126 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende 126 - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Information

Veröffentlicht
7.08.2017
Schlagworte
  • Fauna
  • Fledermäuse
  • Technische Vermeidung
  • Vergrämung
  • Windenergie

Frage

Beim Thema Windenergieanlagen und Fledermäuse findet man fast nur Kollisionsminderungsmaßnahmen in Form von Anlagen-Abschaltungen während der aktiven Fledermausjagdzeiten. Gibt es bereits Untersuchungen über die erfolgreiche Vergrämung von Fledermäusen, durch Ultraschall-Sender oder durch andere Mittel? Über welche Entfernungen können Fledermäuse dadurch ferngehalten werden?

!Antwort

Aktuell gibt es nach unserem Kenntnisstand in Deutschland keine technische Vergrämung von Fledermäusen an WEA, weder in der Forschung noch in der Praxis. Entsprechend liegen in Deutschland auch keine Veröffentlichungen dazu vor.
Jedoch wird in der internationalen Fachliteratur über Studienergebnisse zur Vergrämung berichtet. Hierbei handelt es sich um die im Folgenden dargestellten technischen Ansätze Ultraschall und Radarstrahlung.

Vergrämung mit Ultraschall

Die vergrämende Wirkung von Ultraschall wurde in Studien aus Nordamerika (hier u. a. Arnett et al. 2013) nachgewiesen und beschrieben (u. a. BWEC 2017). Danach konnte die Fledermauskollisionsrate in einem Experiment durch den Einsatz von Breitband-Ultraschall (20 – 110 kHz) für einzelne Arten (Eisgraue Fledermaus, Lasiurus cinereus und Silberhaarfledermaus, Lasionycteris noctivagans) signifikant reduziert werden (Arnett et al. 2013). Jedoch weist die Verminderung der Fledermauskollisionsrate eine große Schwankungsbreite auf. Sie betrug in den beiden Untersuchungsjahren zwischen 21 und 51 Prozent (2009) bzw. 18 und 62 Prozent (2010) im Vergleich zu den Referenzanlagen. Diese Wirksamkeitsrate dürften zur sicheren Vermeidung von Tötungsrisiken nicht ausreichen. Eine Abdeckung des gesamten Rotorbereiches durch Ultraschall sei somit nach aktuellem Stand der Technik nicht möglich. Insbesondere bei Bedingungen mit hoher Luftfeuchtigkeit war die Reichweite der Ultraschallwellen sehr begrenzt (vgl. Anh. 1, S. 37 in Arnett et al. 2011).
Eine höhere Wirksamkeit könne die Vergrämung mit Ultraschall durch technische Weiterentwicklungen hinsichtlich der Reichweite (Abdeckung des Rotorbereichs) und einer Minderung der Empfindlichkeit gegenüber Witterungseinflüssen erreichen. Verschiedene Autoren sehen hier durchaus ein Potenzial (vgl. Arnett und Baerwald 2013, Arnett und May 2016, Arnett et al. 2013). Eine höhere Wirksamkeit könnte auch dadurch erzielt werden, dass die Ultraschall-Vergrämung gegebenenfalls mit weiteren Maßnahmen (bspw. Betriebsregulierung) kombiniert wird. 

Vergrämung mit Radarstrahlung

Eine Vergrämung mit Radarstrahlung ist zwar wirksam, jedoch ist die Technologie, wie sie zum Beispiel an militärischen Einrichtungen, Wetterstationen, Leuchttürmen und Flugsicherungszentralen verwendet wird, aufgrund der Gerätegröße für den Einsatz an WEA nicht geeignet (Ahlén et al. 2007, Nicholls und Racey 2007). Die vergrämende Wirkung von tragbaren Radargeräten wurde von Nicholls und Racey (2009) in Jagdhabitaten von Fledermäusen untersucht. Im Umkreis von 30 Metern bei einer Wellenlänge von 0,08 μs konnte eine Abnahme der Flugaktivität um etwa 13 Prozent, bei 0,3 μs um 38 Prozent beobachtet werden. Gegenwärtig sind keine Untersuchungen dieses Ansatzes an WEA bekannt (vgl. Arnett und Baerwald 2013).
Der Einsatz von Radarstrahlung zur Vergrämung von Fledermäusen kann zu artenschutzrechtlich bedenklichen Schädigungen führen (Ahlén et al. 2007). So wird z. B. vermutet, dass die Radarwellen ihre vergrämende Wirkung bei Fledermäusen auch dadurch erzielen, dass sie zu Stress und Hyperthermie führen (Nicholls und Racey 2007). Zur Beurteilung möglicher Schädigungswirkungen sind weitere Untersuchungen erforderlich.

