Frage
Gibt es fachlich anerkannte bzw. wirksame Alternativen zur Abschaltung von Windenergieanlagen, um kollisionsgefährdete Brutvogelarten und Fledermäuse zu schützen?
Vollständige Antwort
Als Alternative zu den verschiedenen Formen von Abschaltmaßnahmen (phänologische Abschaltung[1], Einsatz von Antikollisionssystemen[2], Abschaltung bei landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsereignissen[3] sowie in einigen Ländern auch Abschaltungen in Abhängigkeit von der Windgeschwindigkeit) kommt zum Schutz von kollisionsgefährdeten Brutvogelarten nach Bundesnaturschutzgesetz (vgl. Anlage 1 Abschnitt 2 BNatSchG) nur die Anlage attraktiver Ausweichnahrungshabitate als fachlich anerkannte Schutzmaßnahme in Frage.
Dazu werden entsprechende Habitate auf abseits von WEA-Standorten gelegenen Flächen geschaffen, die dazu führen sollen, dass die betreffenden Brutpaare der Zielarten zu den entsprechend gestalteten bzw. bewirtschafteten Flächen gelockt werden. Die Maßnahme gilt dem Gesetz nach als wirksam für Rotmilan, Schwarzmilan, Weißstorch, Baumfalke, Fischadler, Schreiadler, Weihen, Uhu, Sumpfohreule und Wespenbussard. Die Umsetzung erfolgt in der Regel ergänzend zu einer unattraktiven Gestaltung der Fläche um den Mastfuß der WEA, die für sich allein nach Anlage 1 Abschnitt 2 BNatSchG nicht als hinreichend wirksame Maßnahme gilt.
Für Rot- und Schwarzmilan ergaben jüngere Fallstudien von Mammen et al. (2023) allerdings, dass die Lenkungswirkung aus fachlicher Sicht nicht zwangsläufig eine hinreichende Wirksamkeit zur Senkung des Kollisionsrisikos ableiten lässt (BfN 2024, S. 3).
Zum Schutz von Fledermäusen vor Kollisionen kommen in Deutschland bislang ausschließlich Abschaltzeiten. Diese können pauschal für bestimmte Witterungsbedingungen (Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit sowie ggf. ergänzend Niederschlagsaufkommen auf Gondelhöhe der WEA) angewendet werden. Über ein in der Regel zweijähriges Gondelmonitoring der Fledermausaktivität können mit dem Software-Tool „ProBat“ standortangepasste Abschaltalgorithmen (d. h. zeitlich differenzierte Ein- bzw. Abschaltwindgeschwindigkeiten) berechnet werden, mit denen sich zudem konkrete Schlagopferschwellen einhalten lassen (vgl. KNE 2025).
Anders als zum Beispiel in den USA werden in Deutschlag bisher keine Vergrämungsmaßnahmen ergriffen, um Vogel- und Fledermausarten vor Kollisionen an Windenergieanlagen zu schützen. Die Technologien (akustische Warnsignale bei Vögeln oder Ultraschall bzw. optische Vergrämungsstrategien werden als nicht ausreichend wirksam angesehen (vgl. KNE 2018) und haben sich daher bislang nicht durchgesetzt. Mit einer Vergrämung wären unter Umständen unerwünschte Stör- und Verdrängungswirkungen verbunden, die sich nachteilig auswirken könnten.
[1] Siehe KNE (2025a).
[3] Siehe KNE (2025b und 2025c)
Quellen
BfN – Bundesamt für Naturschutz (2024): Vermeiden oder Lenken: Raumnutzungsverhalten von Milanen in der Nähe von Windparks. PraxisINFO 9. Bonn. 4 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 22.01.2026).
KNE − Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (2025a): Anfrage Nr. 369 zu Zeiträumen phänologischer Abschaltungen von Windenergieanlagen für kollisionsgefährdete Brutvogelarten. Aktualisierte Antwort vom 22.04.2025. 12 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 22.01.2026).
KNE − Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (2025b): Die Abschaltung von Windenergieanlagen bei Bewirtschaftungsereignissen – Fragen der Umsetzung der Schutzmaßnahme. 19 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 22.01.2026).
KNE − Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (2025c): Detektion von Bewirtschaftungsereignissen an Windenergieanlagen. 22 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 22.01.2026).
KNE (2025): Anfrage Nr. 140 zu Vorgaben zu Parametern für pauschale Abschaltungen zum Fledermausschutz in den Ländern. Aktualisierte Antwort vom 31.03.2025. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 22.01.2026).
KNE (2018): Anfrage Nr. 141 zu Kollisionsvermeidung und Vergrämung an WEA. Antwort vom 26. April 2018. Link zur Internetseite (letzter Zugriff: 22.01.2026).
Mammen, U., Böhm, N., Mammen, K., Uhl, R., Arbeiter, S., Nagl, D., Resetaritz, A., Lüttmann, J. (2023): BfN-Schrift „Prüfung der Wirksamkeit von Vermeidungsmaßnahmen zur Reduzierung des Tötungsrisikos von Milanen bei Windkraftanlagen“. BfN-Schriften 669. BfN – Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.), Bonn. 241 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 22.01.2026).