23.06.2026

Teilhabe, Gerechtigkeit und Einblicke in die Bauverwaltung

Fachforum des KNE-Pools für Prozessgestaltung, Mediation und Moderation

Am 19. und 20. Juni 2026 fand in Lüneburg das 17. Fachforum des KNE-Pools für Prozessgestaltung, Mediation und Moderation statt. Die teilnehmenden Mediatorinnen und Mediatoren erhielten fachliche und methodische Impulse und fanden viel Raum für Diskussionen, Vernetzung und Erfahrungsaustausch.

Das Fachforum startete Freitagvormittag mit einer Exkursion zum Campus Steinicke in Lüchow. Hier produziert das regionale Familienunternehmen Steinicke luftgetrocknete Kräuter und Gemüse und ist dabei weltweit erfolgreich. Bis 2030 soll die Produktion klimaneutral sein.

Auf dem Weg dorthin setzt das Unternehmen auf verschiedene Maßnahmen. Dazu gehören kurze Transportwege, eine regionale Produktion der zu verarbeitenden Pflanzen und die Umstellung auf erneuerbare Energien für ihre Trocknung. Eine Holzhackschnitzelanlage auf Basis von Altholz sorgt etwa für eine kontinuierliche, weitgehend autarke Energiezufuhr. PV-Anlagen auf den Dächern der Produktions- und Lagerhallen ergänzen die Stromproduktion. In einer großen Agri-PV-Pilotanlage wird experimentiert, welche Kräuter sich gut unter den Anlagen anbauen lassen, Gemüseschalen und Kräuterstängel werden in einer Biogasanlage verwertet. Bei der Campusführung machten sich die Teilnehmenden ein konkretes Bild von den Aktivitäten des Unternehmens, bevor es zurück nach Lüneburg ging.

Auch an Entscheidungen beteiligen

Am Nachmittag standen kommunale Handlungsmöglichkeiten bei der naturverträglichen und beteiligungsorientierten Gestaltung von Solarparks und das Niedersächsische Beteiligungsgesetz auf dem Programm, das Betreiber neuer Windenergieanlagen und Solarparks dazu verpflichtet, Kommunen und Anwohnende finanziell zu beteiligen. Diese wirtschaftliche Beteiligung stellt einen wichtigen Baustein in der regionalen Verankerung der Energiewende dar. In der Diskussion wurde deutlich, wie wichtig es darüber hinaus ist, Bürgerinnen und Bürger auch in Entscheidungsprozesse einzubinden – in der Kommunalbeteiligung ebenso wie an konkreten Vorhaben vor Ort, bei denen es um gestaltbare Aspekte der Energieprojekte geht. Dabei stehen die Expertinnen und Experten des KNE-Mediationspools mit ihrer Moderationserfahrung als Ansprechpartner zur Verfügung.

Mit dem Thema Gerechtigkeit in der Mediation startete der zweite Forumstag. Gute Lösungen lassen sich meist erst finden, wenn die Konfliktbeteiligten auch ein gemeinsames Verständnis davon haben, was sie als gerecht empfinden. Es lohnt daher, sich gemeinsam im Vorfeld Zeit zu nehmen, um auszuloten, welchen Kriterien eine „gute“ Lösung am Ende gerecht werden muss. Ein Punkt, dem in vielen Konfliktbearbeitungsverfahren noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird, so das Fazit der Diskussion.

Im Anschluss konnten die Teilnehmenden das Format „Debattenarena“ ausprobieren und gemeinsam reflektieren. Dieses Format hilft dabei, öffentlich geführte strittige Diskurse besonders auf lokaler Ebene in eine konstruktive Bahn zu lenken. Den Abschluss des Fachforums bildete ein Vortrag zu den Herausforderungen bei der Bewilligung und Begleitung von Erneuerbare-Energie-Projekten, der Einblick in das Innenleben einer Bauverwaltung gab.

Das KNE vermittelt Mediatorinnen und Mediatoren, die alle Beteiligten und Betroffenen kompetent dabei begleiten, gemeinsam einen konstruktiven Umgang mit den vielfältigen Veränderungen zu entwickeln, die die Energiewende mit sich bringt. Weitere Informationen über den KNE-Pool für Prozessgestaltung, Mediation und Moderation finden Sie auf unserer Internetseite.