10.12.2025

Moor-PV und Wiedervernässung: Wo liegen Chancen, wo Hürden?

Austausch zwischen Forschung, Praxis und Behörden

Rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskutierten am 4. Dezember zum Thema „Wiedervernässung und Moor-PV“ . Mit dem Austausch bietet das KNE, zusammen mit der Universität Greifswald, Partner im Greifswald Moor Centrum, eine Plattform für Akteure aus Behörden, Verbänden, der Energiebranche, Wissenschaft und Planung. Die eingeladenen Gäste teilen ihre jeweiligen Erfahrungen, bündeln Wissen und identifizieren Herausforderungen und Chancen von Moor-PV und Wiedervernässung.

Rund sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen stammen aus entwässerten Moorböden, die sich langsam zersetzen. Die Wiedervernässung der Böden ist deshalb ein wichtiges Ziel, um Klimaschutzvorgaben zu erreichen und die Emissionen zu reduzieren. Wie sich wiedervernässte Moorböden zukünftig nutzen lassen, ist eine drängende Frage, die aktuell von vielen Seiten intensiv diskutiert wird. Moor-PV ist eine mögliche Nutzungsform, die aus Klimaschutzsicht gleich mehrere Vorteile bietet. Doch bisher gibt es kaum Erfahrungen und erprobte Praxisbeispiele.

Die Universität Greifswald koordiniert verschiedene Forschungsvorhaben zu diesem Thema – etwa die Projekte „Moor-PV“ und „MoorPower“. Sie ist Partner im Greifswald Moor Centrum, das als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis fungiert. Im Projekt „MoorPower“ bietet das KNE mit dem Akteursaustausch „Moor-PV“ allen beteiligten Akteuren eine Möglichkeit, sich intensiv auszutauschen, eigene Erfahrungen zu teilen und verschiedene Perspektiven kennenzulernen. Mehr als 40 eingeladene Gäste nutzten diese Möglichkeit.

Praxisbeispiel zeigt, wo Herausforderungen liegen

Nach einer Einordnung durch Landschaftsökologin Monika Hohlbein, die an der Universität Greifswald das Projekt „Moor-PV“ koordiniert, berichteten die Landwirte Lars Kaper und Andreas Rengstorf aus Niedersachsen über ihre Praxiserfahrungen mit einer Moor-PV-Anlage. Nach einem Wiedervernässungskonzept, Bodensondierungen, verschiedenen Gutachten und einem erfolgreichen EEG-Gebotsverfahren wurde ihre Anlage im August 2025 in Betrieb genommen. Die Anlage dient nun auch wissenschaftlichen Untersuchungen: Innerhalb des Projekts „Moor-Power“ ermitteln Forschende, wie sich die Treibhausgasemissionen der wiedervernässten Fläche mit PV-Modulen verändern.

Im Forum warf das Praxisbeispiel zahlreiche Fragen auf: Wie wird die Unterkonstruktion sicher gegründet? Was bedeutet die Wiedervernässung für den Bauablauf? Wie verändert sich die Fläche? Und wie funktioniert die anschließende Pflege, etwa durch Beweidung? Darüber entstand ein intensiver Austausch, der von den verschiedenen Perspektiven und Kenntnissen in der Runde profitierte.

Zertifikate als zusätzliche Einnahmequelle

Dr. Malte Schneider und Christian Schröder von der Aeco GmbH zeigten, wie Klimaschutzprojekte mit CO₂-Zertifikaten zusätzliche Anreize für Wiedervernässung schaffen können. In Verbindung mit Kohlenstoffzertifikaten auf dem freiwilligen Kohlenstoffmarkt könnten wiedervernässte Flächen zu einer Einnahmequelle für die Flächeneigentümer werden, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

In der Schlussrunde wurde deutlich: Moor-PV-Projekte scheitern häufig noch an Unsicherheiten – von unklaren Genehmigungsfragen über fehlende Erfahrung mit geeigneten Bauweisen bis zur Frage von ökologischen Auswirkungen auf die Moore. Die Teilnehmenden machten aber ebenso deutlich, dass die schädlichsten Eingriffe bereits in der Vergangenheit durch die Entwässerung erfolgt sind und Wiedervernässung ein wichtiger Schritt ist, um degradierte Moorböden zu stabilisieren. Die Nutzung dieser ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen durch Moor-PV könnte ein wichtiger Baustein in Klimaschutz und Energiewende werden.

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