Fragen & Antworten

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Sie fragen – wir antworten

Das KNE erreichen zahlreiche Anfragen aus der ganzen Bandbreite der Themen der naturverträglichen Energiewende. Wir bearbeiten alle Fragen gewissenhaft und ausführlich, informieren über den aktuellsten Wissensstand und ordnen diesen ein. Wir bieten Hintergrundinformationen und empfehlen weiterführende Literatur.

Zudem erstellt das KNE unterschiedlichste Publikationen für den Wissenstransfer Im Bereich Naturschutz und Energiewende.

Schlagworte: "Windenergie" (89 Dokumente gefunden)

27.01.2026 | Regelungen eines bodenschutzgerechten Rückbaus von Windenergieanlagen | 183

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Welche Bestimmungen bzw. Empfehlungen gibt es für einen bodenschutzgerechten Rückbau von Windenergieanlagen, und wie kann der Schutz des Bodens beim Rückbau gewährleistet werden?

! Kurzantwort

In den geltenden Bodenschutzgesetzen des Bundes und der Länder finden sich keine verbindlichen Regelungen, die sich spezifisch auf den Rückbau von Windenergieanlagen (WEA) beziehen. Daher hat die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (LABO) einen Leitfaden für einen bodenschonenden Rückbau von WEA erarbeitet. Er hat den Charakter einer bundesweiten Fachkonvention, die für Genehmigungsbehörden handlungsleitend sein kann. Im Leitfaden wurden u. a. allgemeine sowie spezifische Ziele, Anforderungen und Maßnahmen des Bodenschutzes für jeden Rückbauschritt zusammengestellt. Darüber hinaus wurden Textbausteine für Genehmigungsauflagen formuliert. Ergänzende Checklisten können bei der Einhaltung der Auflagen helfen. Bei der Ausschreibung, Vergabe und Durchführung von (Rück-)Bauleistungen sind zudem bodenschutzrelevante DIN-Vorschriften anzuwenden und einzuhalten.

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22.01.2026 | Alternative Maßnahmen für den Schutz von Fledermäusen und Vögeln beim Betrieb von Windenergieanlagen | 141

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Gibt es fachlich anerkannte bzw. wirksame Alternativen zur Abschaltung von Windenergieanlagen, um kollisionsgefährdete Brutvogelarten und Fledermäuse zu schützen?

! Kurzantwort

Bei einigen Brutvogelarten können alternativ Ablenkmaßnahmen in Kombination mit einer Senkung der Attraktivität im direkten Anlagenumfeld zum Einsatz kommen. Bei Fledermäusen gelten Abschaltungen von Windenergieanlagen in Deutschland derzeit als einzig wirksame Maßnahme zum Schutz vor Kollisionen. Vergrämungsmaßnahmen gelten bisher sowohl für Vögel als auch für Fledermäuse nicht als hinreichend wirksam, um Kollisionsrisiken dauerhaft zu senken. In Deutschland ist die Vergrämung keine fachlich anerkannte Schutzmaßnahme.

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20.01.2026 | Bestandsentwicklung kollisionsgefährdeter Brutvogelarten | 386

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Wie haben sich nach neuesten Erkenntnissen die Bestände der Brutvogelarten entwickelt, die an Windenergieanlagen als kollisionsgefährdet gelten? Welche Rolle spielen bestandsstützende Maßnahmen dabei?

! Kurzantwort

Die Bestände einiger kollisionsgefährdeter Brutvogelarten haben sich positiv entwickelt. Dies gilt für Seeadler, Fischadler, Schreiadler, Rot- und Schwarzmilan, Wanderfalke, Uhu und Weißstorch.  Die Bestände der Korn- und Rohrweihe, beides Arten der offenen Agrarlandschaft, nahmen ab. Die Bestände der Wiesenweihe erholten sich hingegen leicht. Zu den positiven Bestandsentwicklungen tragen auch bestandsstützende Maßnahmen entscheidend bei, die beispielsweise im Rahmen von Artenhilfsprogrammen umgesetzt werden. Um die Bestände der kollisionsgefährdeten Brutvogelarten zu stabilisieren, ist beim Ausbau der Windenergie weiterhin auf die Auswahl risikoarmer Standorte zu achten. Bei signifikant erhöhten Tötungsrisiken müssen wirksame Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

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16.12.2025 | Bestandsentwicklung des Großen Abendseglers und Einfluss der Windenergie | 384

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Wie entwickelt sich der Bestand des Großen Abendseglers (Nyctalus noctula) in Deutschland? Welchen Einfluss hat der Ausbau der Windenergie darauf?

! Kurzantwort

Es gibt Hinweise auf eine negative Bestandsentwicklung des Abendseglers in Deutschland, die sich in der Einstufung in der Vorwarnliste der Roten Liste und in einem ungünstigen Erhaltungszustand nach FFH-Richtlinie niederschlagen. Jedoch existieren aufgrund methodischer Herausforderungen beim Monitoring nach wie vor Kenntnislücken.

