Fragen & Antworten

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Sie fragen – wir antworten

Das KNE erreichen zahlreiche Anfragen aus der ganzen Bandbreite der Themen der naturverträglichen Energiewende. Wir bearbeiten alle Fragen gewissenhaft und ausführlich, informieren über den aktuellsten Wissensstand und ordnen diesen ein. Wir bieten Hintergrundinformationen und empfehlen weiterführende Literatur.

Zudem erstellt das KNE unterschiedlichste Publikationen für den Wissenstransfer Im Bereich Naturschutz und Energiewende.

16.12.2025 | Bestandsentwicklung des Großen Abendseglers und Einfluss der Windenergie | 384

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Wie entwickelt sich der Bestand des Großen Abendseglers (Nyctalus noctula) in Deutschland? Welchen Einfluss hat der Ausbau der Windenergie darauf?

! Kurzantwort

Es gibt Hinweise auf eine negative Bestandsentwicklung des Abendseglers in Deutschland, die sich in der Einstufung in der Vorwarnliste der Roten Liste und in einem ungünstigen Erhaltungszustand nach FFH-Richtlinie niederschlagen. Jedoch existieren aufgrund methodischer Herausforderungen beim Monitoring nach wie vor Kenntnislücken.

Der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) gehört zu den kollisionsgefährdeten Fledermausarten und wird vergleichsweise häufig als Schlagopfer an Windenergieanlagen (WEA) gefunden. Der Einfluss der Windenergie auf die Bestandsentwicklung kann im Verhältnis zu weiteren Gefährdungsfaktoren aber nicht abschließend bewertet werden. Die Vermeidung von Individuenverlusten in der Bau- und Betriebsphase von WEA ist dennoch sowohl aus artenschutzrechtlicher als auch aus populationsbiologischer Sicht von großer Bedeutung. Hierzu dienen insbesondere standortangepasste Abschaltungen während Zeiten hoher Flugaktivität in der Betriebsphase. Ergänzend könnte die Art über Maßnahmen aus dem Nationalen Artenhilfsprogramm des Bundes gefördert werden. Ansätze für standardisierte, langfristig angelegte Monitoringprogramme sollten weiter ausgebaut werden.

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28.11.2025 | Anzahl Windenergieanlagen mit Abschaltungen zum Fledermausschutz | 279

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Wie hoch ist die Zahl der Windenergieanlagen an Land in Deutschland, die mit bzw. ohne nächtliche Abschaltungen zum Schutz von Fledermäusen betrieben werden?

! Kurzantwort

Diese Frage kann nicht genau beantwortet werden, da Abschaltungen zum Fledermausschutz nicht zentral dokumentiert werden. Das KNE nimmt seit 2020 in Abständen eine überschlägige Schätzung vor. Dabei werden der aktuelle Anlagenbestand, die Entwicklung der Forschung, der gesetzlichen und untergesetzlichen Regelungen zum Fledermausschutz für die Zulassungsebene sowie weitere Studien berücksichtigt. Ende 2024 wurden demnach knapp 11.000 der rund 28.500 WEA mit Fledermausabschaltungen betrieben. Dies sind rund 38 Prozent. Damit wuchsen Zahl und Anteil der Anlagen mit Abschaltungen weiter, allerdings nur langsam. Bleibt das Tempo gleich, kann es noch deutlich mehr als zehn Jahre, vermutlich sogar mehr als 20 Jahre dauern, bis der gesamte deutsche Anlagenbestand nahezu vollständig mit nächtlichen Abschaltungen zum Fledermausschutz betrieben wird.

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11.11.2025 | Gestaltung und Pflege ökologisch wertvoller Hecken in und um Solarparks | 383

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Wie können Hecken gestaltet und gepflegt werden, um die Artenvielfalt in Solarparks zu fördern und ihre Auswirkungen auf das Landschaftsbild zu minimieren?

! Kurzantwort

Das vorrangige Ziel der Eingrünung von Solarparks mit Hecken besteht zumeist darin, Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes zu vermeiden. Durch die Heckenpflanzung können jedoch mehrere Schutzgüter adressiert werden, da Hecken zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen. Sie sind außerdem ein wichtiges Element der Biotopvernetzung.

Eine ökologisch hochwertige Hecke ist strukturreich, weist Lücken und Ausbuchtungen auf und ist drei- bis fünfreihig gepflanzt. Die Integration von Bäumen fördert die vertikale Vielfalt. Dornengehölze bieten geschützte Nistmöglichkeiten und liefern mit ihren Blüten und Früchten Nahrung für verschiedene Tierarten. Hecken sollten eine Mindestbreite von fünf Metern aufweisen.

Damit Hecken ihre Strukturvielfalt und ihren ökologischen Wert entwickeln und langfristig erhalten können, ist eine regelmäßige Pflege erforderlich. Diese sollte abschnittsweise und während der Vegetationsruhe erfolgen.

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28.10.2025 | Berücksichtigung naturschutzrechtlicher Belange bei der Realisierung verfahrensfreier Photovoltaik-Freiflächenanlagen | 382

? Frage

Inwiefern werden naturschutzrechtliche Belange bei der Realisierung von verfahrensfreien Photovoltaik-Freiflächenanlagen berücksichtigt?