Weitere technische Ansätze

Ob eine signifikante Verminderung der Fledermauskollisionen durch eine Anpassung der Anlagenbefeuerung (bspw. reduzierte Beleuchtung, Beleuchtungsimpuls, Farbe der Beleuchtung) erreicht werden kann, ist derzeit ebenfalls nicht abschließend geklärt. Die hierzu existierenden Studien zeigen kein eindeutiges Ergebnis (Bennett und Hale 2014, Fiedler et al. 2007, Horn et al. 2008, Johnson et al. 2003, Turowicz et al. 2013, Voigt et al. 2017). Für eine unter artenschutzrechtlichen Aspekten optimierte Befeuerung besteht gegenwärtig kaum Spielraum, da sich die Befeuerung nach den Vorgaben der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kennzeichnung von Luftfahrthindernissen“ richten muss.
Abschließend ist also festzustellen, dass es aktuell keine ausgereifte technische Vergrämung mit ausreichender Wirksamkeit gibt, die dafür sorgen könnte, dass Fledermäuse aus dem Rotorbereich einer WEA vergrämt werden. Erschwerend für den (potenziellen) Einsatz derartiger Technologien kommt hinzu, dass die Frage, ob eine Vergrämung nicht einen artenschutzrechtlichen Verbotstatbestand (Störungsverbot; Schädigung) verletzt, in Fachkreisen uneinheitlich beurteilt wird und noch nicht abschließend rechtlich geklärt ist.

Literaturverzeichnis

Arnett, E.B., May, R. (2016): Mitigating wind energy impacts on wildlife: approaches for multiple taxa. Human–Wildlife Interactions 10 (1): 28-41 S.
 
Arnett, E.B., Hein, C.D, Schirmacher, M.R., Huso, M.M.P., Szewczak, J.M. (2013): Evaluating the effectiveness of an ultrasonic acoustic deterrent for reducing bat fatalities at wind turbines. In: PLoS ONE, 8(6): S. 1–10.
 
Arnett, E.B., Baerwald, E.F. (2013): Impacts of wind energy development on bats: implications for conserva-tion. S. 435–456. In: Adams, R.A., Peterson, S.C. (Hrsg.): Bat Evolution, Ecology, and Conservation. Springer Science Press, New York, New York, USA. S. 547.
 
Arnett, E.B., Hein, C.D., Schirmacher, M.R., Baker, M., Huso, M.M.P., Szewczak. J.M. (2011): Evaluating the effectiveness of an ultrasonic acoustic deterrent for reducing bat fatalities at wind turbines. Final report. Bat Conservation International. Austin, Texas, USA. S. 45.
 
Bennett, V.J., Hale, A.M. (2014): Red aviation lights on wind turbines do not increase bat-turbine collisions. In: Animal Conservation, 17(4): S. 354–358.
 
BWEC – Bats and Wind Energy Cooperative (2017): Operational mitigation and deterrents.
 
Fiedler, J.K., Henry, T.H., Tankersley, R.D., Nicholson, C.P. (2007): Results of bat and bird mortality monitoring at the Expanded Buffalo Mountain windfarm, 2005. Tennessee Valley Authority. S. 42.
 
Horn, J.W., Arnett, E.B., Kunz T.H. (2008): Behavioral responses of bats to operating wind turbines. In: The Journal of Wildlife Management, 72(1): S. 123–132.
 
Johnson, G.D., Erickson, W.P., Strickland, M.D., Shepherd, M.F., Shepherd, D.A., Sarappo, S.A. (2003): Mortali-ty of bats at a large-scale wind power development at Buffalo Ridge, Minnesota. In: The American Mid-land Naturalist, 150(2): S. 332–342.
 
Nicholls, B., Racey, P.A. (2009): The aversive effect of electromagnetic radiation on foraging bats — A possible means of discouraging bats from approaching wind turbines. In: PLoS ONE, 4(7): S. 1-10.
 
Nicholls, B., Racey, P.A. (2007): Bats avoid radar installations: Could electromagnetic fields deter bats from colliding with wind turbines? In: PLoS ONE, 2(3): S. 1-7.
 
Turowicz, P., Zieliński, P., Kucmus, A., Walkowiak, A., Furmankiewicz, J. (2013): Foraging activity of bats around artificial light source and possible usage for conservation. In: Vindval Report 6546. Book of Ab-stracts: Conference on wind power and environmental impacts (CWE), Stockholm, Sweden. 171 S.
 
Voigt, C.C., Roeleke, M., Marggraf, L., Pētersons, G., Voigt-Heucke, S.L. (2017): Migratory bats respond to arti-ficial green light with positive phototaxis. In: PLoS ONE, 12(5): S. 1-11.