Der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) gehört zu den kollisionsgefährdeten Fledermausarten und wird vergleichsweise häufig als Schlagopfer an Windenergieanlagen (WEA) gefunden. Der Einfluss der Windenergie auf die Bestandsentwicklung kann im Verhältnis zu weiteren Gefährdungsfaktoren aber nicht abschließend bewertet werden. Die Vermeidung von Individuenverlusten in der Bau- und Betriebsphase von WEA ist dennoch sowohl aus artenschutzrechtlicher als auch aus populationsbiologischer Sicht von großer Bedeutung. Hierzu dienen insbesondere standortangepasste Abschaltungen während Zeiten hoher Flugaktivität in der Betriebsphase. Ergänzend könnte die Art über Maßnahmen aus dem Nationalen Artenhilfsprogramm des Bundes gefördert werden. Ansätze für standardisierte, langfristig angelegte Monitoringprogramme sollten weiter ausgebaut werden.

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28.11.2025 | Anzahl Windenergieanlagen mit Abschaltungen zum Fledermausschutz | 279

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Wie hoch ist die Zahl der Windenergieanlagen an Land in Deutschland, die mit bzw. ohne nächtliche Abschaltungen zum Schutz von Fledermäusen betrieben werden?

! Kurzantwort

Diese Frage kann nicht genau beantwortet werden, da Abschaltungen zum Fledermausschutz nicht zentral dokumentiert werden. Das KNE nimmt seit 2020 in Abständen eine überschlägige Schätzung vor. Dabei werden der aktuelle Anlagenbestand, die Entwicklung der Forschung, der gesetzlichen und untergesetzlichen Regelungen zum Fledermausschutz für die Zulassungsebene sowie weitere Studien berücksichtigt. Ende 2024 wurden demnach knapp 11.000 der rund 28.500 WEA mit Fledermausabschaltungen betrieben. Dies sind rund 38 Prozent. Damit wuchsen Zahl und Anteil der Anlagen mit Abschaltungen weiter, allerdings nur langsam. Bleibt das Tempo gleich, kann es noch deutlich mehr als zehn Jahre, vermutlich sogar mehr als 20 Jahre dauern, bis der gesamte deutsche Anlagenbestand nahezu vollständig mit nächtlichen Abschaltungen zum Fledermausschutz betrieben wird.

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15.09.2025 | Unterschiede zwischen der Vogeldetektion mit Antikollisionssystemen und der Bewirtschaftungsdetektion an Windenergieanlagen | 381

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Antikollisionssysteme sind im Bundesnaturschutzgesetz als wirksame Schutzmaßnahme für kollisionsgefährdete Brutvögel beim Betrieb von Windenergieanlagen genannt. Nun sollen auch bei der Bewirtschaftungsabschaltung Detektionssysteme zum Einsatz kommen. Wie unterscheiden sich die eingesetzten Systeme?

! Kurzantwort

Es bestehen drei wesentliche Unterschiede zwischen der Vogeldetektion und der Bewirtschaftungsdetektion. Zum einem ist die Detektion der Flugaktivität bestimmter Vogelarten ein technisch komplexer Vorgang. Eine Erfassung von Bewirtschaftungsereignissen anhand der landwirtschaftlichen Maschinen umzusetzen, ist im Vergleich weniger anspruchsvoll. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Automatisierung der Vogeldetektion obligatorisch ist. Bei der Bewirtschaftungsdetektion sind dagegen auch manuelle oder halbautomatische Lösungen praktikabel. Hieraus resultiert der dritte Unterschied: Systeme zur Vogeldetektion müssen immer eine Erprobung bzw. Validierung sowie Zertifizierung durchlaufen. Die Notwendigkeit eines Wirksamkeitsnachweises für Systeme zur Bewirtschaftungsdetektion ist aus Sicht des KNE dagegen abhängig von ihrem Automatisierungsgrad. Bei manuellem Betrieb wären Nachweise demnach nicht zwingend erforderlich, bei automatischem Betrieb dagegen schon.

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22.08.2025 | Fachliche und finanzielle Untersetzung des nationalen Artenhilfsprogramms | 374

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Mit der Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes im Jahr 2022 hat die Bundesregierung das Nationale Artenhilfsprogramm (kurz: nAHP) geschaffen. Das neue Förderprogramm soll einen Beitrag leisten zum dauerhaften Schutz insbesondere der vom Ausbau der erneuerbaren Energien betroffenen Arten und ihrer Lebensstätten. Wie ist das Programm konzipiert? Welche Arten und Maßnahmen können gefördert werden? Wie erfolgt die Finanzierung?

