So werden Solarparks naturverträglich
KNE-Veranstaltung für Einsteigerinnen und Einsteiger aus Kommunen, Behörden und Unternehmen
Naturverträgliche Solarparks beeinträchtigen das Landschaftsbild möglichst wenig, werden bodenschonend errichtet, zerschneiden keine Habitate und bieten vielen Tieren und Pflanzen Lebensraum. Doch wie gelingt es, solche Anlagen umzusetzen? Welche rechtlichen Rahmenbedingungen gelten, und welche Handlungsmöglichkeiten haben Kommunen? Das Team Solar des KNE informierte darüber in einer Online-Veranstaltung am 15. April.
Im Jahr 2040 soll die installierte Photovoltaik-Leistung in Deutschland 400 Gigawatt betragen. So ist es im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) von 2023 festgelegt. Dieses Ziel erfordert den großflächigen Bau von Solarparks, die etwa die Hälfte der Leistung abdecken sollen. Bis 2030 müssten rund 100.000 Hektar bebaut werden – eine Fläche, die etwas größer ist als Berlin.
Dort, wo Solarparks entstehen, sehen sich Kommunen, Betreiber, Behörden und auch Naturschutzorganisationen mit Herausforderungen und offenen Fragen konfrontiert: Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es bei der Planung und Genehmigung von Solarparks? Wo liegen Chancen und wo Herausforderungen? Und wie lässt sich der großflächige Zubau von Solarparks möglichst naturverträglich gestalten?
Antworten auf diese Fragen lieferte die digitale KNE-Veranstaltung „Naturverträgliche Solarparks für Einsteigerinnen und Einsteiger – Naturschutzfachliche Handlungsmöglichkeiten und rechtliche Rahmenbedingungen“ am 15. April. Die Veranstaltung zeigte: Das Interesse am Ausbau der Solarenergie und den damit verbundenen Naturschutzfragen ist groß. Rund 200 Menschen aus Kommunen, Behörden, Planungsbüros, Projektier- und Betreiberunternehmen und aus der Forschung informierten sich.
Biodiversitätsverluste verringern
Solarparks sind nicht nur für die Energiewende essenziell. Werden sie naturverträglich geplant, gestaltet und gepflegt, können sie zu artenreichen Lebensräumen werden und damit den Rückgang der Biodiversität verringern, betonte Dr. Julia Wiehe, Teamleiterin Solar.
Was das konkret bedeutet, erklärte Dr. Julia Thiele, Referentin für naturverträgliche Solarenergie: Sie zeigte etwa, warum der Abstand zwischen den Modulreihen mindestens dreieinhalb Meter betragen sollte. Nur dann kann genügend Licht auf den Boden gelangen und sich artenreiches Grünland mit vielen verschiedenen Pflanzenarten entwickeln. Durchlässige Zäune und Wildkorridore sorgen dafür, dass der Solarpark nicht zur Barriere für Tiere wird. Zusätzliche Mikrohabitate wie Lesesteinhaufen oder Feuchtbiotope bieten wertvollen Lebensraum für weitere Arten.
Der Standort ist entscheidend
Eine der wichtigsten Entscheidungen für naturverträgliche Solarparks fällt bereits in der Planungsphase, wie Dr. Julia Wiehe im zweiten Teil der Veranstaltung erklärte: „Eine ganz wesentliche Voraussetzung ist die Wahl eines konfliktfreien oder konfliktarmen Standorts.“ Eine Orientierung dafür liefert das EEG. Es legt fest, dass die Einspeisung von Solarparks nur auf vorbelasteten Flächen wie Deponien, Konversionsflächen sowie entlang von Autobahnen und Schienen vergütet wird. Auch Acker- und Grünlandflächen in den sogenannten „benachteiligten Gebieten“ sind vergütungsfähig, sofern sie außerhalb von streng geschützten Schutzgebieten liegen. Kommunen können außerdem über einen Grundsatzbeschluss und ein kommunales Standortkonzept eigene Standortkriterien festlegen und Einfluss darauf nehmen, dass die Anlagen naturverträglich umgesetzt werden.
Rechtsreferentin Cäcilia Gätsch vertiefte die rechtlichen Grundlagen zum PV-Ausbau und ging detailliert auf wichtige Instrumente wie die Eingriffsregelung und die artenschutzrechtliche Prüfung ein. Beide sorgen dafür, dass Arten- und Naturschutz beim Bau und Betrieb von Solarparks eingehalten werden.
Viele Teilnehmende richteten anschließend ihre Fragen an die Referentinnen, die sich etwa um die richtige Pflege der Anlagen, um Solarparks als Lebensraum für Bodenbrüter oder um Moor-PV drehten. Energieerzeugung und Biodiversität müssen keine Gegensätze sein, sondern können gemeinsam erreicht werden – diese wichtige Botschaft gab das KNE-Team den Teilnehmenden zum Abschluss mit auf den Weg.
Wissensplattform „Natur im Solarpark“
KNE-Publikation „Artenreiches Grünland im Solarpark etablieren – aber wie?“