27.08.2025

Neue KNE-Publikation: Detektion von Bewirtschaftungsereignissen an Windenergieanlagen

Landwirtschaftliche Bewirtschaftungsereignisse können die Nahrungsverfügbarkeit für bestimmte Vogelarten erhöhen und dadurch zeitweise eine gesteigerte Anlockwirkung der bewirtschafteten Flächen auslösen. Findet die Bewirtschaftung in der Nähe von Windenergieanlagen (WEA) statt, kann die aus der Anlockwirkung resultierende erhöhte Flugaktivität zu einer Erhöhung des Kollisionsrisikos für die Vögel führen.

Der Gesetzgeber hat daher die Abschaltung von WEA bei landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsereignissen in die Liste der fachlich anerkannten Schutzmaßnahmen in Anlage 1 Abschnitt 2 zu § 45b Bundesnaturschutzgesetz aufgenommen. Die „Bewirtschaftungsabschaltung“ gilt insbesondere für die als kollisionsgefährdet geltenden Arten Rotmilan und Schwarzmilan, Rohrweihe, Schreiadler und Weißstorch als vermeidungswirksame Maßnahme zur Minderung des Kollisionsrisikos. Damit kann sie zur Senkung eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos im entsprechenden Prüfbereich angewendet werden.

Zur auflagekonformen Umsetzung dieser Maßnahme muss sichergestellt sein, dass die Betriebsführung der WEA zuverlässig und rechtzeitig über die Durchführung relevanter Bewirtschaftungsereignisse informiert wird, damit diese die Abschaltung vornehmen kann. Zum Teil können Bewirtschaftende auch eigenständig die Abschaltung auslösen. Für beides ist in der Regel eine langfristige vertragliche Vereinbarung zwischen dem Vorhabenträger und denjenigen, denen die Flächen gehören bzw. die sie bewirtschaften, abzuschließen und der Behörde vorzulegen. Ohne einen solchen Nachweis kann die Fachbehörde die Schutzmaßnahme unter Umständen ablehnen, weil deren Umsetzung sonst nicht hinreichend sichergestellt ist.

Technische Hilfsmittel können unterstützen

Die Erfassung (Detektion) von Bewirtschaftungsereignissen mit technischen Hilfsmitteln wie Kameras oder mittels GPS-Tracking der Landmaschinen kann Meldungen durch die Bewirtschaftenden ersetzen und damit eine mögliche Alternative sein. Der Einsatz von solchen technischen Hilfsmitteln zur Unterstützung von Bewirtschaftungsabschaltungen dient dazu, diese unabhängig von der Informationsweitergabe durch Bewirtschaftende oder eine Überwachung durch dafür beauftragte Personen festzustellen.

Entsprechende technische Hilfsmittel bzw. Systeme befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung, einige werden bereits angewendet. Ein Nachweis der Wirksamkeit und Zuverlässigkeit dieser Systeme steht jedoch noch aus und es gibt bisher keine einheitliche Vorgehensweise dafür. In der Anwendungspraxis bestehen außerdem Unsicherheiten, unter welchen Voraussetzungen technische Hilfsmittel zur Überwachung eingesetzt oder eine automatische Bewirtschaftungsabschaltung beauflagt werden kann.

Wissens- und Entwicklungsstand zu Detektionssystemen und zu aktuellen Erkenntnissen in der Anwendung

Die Publikation „Detektion von Bewirtschaftungsereignissen an Windenergieanlagen“ stellt die technischen Möglichkeiten der Detektion vor, betrachtet den derzeitigen Wissens- und Entwicklungsstand der Erfassungssysteme und aktuelle Erkenntnisse aus ihrer Anwendung. Die Publikation hebt zudem hervor, welche Fragen noch geklärt und welche Wissenslücken geschlossen werden müssen. Die Veröffentlichung soll dazu beitragen, Entwicklung und Validierung der Systeme für eine fachgerechte Anwendung zu unterstützen.

Mehr zum Thema