! Kurzantwort

Über das Nationale Artenhilfsprogramm können Maßnahmen zum Schutz insbesondere der vom Ausbau der erneuerbaren Energien betroffener, aber auch bestandsgefährdeter Arten sowie Arten, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt gefördert werden. Förderschwerpunkt liegt auf Projekten zur Schaffung oder Verbesserung von spezifischen Lebensräumen der Arten. Die Auswahl der Zielarten basiert auf wissenschaftlichen Analysen. Forschungsprojekte sind nur begrenzt förderfähig, etwa zur Wirksamkeit von Maßnahmen. Finanziert wird das Programm über den Bundesnaturschutzfonds sowie über zweckgebundene Sonderabgaben von Vorhabenträgern bzw. Betreibern von Erneuerbare-Energien-Anlagen. Ergänzend werden unter anderem Arten-Aktionspläne erarbeitet, um die Maßnahmen fachlich und räumlich steuern zu können. Eine Ergänzung der geltenden Förderrichtlinie ist in Vorbereitung.

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15.07.2025 | Kollisionsgefährdung des Wespenbussards und mögliche Schutzmaßnahmen | 380

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Ist der Wespenbussard besonders an Windenergieanlagen im Wald kollisionsgefährdet und könnte dies daran liegen, dass die Mastfußgestaltung seinen Bedürfnissen bei der Nahrungssuche entgegenkommt? Welche Schutzmaßnahmen zur Minderung von Kollisionsrisiken sind möglich?

! Kurzantwort

Der Wespenbussard gilt laut Anlage 1 Abschnitt 1 zu § 45b Absatz 1 bis 5 BNatSchG als kollisionsgefährdet. Als überwiegend waldbewohnende Vogelart liegt es nahe, dass er besonders an Windenergieanlagen (WEA) im Wald kollisionsgefährdet ist. Weiterhin erscheint es durchaus plausibel, dass mit den WEA geschaffene potenzielle Nahrungsflächen für den Wespenbussard anziehend wirken und somit Kollisionsrisiken steigern könnten. Die speziellen Balzflüge in größeren Flughöhen und die Konzentration bisher gemeldeter Schlagopferfunde auf den Balzzeitraum sprechen wiederum dafür, dass hierin die maßgebliche Ursache für auftretende Kollisionen besteht. Spezifische Studien zur Flugaktivität des Wespenbussards im Kontext von WEA-Vorhaben fehlen allerdings noch.

Wird ein signifikant erhöhtes Tötungsrisiko für den Wespenbussard angenommen, stehen mehrere fachlich anerkannte Schutzmaßnahmen zur Auswahl, um dieses unter die Signifikanzschwelle zu senken. Vertiefende Empfehlungen zur Ausgestaltung und Umsetzung der Maßnahmen finden sich in einigen Leitfäden der Länder.

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26.06.2025 | Begrenzung von Ertragsverlusten mithilfe der Steuerung der Betriebsdauer von Antikollisionssystemen | 379

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Beim Einsatz von Antikollisionssystemen (AKS) stellt sich die Frage, ob der Betreiber die Betriebsdauer des Systems so steuern darf, dass die Ertragsverluste durch die Abschaltvorgänge des Systems auf ein bestimmtes Maß begrenzt werden. Darf die zuständige Behörde eine solche Option in Nebenbestimmungen regeln und wie würde eine solche Regelung aussehen.

! Kurzantwort

Das KNE hat zur Beantwortung der Frage, ob die zuständige Behörde eine nachträgliche oder eine fortlaufende Neuberechnung der Zumutbarkeit des AKS Betriebs in Nebenbestimmungen regeln darf, ein Kurz-Gutachten beauftragt. Die Autorinnen und Autoren des Gutachtens verneinen die Frage, ob es zulässig ist eine solche Option anzuordnen. Die Antwort fasst die Begründung zusammen. Damit erübrigt sich die Teilfrage, wie eine solche Anordnung erfolgen müsste.

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27.05.2025 | Parameter Windgeschwindigkeit für pauschale Abschaltungen zum Fledermausschutz | 377

? Frage

Ein Kriterium zur Steuerung von Abschaltungen von Windenergieanlagen zum Fledermausschutz ist die Windgeschwindigkeit. Gibt es fachliche Erkenntnisse dazu, ob die aktuellen Vorgaben bzw. Empfehlungen der Länder, bei welcher Windgeschwindigkeit abzuschalten ist, noch dem Stand der Technik entsprechen?

! Kurzantwort

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass die derzeit geltenden pauschalen Vorgaben und Empfehlungen der Länder für die Windgeschwindigkeit zur Steuerung von Abschaltungen von Windenergieanlagen zum Fledermausschutz insbesondere an Mittelgebirgsstandorten bei WEA mit großen Rotordurchmessern zum Teil nicht ausreichen dürften, um die derzeit empfohlenen Signifikanzschwellen einzuhalten. Es liegt jedoch in der Zuständigkeit der Länder zu entscheiden, ob die veröffentlichten Ergebnisse geeignet sind, um ihre Vorgaben und Empfehlungen anzupassen. Diese Entscheidung würde vor dem Hintergrund der Kritik der Windenergiebranche am Diskussionspapier von Dietz et al. (2024) sowie anhand einer Abwägung zwischen effektivem Fledermausschutz, dem Ziel eines guten Erhaltungszustands von Fledermauspopulationen sowie dem Erreichen der Klimaschutzziele im Energiesektor erfolgen müssen.

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