13.11.2025

Grüne Vielfalt zwischen Modulen

KNE-Veranstaltung „Artenreiches Grünland im Solarpark etablieren – aber wie?“

Solarparks können saubere Energie liefern und gleichzeitig Lebensräume – etwa für Grünlandarten – schaffen. Wie das gelingt und welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen, zeigte das KNE in einer gut besuchten Online-Veranstaltung mit rund 330 Teilnehmenden. Im Mittelpunkt des Programms stand eine aktuelle KNE-Publikation.

„Warum ist artenreiches Grünland wichtig?“ – Diese Frage stellte der Biologe Dr. Christian Dolnik von der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein gleich zu Beginn der KNE-Veranstaltung am 11. November und lieferte in seinem Impulsvortrag auch die Antwort: Grünlandflächen beherbergen 2.000 Pflanzenarten – darunter viele gefährdete Blüten- und Farnpflanzen –, zahlreiche Insekten, Amphibien, Vögel und andere Lebewesen. Doch der wertvolle Lebensraum steht unter Druck: Seit den 1950er Jahren seien allein in Schleswig-Holstein etwa 164.000 Hektar Grünland durch eine veränderte Landnutzung verschwunden. Nur 5 Prozent der verbliebenen Grünlandflächen sind tatsächlich arten- und strukturreich. Wenn auf ehemaligen Ackerflächen Solarparks entstehen, sieht Dr. Christian Dolnik auch die Chance, dass sich darin Grünland-Refugien bilden.

Wie es gelingt, diese Chance in die Praxis umzusetzen und warum das häufig angewandte Mulchen in Solarparks artenreiches Grünland verhindert, stellte Dr. Julia Thiele, Fachreferentin Solarenergie am KNE, vor. In ihrem Vortrag gab sie einen zusammenfassenden Überblick auf die aktuelle KNE-Publikation „Artenreiches Grünland im Solarpark etablieren – aber wie?“. Welche Rahmenbedingungen müssen schon bei der Planung berücksichtigt werden? Wie müssen die Flächen vorbereitet und begrünt werden? Wie sehen eine optimale maschinelle Pflege und Beweidung aus? Und welche Instrumente sind schließlich geeignet, um die Etablierung von artenreichem Grünland nachhaltig zu sichern? Auf all diese Fragen ging Dr. Julia Thiele ein, bevor sie das Wort an drei Gäste aus der Praxis übergab, die ihre Erfahrungen mit der fachgerechten Pflege von Solarparks teilten.

Pflege schon in der Planung mitdenken

Gwendolin Hartmann berichtete, dass die maschinelle Pflege von Solarparks immer häufiger so gestaltet sei, dass sich artenreiches Grünland entwickeln könne. Dafür sei es wichtig,  alle Akteure frühzeitig einzubinden. Mitunter seien die Module für die Mähmaschinen zu niedrig über dem Boden angebracht, herausragende Betonfundamente und Querstreben erschwerten die Pflege ebenfalls. Das bestätigte Landwirt Julius Bitterich aus seinen eigenen Erfahrungen in der Solarparkpflege. Oft seien zudem die Gassenbreiten und Abstände zu den Zäunen für die Maschinen zu gering bemessen. Zudem müsse das Mahdgut in Kompostieranlagen entsorgt werden. Das ist aufwendig, aber dennoch notwendig.

Darum muss sich die Schäferin Carina Vogel, die mit ihrer Schafherde seit mehreren Jahren auch Solarparks beweidet, keine Gedanken machen. Schließlich fressen die Tiere die Biomasse gleich auf und verbreiten nebenbei Samen über ihr Fell, ihre Klauen und den Kot. Auch sie betont, dass die zukünftige Art der Pflege bereits bei der Planung und Umsetzung von Solarparks mitgedacht werden müsse, um sie fachgerecht, kostengünstig und langfristig durchführen zu können. Für ihre Schafe braucht sie etwa Strom und Wasser auf der Fläche, die Anlage muss für Autos zugänglich sein. Außerdem müsse der Solarpark tierwohlgerecht gestaltet sein – ohne scharfe Kanten oder lose Kabel.

Zum Abschluss beantworteten die Referentinnen und Referenten zahlreiche Fragen aus dem Publikum, die vor allem praktische Aspekte aufgriffen: etwa zu konkreten Pflegemaßnahmen, zu baulichen Kriterien und technischen Voraussetzungen sowie zur Kommunikation während Planung und Bau. Auch die Frage, mit welchen Instrumenten Kommunen die Entwicklung artenreicher Grünlandflächen in Solarparks unterstützen oder einfordern können, wurde aufgegriffen.

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