144d - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende 144d - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Information

Veröffentlicht
16.04.2018
Schlagworte
  • Fauna
  • Vögel
  • Windenergie

Frage

Welchen Einfluss haben Windenergieanlagen auf windenergiesensible Vogelarten (insbesondere deren Brut und Lebensräume)? Welche aktuellen Untersuchungen gibt es hierzu?

 

 

 

 

!Antwort

Zu den prominentesten jüngeren Untersuchungen zu Auswirkungen von Windenergieanlagen auf windenergiesensible Arten gehört das Forschungsprojekt PROGRESS (Grünkorn et al. 2016), in dessen Fokus allerdings nicht die Auswirkungen auf Vorkommen, Lebensräume und Brut, sondern Kollisionsraten und deren Einfluss und Erheblichkeit für Populationen lag. Zu den zentralen Ergebnissen des Projektes hat das KNE einen zusammenfassenden Studiensteckbrief veröffentlicht. (KNE 2017)

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Bau und Betriebsmonitoring von Windenergieanlagen im Wald“ wurde untersucht, ob WEA auf Waldstandorten einen Einfluss auf Siedlungs- und Brutdichten von Waldvögeln durch veränderte Brut- und Nahrungshabitate oder Störungen haben können. Hier zeigten an die Rodungsflächen angrenzende Waldbereiche keine grundlegende Veränderung von Waldvogelzönosen. Im Hinblick auf mögliche Störungen ergab sich ein gewisser Einfluss der Windparknähe auf die räumliche Verteilung der Reviere mehrerer Spechtarten; die Anzahl der ermittelten Mäusebussard-Reviere lag unter dem Erwartungswert von Referenzflächen ohne WEA. Die jeweiligen Unterschiede wiesen aufgrund zu geringer Stichprobengröße keine Signifikanz auf. (Reichenbach et al. 2015, S. 3f.) Um diesbezüglich zu aussagekräftigeren Ergebnissen zu kommen, läuft in diesem Zusammenhang eine Nachfolge-Studie mit automatisierter akustischer Erfassung von Vögeln auf Waldstandorten.

Eine umfangreiche Zusammenstellung von „Informationen zu Einflüssen der Windenergienutzung auf Vögel“ stellt das gleichnamige Papier der Vogelschutzwarte Brandenburg dar, in welchem Informationen und Quellen zu Aspekten der Kollisionsgefährdung und Lebensraumentwertung artspezifisch aufgeführt werden (Langgemach und Dürr 2018). Berücksichtigt werden in dem regelmäßig um neue Quellen ergänzten Dokument sowohl wissenschaftliche Studien, wie die oben genannten, als auch internationale Synopsen, relevante Veröffentlichungen in ornithologischen Fachzeitschriften sowie gutachterliche Untersuchungen im Zusammenhang mit einzelnen WEA-Vorhaben. Die Zusammenstellung ist eine Grundlage des aktuellen Helgoländer Papiers der Länderarbeitsgemeinschaft der Staatlichen Vogelschutzwarten (vgl. LAG VSW 2015). Die Zusammenstellung ist aus Sicht des KNE jedoch nicht vollständig. Zu einzelnen Vogelarten können durchaus weitere Veröffentlichungen vorliegen bzw. nicht berücksichtigte unveröffentlichte Gutachten.

Synoptische Zusammenstellungen über den Stand der Auswirkungen von WEA auf Vögel auf Grundlage der Auswertung internationaler Quellen bieten jüngere Beiträge in Fachzeitschriften wie Weber und Köppel (2017) sowie Schuster et al. (2015), in denen allerdings nur beispielhaft auf einzelne Vogelarten eingegangen wird und zudem auch Arten einbezogen werden, die in Deutschland nicht vorkommen.

Eine großflächige deutschlandweite Analyse möglicher WEA-induzierter Risiken für WEA-sensible Vogelarten (Habitatstörung bzw. -beeinflussung) wurde von Busch et al. (2017) durch Überlagerung potenzieller brutzeitlicher Habitate der Arten mit WEA-Standorten zuzüglich Abstandspuffern gemäß Empfehlungen des Helgoländer Papiers vorgenommen. Die Autoren kommen zu dem Ergebnis, dass für die verschiedenen Arten deutliche Überlappungen zwischen brutzeitlichen Lebensräumen und Bereichen mit windenergie-induzierten Risiken bestehen. Die Gruppe der Offenlandarten schien dabei vergleichsweise stark betroffen. Die Autoren weisen allerdings auch darauf hin, dass die Ergebnisse keine Rückschlüsse auf die Beeinflussung von Vogelpopulationen durch WEA zulassen, da hierfür detaillierte art- und ortspezifische Informationen erforderlich wären, die aktuell nicht verfügbar seien (ebd., S. 179).

Literaturverzeichnis

Busch, M., Trautmann, S., Gerlach, B. (2017): Overlap between breeding season distribution and wind farm risks: A spatial approach. Vogelwelt 137: 169-180 Link zum Dokument (letzter Zugriff: 16.05.2018).

Grünkorn, T., Blew, J., Coppack, T., Krüger, O., Nehls, G., Potiek, A., Reichenbach, M., von Rönn, J., Timmermann, H., Weitekamp, S. (2016): Ermittlung der Kollisionsraten von (Greif-)Vögeln und Schaffung planungsbezogener Grundlagen für die Prognose und Bewertung des Kollisionsrisikos durch Windenergieanlagen (PROGRESS). Abschlussbericht. 338 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 13.04.2018).

KNE (2017): Studien-Steckbrief „Validierung von Methoden zur Bewertung von Vogelkollisionen“ –Die „PROGRESS-Studie“ (Grünkorn et al. 2016). Link zum Dokument (letzter Zugriff: 13.04.2018).

LAG VSW – Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten in Deutschland (2015): Abstandsempfehlungen für Windenergieanlagen zu bedeutsamen Vogellebensräumen sowie Brutplätzen ausgewählter Vogelarten. Stand 15. April 2015. 29 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 13.04.2018).

Langgemach, T., Dürr, T. (2018): Informationen über Einflüsse der Windenergienutzung auf Vögel. Stand 18. März 2018. Staatliche Vogelschutzwarte Brandenburg. Nennhausen. 116 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 13.04.2018).

Reichenbach, M., Brinkmann, R., Kohnen, A., Köppel, J., Menke, K., Ohlenburg, H., Reers, H., Steinborn, H., Warnke, M. (2015): Bau- und Betriebsmonitoring von Windenergieanlagen im Wald. Abschlussbericht vom 30.11.2015. 351 S. Link zur Internetseite (letzter Zugriff: 28.06.2016).

Schuster, E., Bulling, L., Köppel, J. (2015): Consolidating the State of Knowledge: A Synoptical Review of Wind Energy’s Wildlife Effects. Environmental Management 56 (2), 300‐331. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 25.04.2018)

Weber, J., Köppel, J. (2017): Auswirkungen der Windenergie auf Tierarten. Naturschutz und Landschaftsplanung 49 (2). S. 37–49.