181 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende 181 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Information

Veröffentlicht
6.11.2018
Schlagworte
  • Bestandsentwicklung
  • Rotmilan
  • Vögel
  • Windenergie

Frage

Welche Artenschutz- und Artenhilfsprogramme bzw. entsprechende Konzepte oder Projekte gibt es für windenergie-sensible Vogelarten in den Ländern?  

!Antwort

Übersicht zu Artenschutz- und Artenhilfsprogrammen, -projekten und -konzepten für windenergiesensible Vogelarten in den Ländern

In mehreren Ländern gibt es Bemühungen, die Bestandsentwicklung bestimmter Vogelarten zu unterstützen bzw. die fachlichen Grundlagen dafür bereit zu stellen. Gründe für die Bemühungen sind meist konkrete Gefährdungsgrade bzw. Bestandsrückgänge oder Rückgänge der räumlichen Verbreitung von Arten oder ganzen Artengruppen. Zum Teil ist dies gepaart mit Verantwortlichkeiten für den Schutz von Arten aufgrund regionaler Verbreitungsschwerpunkte. Unter die zu fördernden Arten fallen auch einige, die als „windenergiesensibel“ gelten, darunter verschiedene Greifvogelarten, Schwarz- und Weißstorch sowie ausgewählte Wiesen- und Bodenbrüter.

Durch eine Abfrage bei den Vogelschutzwarten bzw. den für den Vogelschutz zuständigen Fachbehörden der Länder haben wir Artenhilfs- bzw. Artenschutzprogramme und -projekte sowie entsprechende Konzepte für allgemein bzw. landesspezifisch als windenergiesensibel geltende Vogelarten auf Landesebene recherchiert. Teilweise wurden die Rückmeldungen durch eine Internetrecherche ergänzt. Eine Ergebnis-Übersicht bietet die untenstehende Tabelle. Hierin finden sich vereinzelt auch regional oder lokal angesiedelte Initiativen, Projekte und Konzepte, wenn im Rahmen der Abfrage darauf hingewiesen wurde. Die Übersicht erhebt in dieser Hinsicht keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es ist davon auszugehen, dass es weitere Initiativen und Projekte zum Schutz und zur Unterstützung windenergiesensibler Vogelarten durch regionale oder örtliche Verbände und Vereine der Landschaftspflege, des Natur- bzw. Vogelschutzes gibt. Diesbezüglich wären jedoch weitere Recherchen erforderlich.

Die überschlägige Auswertung der Rechercheergebnisse ergibt ein heterogenes Bild. So gibt es Länder, in denen entsprechende Programme, Projekte oder Konzepte für mehrere Arten oder Artengruppen existieren und solche, in denen keine ermittelt werden konnten.

In einigen Fällen finden sich Gutachten mit umfangreichen Zusammenstellungen fachlicher Grundlagen in Form von Text und Karte, in anderen Fällen eine Internetseite mit unterschiedlich detaillierten Informationen oder lediglich ein zusammenfassendes Faltblatt. Letzteres bedeutet jedoch nicht, dass den knapper präsentierten Inhalten nicht ebenfalls umfangreiche fachliche Informationen und Dokumente zu Grunde liegen können.

Grundlage der Programme, Projekte und Konzepte ist in den meisten Fällen eine Ermittlung des Bestands und des Bruterfolgs – auch über längere Zeiträume hinweg – sowie von artspezifischen Habitatansprüchen und z. T. Gefährdungsfaktoren. Darauf basierend werden unterstützende Maßnahmenvorschläge abgeleitet.

Die Maßnahmenumsetzung erfolgt dann entweder über mehrjährige landes- bzw. bundesseitig bereitgestellte Mittel, durch längerfristige ehrenamtliche Tätigkeiten oder soll in Form von Einzelprojekten erfolgen. Teilweise werden auch der Maßnahmenerfolg bzw. die Bestandsentwicklung durch ein begleitendes Monitoring überwacht.

Auch wenn bei „Konzepten“ in der Regel keine Finanzierung der Maßnahmenumsetzung erfolgt und die Begriffe „Programm“ und „Projekt“ eine solche Finanzierung suggerieren, zeigt sich, dass die reine Betitelung diesbezüglich keine verlässlichen Rückschlüsse zulässt. So soll beispielsweise die Umsetzung des Arthilfsprogramms Rotmilan aus Sachsen-Anhalt (Mammen et al. 2014) in „Projekten“ erfolgen. Allein aus dem Vorliegen eines Artenhilfsprogramms oder eines entsprechenden Gutachtens kann also nicht geschlossen werden, in welchem Umfang eine Maßnahmenum­setzung erfolgt und auf welche Zeiträume diese ausgelegt ist. Um derartige Informationen, aber auch um weitere Detailinformationen zu erhalten, sind vertiefende Recherchen erforderlich.

Unterschiede gibt es auch bei der Adressierung der jeweiligen artspezifischen Gefährdungsfaktoren. Die Windenergie – als einer von mehreren Gefährdungsfaktoren – wird in manchen Dokumenten ausführlich angesprochen und ergänzend Maßnahmen zur Verringerung von Gefährdungen formuliert (beispielsweise in Mammen et al. 2014, S. 97ff.). In anderen Dokumenten wird auf die Windenergie kaum oder gar nicht eingegangen. Dies mag zu einem Teil damit zusammenhängen, dass der inhaltliche Fokus in der Darstellung stärker auf die Aspekte der Bestandsentwicklung und Maßnahmen zu deren positiven Beeinflussung gelegt wird und weniger auf eine tiefere Analyse einzelner Gefährdungsursachen. Es hängt zum Teil aber auch daran, dass zum Zeitpunkt der Erarbeitung mancher Programme, Projekte oder Konzepte die Windenergienutzung lediglich eine untergeordnete Rolle gespielt hat.

