Zukunft mit Erneuerbaren – Energiewende in ländlichen Regionen
Maria Kaiser, Oliver Klein, Jörg Radtke (Hrsg.) (2025) Mit Energie gestalten! Perspektiven zur Energiewende als Chance für ländliche Räume
Die Energiewende wird vor allem in ländlichen Räumen sichtbar. Wie müssen Ausbau, Management und Beteiligung aussehen, damit gerade diese Regionen profitieren? Die Agrarsoziale Gesellschaft e.V. befasste sich mit dieser Frage in einem kürzlich abgeschlossenen Projekt. Ein ausführlicher Sammelband greift die Themen der zum Projekt gehörenden Seminarreihe auf und ergänzt sie durch zahlreiche weitere Beiträge.
Solarparks, Windenergieanlagen oder Felder mit Energiepflanzen – die Energiewende wird zu einem großen Teil in ländlichen Räumen umgesetzt. Das hat weitreichende Folgen vor Ort: für die Lebensverhältnisse, die Landnutzung oder die Infrastruktur. Auch Flächennutzungskonflikte, Auswirkungen auf Natur und Landschaft oder gesellschaftliche Spannungen gehören dazu.
Die Agrarsoziale Gesellschaft e.V. (ASG) hat von April 2024 bis September 2025 in dem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderten Projekt „Die Energiewende als Chance für ländliche Räume? Ein praxisorientiertes Handlungs-Tool“ untersucht, wie die Energiewende im Sinne einer ganzheitlichen und nachhaltigen Entwicklung ländlicher Räume umgesetzt werden kann. Eine Seminarreihe stellte Visionen einer erneuerbaren Energiezukunft vor – von Agri-PV über Bürgerenergie bis hin zu Wertschöpfungseffekten und Beteiligungsoptionen.
Der nun veröffentlichte Sammelband greift auf über 300 Seiten die Themen der Seminarreihe auf und ergänzt sie durch zahlreiche weitere Beispiele von Chancen und Herausforderungen der Energiewende im ländlichen Raum. Er enthält Artikel aus der Wissenschaft, von beratenden Organisationen und Fachverbänden sowie viele Fallbeispiele aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands.
Wissenstransfer für die Praxis
In fünf Rubriken stellt die Publikation vor, wie ländliche Kommunen die Energiewende als Handlungsfeld nutzen können, wie regionale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien die finanzielle Teilhabe stärkt, wie Bürgerinnen und Bürger die Energiewende selbst in die Hand nehmen können, welche zukunftsfähigen Lösungen es für die Landnutzung gibt und welche Ideen für mehr Gerechtigkeit in der Energiewende sorgen können.
Die Herausgeberinnen und Herausgeber wollen mit der Veröffentlichung einen inter- und transdisziplinären Wissenstransfer anstoßen, der besonders auf Erfahrungen „aus der Praxis für die Praxis“ setzt. Das zeigt auch die Vielfalt der beteiligten Autorinnen und Autoren, die häufig selbst Projekte im Bereich erneuerbarer Energien in ländlichen Räumen umgesetzt haben und ihre jeweiligen Praxiserfahrungen einbringen.
Bürger beteiligen und Dorffrieden sichern
Dazu gehört etwa der Beitrag von Ramona Rothe von der Thüringer Landesenergieagentur ThEGA. Sie stellt vor, wie das Flächenpooling in der Planung von Windkraft- und Photovoltaikprojekten dabei helfen kann „Flickenteppichplanungen“ zu vermeiden und mit gerechten Verteilschlüsseln für Pachteinnahmen den „Dorffrieden“ zu sichern. Der Biolandwirt Dirk Ketelsen berichtet darüber, wie in Schleswig-Holstein Akteure vor Ort eine umfassende Beteiligung der Bürgerinnen und Bürgerinnen sicherten und Windparks zu einem unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor in der Region machten.
Auch Dr. Julia Wiehe, Teamleiterin Solar am KNE, ist mit einem Beitrag vertreten. Darin zeigt sie, wie Photovoltaikanlagen auf ehemals entwässerten Moorböden eine doppelte Wirkung für den Klimaschutz entfalten können, wenn die Flächen wiedervernässt werden. Erste Projekte dazu zeigten bereits Erfolge. Kommunen bräuchten für eine gute Planung von Anlagen Informationen über die Potenziale ihrer Moorböden, betont die Autorin und ergänzt, dass noch zahlreiche Fragen zu Technik, Standort und Auswirkungen von Moor-PV geklärt werden müssen.
Quelle: Maria Kaiser, Oliver Klein, Jörg Radtke (Hrsg.) (2025) Mit Energie gestalten! Perspektiven zur Energiewende als Chance für ländliche Räume, Schriftenreihe für ländliche Sozialfragen Nr. 150, Agrarsoziale Gesellschaft e.V., 316 S.