06.11.2025

Fledermausfreundlicher Betrieb von Windenergieanlagen

Webinar zum Online-Tool ProBat 7

Die Windenergie leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und damit langfristig auch zum Artenschutz. Gleichzeitig können Windenergieanlagen für Fledermäuse gefährlich sein, weil sie mit ihren Rotoren kollidieren. Mit Hilfe der Software ProBat kann die Gefahr gemindert werden: Sie berechnet auf Basis gemessener Flugaktivitäten von Fledermäusen standortspezifische Abschaltalgorithmen für Windenergieanlagen und hilft so, das Tötungsrisiko für Fledermäuse besonders effektiv zu verringern. In einem gemeinsamen Webinar der Naturstiftung David und des KNE gab der Biologe Dr. Oliver Behr Einblick in die Hintergründe und Funktionsweise von ProBat 7, auf aktuelle Weiterentwicklungen sowie Antworten auf häufige Fragen.

Für Fledermäuse ist das Risiko, mit einer Windenergieanlage (WEA) zu kollidieren, in den Nachtstunden, bei milden Temperaturen und schwachem Wind besonders hoch. ProBat ermöglicht einen fledermausangepassten Betrieb, der im Vergleich zu pauschalen Abschaltungen eine verlässlichere Einhaltung von Schlagopferschwellen ermöglicht und dabei zugleich einen effizienten Betrieb der Anlage erlaubt. Die Software wird aktuell im Auftrag der Naturstiftung David und gefördert vom Bundesamt für Naturschutz von der OekoFor GbR weiterentwickelt. In einem gemeinsamen Webinar der Naturstiftung David und des KNE stellte Dr. Oliver Behr von der OekoFor GbR das Tool vor und beantwortete zahlreiche Fragen der knapp 320 teilnehmenden Gäste.

Gondelmonitoring und Signifikanzschwellen

Um ProBat erfolgreich einzusetzen, ist eine zweijährige akustische Erfassung der Fledermausaktivitäten und weiterer Umweltparameter auf Gondelhöhe der Anlage notwendig. Mit den Daten dieses Gondelmonitorings und in Kombination mit regionsspezifischen Forschungsdaten errechnet ProBat das Kollisionsrisiko und wann die Anlage abgeschaltet werden muss, um die jeweils gültige Signifikanzschwelle einzuhalten. Diese legt fest, wie viele tote Fledermäuse pro Windenergieanlage und Jahr tolerierbar sind. In den Bundesländern gelten derzeit unterschiedliche Signifikanzschwellen, die teilweise artübergreifend, teilweise artspezifisch von 0,5 bis zu zwei toten Tieren pro Anlage und Jahr reichen. In Bundesländern, wo es dazu keine Vorgaben gibt, wird die Schwelle zum Teil auch von den Genehmigungsbehörden festgelegt.

Beim Webinar gab Dr. Oliver Behr den Teilnehmenden einen umfassenden Überblick über die Grundlagen und Funktionsweisen von ProBat und beantwortete zahlreiche Fragen. Benötigte Daten zur Berechnung der Einschaltwindgeschwindigkeiten, die Anwendung des Tools, Ertragsverluste und auch der generelle Schutz von Fledermäusen waren dabei Punkte, die die Teilnehmenden interessierten. Auch die Frage, welche Folgen immer höhere Anlagen mit größeren Rotordurchmessern für Fledermäuse und ihren Schutz haben, stand im Fokus. Die zunehmend größer werdenden Rotoren der Anlagen führen zu höheren Kollisionsrisiken, allerdings nicht proportional zur erzeugten Energiemenge, stellte Dr. Oliver Behr klar. Auch wenn ein größerer Abstand des Rotors von Boden und Vegetation das Kollisionsrisiko senkt, reichen aus seiner Sicht gerade für größere Anlagen auf Mittelgebirgsstandorten und in den südlichen Bundesländern heutige pauschale Abschaltvorgaben vielerorts nicht mehr aus, um die Schlagopferschwellen einzuhalten, betonte er.

Gondelmonitoring meist wichtiger als Turmmikrofone

Besonders viele Fragen gab es außerdem zu Turmmikrofonen, die zusätzlich zum Gondelmonitoring die Fledermausaktivität im Bereich des unteren Rotorendes akustisch erfassen können. Viele Teilnehmende wollten wissen, wie nützlich ihr Einsatz ist und wie die Daten interpretiert werden. Dies wurde in einem jüngst abgeschlossenen Forschungsvorhaben untersucht.

Die Ergebnisse zeigten laut Dr. Oliver Behr, dass zusätzliche Messungen am Turm nicht immer einen Mehrwert bringen: „Wir können von den akustischen Messungen an der Gondel mathematisch gut berechnen, wie die Fledermausaktivität verteilt ist.“ Lediglich bei besonders niedrigen Abständen zwischen Rotor und Boden oder Waldoberkante von unter 30 Metern oder unter 60 Metern – wenn durch große Quartiere schlaggefährdeter Fledermausarten, besondere ökologische Strukturen oder die Landnutzung hohe Fledermausaktivitäten zu erwarten sind – seien Turmmikrofone sinnvoll. Ansonsten sei es wirksamer, die Zahl der Anlagen mit einem Gondelmonitoring zu erhöhen.

Für Ende 2026 ist eine neue Version der Software geplant: ProBat 8 wird dann die Turmmikrofondaten bei der Berechnung der Einschaltwindgeschwindigkeiten einbeziehen können. Neben einer verbesserten Formel zur Berücksichtigung von Rotordurchmesser und Nabenhöhe wird es weitere Funktionen zur Datenüberprüfung geben. Durch eine datenbankbasierte Lösung sollen in Zukunft die Daten für die Weiterentwicklung von ProBat und zumindest Fledermausdaten für weitere Forschungszwecke zugänglich gemacht werden. Damit soll einer langfristigen Forderung aller Akteure Rechnung getragen werden.

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