Auf Bundesebene existiert seit 2013 das Teilprojekt „Rotmilan“ des Bundesprogramms „Land zum Leben“. Hier wird der Rotmilan in neun Projektregionen in aktuell noch sieben Bundesländern gefördert (siehe Tabelle) (Deutsche Wildtierstiftung 2016). In diesem Zusammenhang wurden z. T. ebenfalls entsprechende Schutz- und Entwicklungskonzepte erarbeitet. Fachlich koordiniert wird das Projekt vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL). Partner sind die Deutsche Wildtierstiftung (Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation nach außen) und der Deutsche Dachverband der Avifaunisten (DDA). Letzterer untersucht die Wirksamkeit der angewandten Maßnahmen und bewertet ihre Eignung zur Bestandssicherung. Das Projekt/Programm läuft voraussichtlich noch bis 2019.

 

LandArtenhilfsprogramme, -projekte bzw. -konzepteLinkAnsprechpartner
BundTeilprojekt „Rotmilan“ des Bundesprogramms „Land zum Leben“ mit neun Projektregionen in BB, NI, NW, MV, SH, SN sowie TH (ST bis 2014).LinkDeutscher Verband für Landschaftspflege (Koordination)
BBKeine, jedoch:
  • AG Wiesenweihenschutz (u. a. Brutplatzsicherung),
  • Horstbetreuer und Horstschutzmaßnahmen für u. a. Adlerarten, Schwarzstorch und Uhu.[1]
 VSW Brandenburg
BEKeine  
HBKeine  
BYArtenhilfsprojekte für:
  • Weißstorch,
  • Uhu,
  • Wiesenweihe (Broschüre publiziert),
  • Wanderfalke,
  • Wiesenbrüterarten und
  • (Steinadler).
Zudem: Rotmilan-Projekt Rhön.[2]
Link 
BW

Aktionsplan Auerhuhn

Zudem:

  • Wiesenweihe (Nestschutzmaßnahmen und VSG-Ausweisung RP Stuttgart und UNBs),
  • WEA-sensible Großvogelarten: Erarbeitung von Praxishilfen zu Ansprüchen und Schutzmaßnahmen für Waldbewirtschafter durch die Forstverwaltungen,
  • Alt- und Totholzkonzept (schützt Großhöhlen- oder Horstbäume unmittelbar).

Link

 

 

 

 

 

Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

 

 

 

 

 

HHKeine  
HEArtenhilfskonzepte für:
  • Kiebitz,
  • Rohrweihe,
  • Rotmilan (zudem Rotmilan-Projekt Rhön[2]) und
  • Schwarzstorch.
LinkStaatliche Vogelschutzwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland
MVKeine.  
NIArtenhilfsprogramm Wiesenweihe.[3]LinkStaatliche Vogelschutzwarte Niedersachsen
NW

Keine, jedoch:

Seit 1993 eine Stelle bei der AG Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest für den Schutz von Rohr- und Wiesenweihe.

LinkAG Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest
RP

Keine

  
SLKeine  
SN

Artenschutzprogramm Weißstorch.

Bodenbrüterprojekt (u.a. Kiebitz, Feldlerche).

Link

Link

Sächsisches LULG

Förderverein Sächsische Vogelschutzwarte Neschwitz e.V.

SH

Artenschutzprojekt Seeadler.

Artenschutzprojekt Schwarzstorch.

Artenschutzprogramm Uhu.

Artenschutzprojekt Wiesenweihe.

Link

Link

Link

Link

Projektgruppe Seeadlerschutz

AK Schwarzstorchschutz

Landesverband Eulen-Schutz in Schleswig-Holstein e.V.

Wildtierkataster Schleswig-Holstein

STArtenhilfsprogramm Rotmilan (Mammen et al. 2014).Link 
TH

Keine, jedoch:

  • Rotmilan-Projekt Rhön.[2]
  

 

[1] Für Schwarzstorch und Schreiadler, vereinzelt auch für den Rotmilan, werden zunehmend Horste durch Waschbär-Übersteigschutz geschützt.

[2] Gefördert durch das Bundesprogramm Biologische Vielfalt, werden im Rotmilan-Projekt Rhön von 2014 bis 2020 vielfältige Maßnahmen zum Schutz des Rotmilans durch die ARGE Rhön (Landkreise aus HE, BY und TH) umgesetzt. Grundlage bildet ein Schutz- und Entwicklungskonzept (Hampel-Güttler et al. 2016).

[3] Im Internet findet sich ein Grundlagendokument für ein Artenhilfsprogramm für das Birkhuhn (Wübbenhorst und Prüter (2007).  

Literaturverzeichnis

Deutsche Wildtierstiftung (2016): Rotmilan Land zum Leben Praxisratgeber Landwirtschaft. 21 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 02.11.2018).

Hampel-Güttler, I., Kleemann, L., Gelpke, C., Stübing, S., Wagner, W. (2016): Bundesprogramm Biologische Vielfalt: Schutz- und Entwicklungskonzept – Rotmilan in der Rhön – Teil A. Im Auftrag der ARGE Rhön. Gersfeld. 219 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 03.11.2018).

Mammen, U., Nicolai, B., Böhner, J., Mammen, K., Wehrmann, J., Fischer, S., Dornbusch, G. (2014): Artenhilfsprogramm Rotmilan des Landes Sachsen-Anhalt. Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt 5. Halle. 163 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 02.11.2018).

Wübbenhorst, J. und Prüter, J. (2007): Grundlagen für ein Artenhilfsprogramm „Birkhuhn in Niedersachsen“. Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen. 114 S.