgaben und Empfehlungen für Anlagenstandorte in den Ländern. 10. Auflage. Berlin. 52 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 28.03.2025).
Reichenbach, M., Brinkmann, R., Kohnen, A., Köppel, J., Menke, K., Ohlenburg, H., Reers, H., Steinborn, H., Warnke, M. (2015): Bau- und Betriebsmonitoring von Windenergieanlagen im Wald. Abschlussbericht vom 30.11.2015. Oldenburg. 351 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 28.03.2025).