Synopse „Technische Systeme zur Vermeidung von potenziellen Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse durch die Windenergienutzung" - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Synopse „Technische Systeme zur Vermeidung von potenziellen Auswirkungen auf Vögel und Fledermäuse durch die Windenergienutzung" - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

SYNOPSE

Technische Systeme zur Vermeidung von potenziellen Auswirkungen
auf Vögel und Fledermäuse durch die Windenergienutzung

Herausgeber: Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende
Bearbeitung: Eva Schuster, Dr. Elke Bruns

Technische Systeme stellen eine Möglichkeit dar, um ein signifikant erhöhtes Kollisionsrisiko windenergiesensibler Arten zu vermeiden. Ihr Einsatz kommt insbesondere dann in Betracht, wenn angesichts der Flächenknappheit und des fortschreitenden Windenergieausbaus kaum mehr ausreichend konfliktarme Standorte zur Verfügung stehen. Auch erlauben sie es, den aufgrund raum-zeitlicher Dynamiken auftretenden Prognoseunsicherheiten über das Eintreten von Tötungsrisiken während des Anlagen-Betriebs besser gerecht zu werden. Sie stellen eine bedarfsgerechte und somit effiziente Alternative dar, zu den meist auf Erfahrungswerten bzw. Langzeitbeobachtungen basierenden, pauschalen Abschaltzeiten.

Insbesondere in Bundesländern mit begrenztem oder konfliktreichem Standortangebot können technische Systeme künftig eine wichtige Rolle für die Genehmigungsfähigkeit von Windenergieanlagen spielen. Die vorhandenen Systeme basieren auf unterschiedlichen Technologien (Kamera-, Radar-, GPS-, Sensor-, Mikrofon- Systeme). Je nach Eigenschaften können sie:

  • zur vorbereitenden Standortbewertung,
  • zur Vergrämung kollisionsgefährdeter Individuen während des Anlagenbetriebs,
  • zur bedarfsgerechten Betriebsregulierung oder
  • zum Monitoring der Flugaktivität oder von Kollisionsereignissen dienen.

Diese technischen Ansätze weisen unterschiedliche Entwicklungsstände auf – von der Entwicklung im Rahmen von Forschungsprojekten über die Erprobung bis hin zur „marktreifen“ Anwendung. Während es im internationalen Ausland bereits mehrere Anwendungsfälle gibt, sind diese in Deutschland noch auf Einzelfälle beschränkt.

Die Technologien weisen jeweils unterschiedliche Funktionsweisen und Limitierungen auf. Für einige erscheint es denkbar, dass sie künftig, nach einer Phase der Weiterentwicklung und Erprobung, als geeignete und nachweislich wirksame Vermeidungsmaßnahme anerkannt werden. Eine Kombination von Technologien bzw. Systemkomponenten kann dazu beitragen, die Wirksamkeit zu verbessern und die Einsatzgebiete zu erweitern.

Jedoch ist explizit darauf hinzuweisen, dass die technischen Systeme eine sorgfältige Standortwahl nicht ersetzen können. Trotz technischer Lösungen können sich Standorte also als für die Windenergienutzung ungeeignet bzw. nicht genehmigungsfähig erweisen.

Voraussetzung für die Anwendung technischer Systeme zur Vermeidung eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos in der Praxis ist deren nachweisliche Wirksamkeit. Die Einschätzung, ob dies der Fall ist, obliegt der zuständigen Naturschutzbehörde, welche sich an dem aktuellen Stand fachwissenschaftlicher Erkenntnisse zu orientieren hat.

Die Eignung bzw. die Wirksamkeit der Systeme zur Vermeidung des Eintritts eines Verbotstatbestandes nach § 44 BNatSchG ist von ihrer technischen Leistungsfähigkeit sowie von ihrer Zuverlässigkeit abhängig. Andererseits spielen auch immer standort- sowie zielartspezifische Eigenschaften eine wichtige Rolle. Generell gilt: Ob eine als wirksam erachtete Maßnahme im speziellen Vorhaben hinreichend geeignet ist, um die Beeinträchtigungen unter die Signifikanzschwelle zu senken, muss im Einzelfall entschieden werden.

Der Wissensstand über die Anwendbarkeit und Wirksamkeit existierender Technologien wurde bereits zusammengetragen (vgl. BirdLife international 2015; Dirksen 2017; Gartman et al. 2016; KNE 2016a; May et al. 2015; TU Berlin, FA Wind und WWU 2015). Die Synopse baut darauf auf und ergänzt die vorliegenden Informationen um den aktuellen Kenntnisstand, wie er sich auf Basis deutsch- und englischsprachiger Literatur darstellt. Die Informationen entstammen teils aus Herstellerdaten, teils aus Studien und fachwissenschaftlichen Veröffentlichungen.

Mit dieser Synopse möchten wir einen Beitrag zur Verbreitung, Bereitstellung und zum Transfer des Kenntnisstandes über die Technologieentwicklung leisten. Eine Empfehlung, ob und wenn ja, welchen Technologien der Vorzug gegeben werden sollte, ist nicht beabsichtigt.

Die tabellarische Übersicht über die Systeme wurde gegenüber dem Stand vom 24. Juli 2017 aktualisiert und erweitert. Diese entnehmen Sie bitte dem PDF-Dokument.

Die Synopse erhebt weiterhin keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Weitere Systeme befinden sich bereits auf dem Markt (ReBat/TIMR) oder sind in der Entwicklung (bspw. ACAMS, B²-Monitor). Informationen über diese Systeme werden im Zuge weiterer Fortschreibungen (halbjährlich) eingepflegt. Zur Vertiefung kann den weiterführenden Links im Dokument gefolgt werden.