140 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende 140 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Information

Veröffentlicht
23.02.2018
Schlagworte
  • Abschaltzeiten
  • Fledermäuse
  • Gondelmonitoring
  • Windenergie

Frage

Können Sie einen Überblick über die Grenzwerte der Winderlasse und Artenschutzleitfäden der Bundesländer zu Abschaltungen zum Fledermausschutz geben? Interessant wären hierbei die Parameter Temperatur, Windgeschwindigkeit, Niederschlag, Nebel sowie der Stand der Veröffentlichung.

 

!Antwort

In mehreren Bundesländern finden sich Vorgaben für Parameter zur Abschaltung von Windenergieanlagen (WEA) zum Fledermausschutz. Die Abschaltungen können entweder pauschal für die gesamte Betriebslaufzeit oder aber ab Inbetriebnahme für das erste Betriebsjahr vorgenommen werden, sofern ein, in der Regel zweijähriges betriebsbegleitendes Gondelmonitoring durchgeführt wird. Durch die akustische Höhenerfassung realer Fledermausaktivitäten im Bereich der Gondel können die Abschaltzeiten dann anlagenspezifisch angepasst werden.

Die nachfolgende tabellarische Übersicht gibt die Vorgaben der derzeit aktuellen, veröffentlichten Handreichungen der Bundesländer hinsichtlich Temperatur, Windgeschwindigkeit und Niederschlägen wieder. Nebel wird in keiner der Handreichungen als zu berücksichtigender Parameter genannt. Ergänzend werden die relevanten Zeiträume (jahres- und tageszeitlich) sowie länderspezifische Sonderbedingungen aufgeführt (siehe Fußnoten).

Vorgaben der Länder Bedingungen für Abschaltzeiten zum Fledermausschutz

Land

Temperatur

Windgeschwindigkeit

Niederschlag

Zeiträume

Stand der Information

BW 1

≥ 10 °C

< 6 m/s

k. A.

01.04. – 31.08. 1 h vor SU bis SA

01.09. – 31.10. 3 h vor SU bis SA

01.04.2014

BY 2

≥ 10 °C[a]

< 6 m/s

< 0,2 mm/h[a]

01.04. – 30.09. von SU bis SA

01.10. – 31.10. 1 h vor SU bis SA

01.11. – 15.11. von SU bis SA

Mai 2017

BB 3,4

≥ 10 °C

< 5 m/s

kein Niederschlag

15.07. – 15.09. 1 h vor SU bis 1h vor SA

Mai 2014

13.12.2010

HE 5

≥ 10 °C

< 6 m/s

k. A.

01.04. – 31.08. 1 h vor SU bis SA

01.09. – 31.10. 3 h vor SU bis SA

29.11.2012

MV 6

k. A.

< 6,5 m/s

< 0,2 mm/h

01.05. – 30.09. 1 h vor SU bis SA (im Umfeld bedeutender Lebensräume), ansonsten:

01.07. – 30.09. 1 h vor SU bis SA

01.08.2016

NI 7

> 10 °C

< 6 m/s[b]

kein Regen

01.04. – 31.10. in Nächten[c]

24.02.2016

NW 8

> 10 °C

< 6 m/s[b]

kein Regen

01.04. – 31.10. in Nächten[c]

10.11.2017

RP 9

≥ 10 °C

< 6 m/s

k. A.

01.04. – 31.08. 1 h vor SU bis SA

01.09. – 31.10. 3 h vor SU bis SA

13.09.2012

SL 10

> 10 °C

< 7 bzw. < 6 m/s[d]

kein Regen

01.04. – 31.10. von SU bis SA

19.06.2013

SH 11

> 10 °C

< 6 m/s

< 0,5 mm/h[e]

10.07. – 30.09. 1 h vor SU bis 1 h nach SA bzw.

10.05. – 30.09. 1 h vor SU bis 1 h nach SA[f]

22.08.2017

TH 12

≥ 10 °C[g]

≤ 6 m/s[g]

 

k. A.

15.03. – 31.10. 1 h vor SU bis 1 h nach SA

Dez. 2015

Abkürzungen: SU = Sonnenuntergang, SA = Sonnenaufgang, k. A. = keine Angabe.

