Anforderungsprofil „Anforderungen an eine fachlich valide Erprobung von technischen Systemen zur bedarfsgerechten Betriebsregulierung von Windenergieanlagen“ - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende Anforderungsprofil „Anforderungen an eine fachlich valide Erprobung von technischen Systemen zur bedarfsgerechten Betriebsregulierung von Windenergieanlagen“ - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende

Anforderungsprofil

Anforderungen an eine fachlich valide Erprobung
von technischen Systemen zur
bedarfsgerechten Betriebsregulierung
von Windenergieanlagen

Veröffentlicht: April 2019
Autoren: Eva Schuster, Dr. Elke Bruns

Stand des Wissens und Notwendigkeit der Erprobung

Der Einsatz von technischen Systemen (insbesondere Kamera- und Radarsysteme) zur Verminderung von Vogelkollisionsrisiken an Windenergieanlagen (WEA) durch bedarfsgerechte Betriebsregulierung wird aktuell intensiv diskutiert. Es stellen sich die Fragen, ob a) diese Systeme Prognoseunsicherheiten über Kollisionsrisiken am Standort verringern können und ob b) durch die mit der Vogelerkennung gekoppelte, bedarfsgerechte Abschaltung das Kollisionsrisiko unter die Signifikanzschwelle gesenkt werden kann.
Sowohl von Betreiber- als auch von Behörden- und Verbandsseite besteht ein Interesse daran, Antworten auf diese Fragen zu erhalten und Klarheit über die Einsatzmöglichkeiten von Detektionssystemen mit automatisierter Abschaltung zu gewinnen. Ob die marktverfügbaren Detektionssysteme hinreichend leistungsfähig und zuverlässig sind, um das Kollisionsrisiko unter die Signifikanzschwelle senken zu können, wurde bislang noch kaum fachwissenschaftlich untersucht. Durch die Entwicklung eines Anforderungsprofils für die fundierte Erprobung der Systeme möchte das KNE mit Unterstützung von Fachexperten und -expertinnen einen Beitrag zur Klärung dieser Frage leisten.
In betreiberinitiierten Erprobungsfällen, in denen das KNE als „neutrale Instanz und Wissensträger“ einbezogen ist, dient das Anforderungsprofil als Grundlage der Beratung. Es wird jeweils zu entscheiden sein, wie die Anforderungen in den Erprobungsfällen bestmöglich erfüllt werden können. Das Anforderungsprofil kann – unter Einbeziehung von Anwendungserfahrungen aus den Erprobungsfällen in Forschung und Praxis – in einen „Leitfaden Erprobung“ münden. Hierfür werden weitere Abstimmungsschritte erforderlich sein.

Zielstellung des vorliegenden Papiers

Ziel ist es, durch die Bereitstellung des Anforderungsprofils eine Orientierung für die Durchführung von Systemerprobungen in der Praxis zu leisten, um die Neutralität und Qualität der Erprobungsergebnisse zu sichern. Die Erprobungen tragen so zur Bildung einer fundierten Entscheidungsgrundlage bei, um die grundsätzliche, systemspezifische Eignung von Detektionssystemen als wirksame Verminderungsmaßnahme zu beurteilen und um eine Identifikation sinnvoller Anwendungsfälle zu ermöglichen.
Natürlich kann es auch Fälle geben, in denen es der Behörde zur Klärung der Genehmigungsfähigkeit einer Einzelanlage genügt, wenn nicht das vollständige Prüfprogramm entsprechend dem Anforderungsprofil durchgeführt wird. In solchen Fällen kann jedoch keine generalisierte Zulassung des Systems als „geeignete und wirksame Verminderungsmaßnahme“ daraus abgeleitet werden.

Vorgehensweise bei der Erstellung des vorliegenden Papiers

Am 5. Juli 2018 fand ein Fachgespräch mit Experten bzw. Expertinnen aus Wissenschaft und Genehmigungspraxis (s. Anhang 10.1) statt. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen waren eingeladen, sich über den bisherigen Wissensstand bezüglich der Erprobung von marktverfügbaren Kamera- und Radarsystemen zu informieren. Anschließend brachten die Teilnehmenden ihre Erfahrungen in die Diskussion über Eckpunkte eines Anforderungsprofils für die Durchführung „Bottom-up“-initiierter Erprobungen ein.
Das vorliegende Papier fasst den Stand des Wissens über Rahmenbedingungen der Erprobung sowie über die Durchführung einer strukturierten und fachlich validen Erprobung der Technologien auf der Basis des Fachgesprächs zusammen. Auch wurden schriftliche Kommentare der Experten und Expertinnen zum Anforderungsprofil bei einer nachfolgenden Überarbeitung berücksichtigt und das Papier dadurch konsolidiert. Der Fokus liegt auf Systemen zur Erkennung einzelner, sich der WEA annähernden mittelgroßen bis großen Vögeln. Systeme, die eine Quantifizierung der generellen Flugaktivität von insbesondere Zugvögeln (Anzahl der Vögel pro Kilometer und Stunde) vorsehen, um dann, ab einer gewissen Anzahl, abzuschalten, werden im Folgenden nicht weiter behandelt. Der Einsatz erfolgt bei Letzteren insbesondere zur Erkennung von Kleinvögeln, die vor allem zur Zugzeit in großer Dichte vorkommen und in topografisch beeinflussten Gebieten an WEA verunfallen (schriftlicher Kommentar Janine Aschwanden).
Das vorliegende Anforderungsprofil stellt einen fachlich konsolidierten Arbeitsstand dar, der durch einen fortschreitenden Erkenntnisgewinn aus ersten Erprobungsfällen iterativ weiterentwickelt werden soll.