! Kurzantwort

In Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen sind Photovoltaik-Freiflächenanlagen (PV-FFA) seit diesem Jahr unter bestimmten Voraussetzungen verfahrensfrei gestellt. Für diese Anlagen ist kein Baugenehmigungsverfahren und grundsätzlich auch sonst keine Unterrichtung der Bauaufsichtsbehörde vorgesehen. Verfahrensfreistellung bedeutet aber keine Entbindung von den Vorgaben des öffentlichen Rechts und insofern keine Absenkung der naturschutzfachlichen Standards. Die Verfahrensfreistellung beinhaltet lediglich eine Übertragung der Prüfpflicht von der Bauaufsichtsbehörde auf den Bauherrn. Dieser ist für die Einhaltung aller öffentlich-rechtlichen Vorschriften verantwortlich. Wie auch bei privilegierten PV-FFA ist eine naturschutzrechtliche Genehmigung einzuholen. Verstößt das Vorhaben gegen naturschutzrechtliche oder sonstige Vorgaben des öffentlichen Rechts, drohen Baueinstellung bzw. Beseitigungsanordnung sowie gegebenenfalls sogar umweltstrafrechtliche Konsequenzen.

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15.09.2025 | Unterschiede zwischen der Vogeldetektion mit Antikollisionssystemen und der Bewirtschaftungsdetektion an Windenergieanlagen | 381

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Antikollisionssysteme sind im Bundesnaturschutzgesetz als wirksame Schutzmaßnahme für kollisionsgefährdete Brutvögel beim Betrieb von Windenergieanlagen genannt. Nun sollen auch bei der Bewirtschaftungsabschaltung Detektionssysteme zum Einsatz kommen. Wie unterscheiden sich die eingesetzten Systeme?

! Kurzantwort

Es bestehen drei wesentliche Unterschiede zwischen der Vogeldetektion und der Bewirtschaftungsdetektion. Zum einem ist die Detektion der Flugaktivität bestimmter Vogelarten ein technisch komplexer Vorgang. Eine Erfassung von Bewirtschaftungsereignissen anhand der landwirtschaftlichen Maschinen umzusetzen, ist im Vergleich weniger anspruchsvoll. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Automatisierung der Vogeldetektion obligatorisch ist. Bei der Bewirtschaftungsdetektion sind dagegen auch manuelle oder halbautomatische Lösungen praktikabel. Hieraus resultiert der dritte Unterschied: Systeme zur Vogeldetektion müssen immer eine Erprobung bzw. Validierung sowie Zertifizierung durchlaufen. Die Notwendigkeit eines Wirksamkeitsnachweises für Systeme zur Bewirtschaftungsdetektion ist aus Sicht des KNE dagegen abhängig von ihrem Automatisierungsgrad. Bei manuellem Betrieb wären Nachweise demnach nicht zwingend erforderlich, bei automatischem Betrieb dagegen schon.

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11.09.2025 | Auswirkungen von Solarparks mit Ost-West-Orientierung auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild | 301

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Welche Auswirkungen haben Photovoltaik-Freiflächenanlagen mit Ost-West-Orientierung auf den Naturhaushalt und das Landschaftsbild?

! Kurzantwort

Ost-West-Anlagen liefern vormittags und nachmittags mehr Strom als Solarparks mit Südausrichtung. Dadurch wird die Mittagsspitze geglättet, die Netzinfrastruktur entlastet und es wird ein breiteres Ertragsprofil erreicht.

Da Verschattung eine untergeordnete Rolle spielt, werden die Reihen zumeist mit geringen Abständen errichtet und die Anlagen haben einen hohen Anteil überstellter Fläche. Durch die umfangreiche Verschattung kann sich unter den Modulen kaum flächendeckende Vegetation entwickeln. Mikroklima und Boden verändern sich großflächiger. Studien haben gezeigt, dass sich in modulfreien Bereichen von Solarparks hochwertige Lebensräume entwickeln können. Bei diesem Anlagentyp sind diese Bereiche jedoch in der Regel nur eingeschränkt vorhanden.

Insbesondere in Hanglagen kann durch fehlenden Bewuchs und eine veränderte Niederschlagsverteilung die Erosionsgefahr steigen. Im Vergleich zu südexponierten Anlagen beeinflusst das Erscheinungsbild des Modulfelds das Landschaftsbild stärker.

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15.07.2025 | Kollisionsgefährdung des Wespenbussards und mögliche Schutzmaßnahmen | 380

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Ist der Wespenbussard besonders an Windenergieanlagen im Wald kollisionsgefährdet und könnte dies daran liegen, dass die Mastfußgestaltung seinen Bedürfnissen bei der Nahrungssuche entgegenkommt? Welche Schutzmaßnahmen zur Minderung von Kollisionsrisiken sind möglich?