[a] Sofern messbar und bei der Anlagensteuerung berücksichtigbar.

[b] Aufgrund der naturräumlichen Gegebenheiten können für die beiden Abendsegler-Arten und die Rauhautfledermaus auch höhere Windgeschwindigkeiten.

[c] Alternativ: Auf Grundlage detaillierter Voruntersuchungen art- und vorkommen-spezifische Abschaltzeiten in möglichen Zeiträumen: 01.04 – 30.04. (Frühjahrszug/Bezug der Wochenstuben), 01.05. – 31.07. (Wochenstubenzeit), 15.07. –31.10. (Herbstzug/Bezug der Winterquartiere).

[d] < 7 m/s bei (möglichen) Vorkommen der beiden Abendseglerarten oder der Rauhhautfledermaus, < 6 m/s, sofern die vorgenannten Arten nicht vorkommen können.

[e] Optional zusätzlich, sofern ein Sensor mit beantragt wird und die Messung nachweislich verlässlich möglich ist.

[f] Sofern erhöhte Aktivitäten lokaler Fledermausvorkommen aufgrund von Potenzialanalysen nicht ausgeschlossen werden können.

[g] Auf Grundlage von Voruntersuchungen ggf. auch geringere Temperaturen und höhere Windgeschwindigkeiten als Schwellenwerte.

 

Literaturverzeichnis

1 LUBW – Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (Hrsg.) (2014): Hinweise zur Untersuchung von Fledermausarten bei Bauleitplanung und Genehmigung von Anlagen. 39 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 13.02.2018).

2 LfU Bayern – Bayerisches Landesamt für Umwelt (Hrsg.) (2017): Arbeitshilfe Fledermausschutz und Windkraft -Teil 1: Fragen und Antworten. Fachfragen des bayerischen Windenergie-Erlasses. 25 S. Link zur Internetseite (letzter Zugriff: 15.02.2018).

3 MUGV BB – Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (2014): Leitfaden des Landes Brandenburg für Planung, Genehmigung und Betrieb von Windkraftanlagen im Wald. 31 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

4 MUGV BB – Ministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (2010): Handlungsempfehlung zum Umgang mit Fledermäusen bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Brandenburg - Anlage 3 zum Erlass vom 31.12.2010, Stand 13.12.2010. 6 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

5 HMUEV, HMWVL – Hessische Ministerien für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Hrsg.) (2012): Leitfaden - Berücksichtigung der Naturschutzbelange bei der Planung und Genehmigung von Windkraftanlagen (WKA) in Hessen. 76 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

6 LUNG MV – Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (2016): Artenschutzrechtliche Arbeits- und Beurteilungshilfe für die Errichtung und den Betrieb von Windenergieanlagen (AAB-WEA), Teil Fledermäuse. 37 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

7 MUEK NI - Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz (2016): Leitfaden Umsetzung des Artenschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Niedersachsen. Niedersächsisches Ministerialblatt Nr. 7/2016 Anlage 2. S. 212-225. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

8 MULNV NW, LANUV NW – Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (2017): Leitfaden Umsetzung des Arten- und Habitatschutzes bei der Planung und Genehmigung von Windenergieanlagen in Nordrhein-Westfalen. 65. S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

9 MULEWF RP – Ministerum für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2012): Naturschutzfachlicher Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung in Rheinland-Pfalz Artenschutz (Vögel, Fledermäuse) und NATURA 2000-Gebiete. 145 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

10 MUV SL – Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz Saarland (Hrsg.) (2013): Leitfaden zur Beachtung artenschutz-rechtlicher Belange beim Ausbau der Windenergienutzung im Saarland betreffend die besonders relevanten Artengruppen der Vögel und Fledermäuse. 112 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

11 MELUND, LLUR – Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung des Landes Schleswig-Holstein und Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.) (2017): Integration artenschutzrechtlicher Vorgaben in Windkraftgenehmigungen nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG). 29 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).

12 TLUG – Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (Hrsg.) (2015): Arbeitshilfe zur Berücksichtigung des Fledermausschutzes bei der Genehmigung von Windenergieanlagen (WEA) in Thüringen. 121 S. Link zum Dokument (letzter Zugriff: 15.02.2018).