10.11.2025

Digitale Werkzeuge für den Naturschutz

BfN-Vernetzungskolloquium im Themenschwerpunkt Naturschutz und erneuerbare Energien

Auf dem Vernetzungskolloquium des Bundesamts für Naturschutz (BfN) diskutierten Fachleute, wie Daten, Sensoren und KI die Arbeit im Naturschutz verändern und prägen. Holger Ohlenburg und Dr. Julia Thiele vom KNE nahmen teil.

Wie kann Digitalisierung den Schutz von Natur und Artenvielfalt unterstützen – und wo liegen ihre Grenzen? Diese Frage stand im Mittelpunkt des BfN-Vernetzungskolloquiums „Naturschutz und erneuerbare Energien: Digitalisierung in der Naturschutzpraxis“, das am 6. November 2025 in Leipzig stattfand. Rund 100 Teilnehmende aus Forschung, Behörden und Praxis, die im Themenschwerpunkt Naturschutz und erneuerbare Energien arbeiten, tauschten sich über aktuelle Entwicklungen aus. An der Veranstaltung nahmen auch Holger Ohlenburg, Teamleiter Windenergie am KNE, und Dr. Julia Thiele, Fachreferentin Solarenergie, teil.

Neue Möglichkeiten und neue Herausforderungen

Die Fachbeiträge zeigten: Digitale Werkzeuge eröffnen neue Möglichkeiten und Perspektiven. Vogel- und Insektenzüge können heute etwa mit dem Wetterradar erkannt oder Wale mit Satellitenbildern erfasst werden. Systeme, die Wiesenbrüter akustisch erfassen und lokalisieren, könnten künftig die Kartierung erleichtern. Mit 3D-Wärmebildkameras und KI kann der Flugverlauf von Fledermäusen an Windenergieanlagen untersucht werden. Und große Datenmengen, Sensoren und KI spielen auch bei der Entwicklung von Antikollisionssystemen (AKS) zum Schutz vor Vogelkollisionen an Windenergieanlagen eine große Rolle.

Neben großen Chancen entstehen aber auch neue Herausforderungen: Um Vertrauen zu schaffen, ist Transparenz über die verwendeten Daten und Modelle nötig. Das Sammeln und Systematisieren großer Datenmengen ist sehr aufwendig und erfordert zum Teil große Energiemengen und Speicherkapazitäten. Für den Umgang mit neuen Modellen und KI ist außerdem Expertise notwendig, die sich viele Akteure erst einmal aneignen müssen.

In Diskussionsrunden vertieften die Teilnehmenden diese und weitere Fragen – etwa zur Datenverfügbarkeit, zu rechtlichen Rahmenbedingungen und zur Integration digitaler Verfahren in die tägliche Naturschutzarbeit. Dabei wurde deutlich: Damit Modelle und Sensoren ihre Stärken entfalten können, braucht es offene Daten, interdisziplinäre Zusammenarbeit und einen kritischen Blick auf Unsicherheiten. Das fachliche Vermitteln von Naturschutz und das gesellschaftliche Aushandeln werden die neuen digitalen Hilfsmittel nicht ersetzen.