! Kurzantwort

Der Wespenbussard gilt laut Anlage 1 Abschnitt 1 zu § 45b Absatz 1 bis 5 BNatSchG als kollisionsgefährdet. Als überwiegend waldbewohnende Vogelart liegt es nahe, dass er besonders an Windenergieanlagen (WEA) im Wald kollisionsgefährdet ist. Weiterhin erscheint es durchaus plausibel, dass mit den WEA geschaffene potenzielle Nahrungsflächen für den Wespenbussard anziehend wirken und somit Kollisionsrisiken steigern könnten. Die speziellen Balzflüge in größeren Flughöhen und die Konzentration bisher gemeldeter Schlagopferfunde auf den Balzzeitraum sprechen wiederum dafür, dass hierin die maßgebliche Ursache für auftretende Kollisionen besteht. Spezifische Studien zur Flugaktivität des Wespenbussards im Kontext von WEA-Vorhaben fehlen allerdings noch.

Wird ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko für den Wespenbussard angenommen, stehen mehrere fachlich anerkannte Schutzmaßnahmen zur Auswahl, um dieses unter die Signifikanzschwelle zu senken. Vertiefende Empfehlungen zur Ausgestaltung und Umsetzung der Maßnahmen finden sich in einigen Leitfäden der Länder.

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26.06.2025 | Begrenzung von Ertragsverlusten mithilfe der Steuerung der Betriebsdauer von Antikollisionssystemen | 379

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Beim Einsatz von Antikollisionssystemen (AKS) stellt sich die Frage, ob der Betreiber die Betriebsdauer des Systems so steuern darf, dass die Ertragsverluste durch die Abschaltvorgänge des Systems auf ein bestimmtes Maß begrenzt werden. Darf die zuständige Behörde eine solche Option in Nebenbestimmungen regeln und wie würde eine solche Regelung aussehen.

! Kurzantwort

Das KNE hat zur Beantwortung der Frage, ob die zuständige Behörde eine nachträgliche oder eine fortlaufende Neuberechnung der Zumutbarkeit des AKS Betriebs in Nebenbestimmungen regeln darf, ein Kurz-Gutachten beauftragt. Die Autorinnen und Autoren des Gutachtens verneinen die Frage, ob es zulässig ist eine solche Option anzuordnen. Die Antwort fasst die Begründung zusammen. Damit erübrigt sich die Teilfrage, wie eine solche Anordnung erfolgen müsste.

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23.06.2025 | Informationsgehalt der Energieatlanten der Länder | 378

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Welche digitalen Tools stehen zur Ermittlung von Potenzialflächen für Solarparks zur Verfügung?

! Kurzantwort

Grundsätzlich können webbasierte Energieatlanten Kommunen dabei unterstützen, naturverträgliche Standorte für Solarparks zu ermitteln und erleichtern die interkommunale Abstimmung. Aktuell haben fünf Bundesländer Plattformen mit Informationen zu rechtlich, naturschutzfachlich oder wirtschaftlich geeigneten bzw. potenziell nutzbaren Flächen veröffentlicht. Die ermittelten Potenzialflächen aller betrachteten Tools sind als Suchräume zu verstehen, die mit detaillierten Umweltdaten auf kommunaler Ebene ergänzt werden müssen. Für eine gute Nutzbarkeit der Tools müssen jedoch einige Voraussetzungen erfüllt sein: es muss eine aktuelle, nachvollziehbare Potenzialflächenanalyse integriert sein. Die Benennung sowie die Darstellung der Kartenlayer und Werkzeuge sollten anwenderfreundlich und selbsterklärend gewählt werden. Damit die Energieatlanten als Basis für eine kommunale Planung genutzt werden können, sollte ein Export der Daten möglich und ihre Nutzung zulässig sein.

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27.05.2025 | Parameter Windgeschwindigkeit für pauschale Abschaltungen zum Fledermausschutz | 377

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Ein Kriterium zur Steuerung von Abschaltungen von Windenergieanlagen zum Fledermausschutz ist die Windgeschwindigkeit. Gibt es fachliche Erkenntnisse dazu, ob die aktuellen Vorgaben bzw. Empfehlungen der Länder, bei welcher Windgeschwindigkeit abzuschalten ist, noch dem Stand der Technik entsprechen?

! Kurzantwort

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass die derzeit geltenden pauschalen Vorgaben und Empfehlungen der Länder für die Windgeschwindigkeit zur Steuerung von Abschaltungen von Windenergieanlagen zum Fledermausschutz insbesondere an Mittelgebirgsstandorten bei WEA mit großen Rotordurchmessern zum Teil nicht ausreichen dürften, um die derzeit empfohlenen Signifikanzschwellen einzuhalten. Es liegt jedoch in der Zuständigkeit der Länder zu entscheiden, ob die veröffentlichten Ergebnisse geeignet sind, um ihre Vorgaben und Empfehlungen anzupassen. Diese Entscheidung würde vor dem Hintergrund der Kritik der Windenergiebranche am Diskussionspapier von Dietz et al. (2024) sowie anhand einer Abwägung zwischen effektivem Fledermausschutz, dem Ziel eines guten Erhaltungszustands von Fledermauspopulationen sowie dem Erreichen der Klimaschutzziele im Energiesektor erfolgen müssen.

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